Missing Link beim Menschen

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4 Antworten

Hi ingenious!

Obwohl die bisherigen Antworten gut und richtig waren, will ich trotzdem noch eines betonen:

Natürlich gibt es den Link, also den letzen gemeinsamen Vorfahren von Mensch und ????. Nun ja, das ist halt der von Mensch und Schimpanse. Das weiß man schon lange, dass Mensch und Schimpanse häher miteinander verwandt sind als beide zum Gorilla oder gar Orang Utan.

Und den letzten gemeinsamen Vorfahen gab es, und die Art gibt es noch als Fossil oder Überreste, und wenn's nur ein Zahn ist.

Und "missing" heißt eben nur "fehlend" oder wie schon gesagt nicht gefunden. Der Archeopterix war so ein "missing link" zwischen Reptilien und Vögel, bis man ihn eben gefunden hatte, ist auch schon lange her. In den letzten Jahrzehnten hat man viele gefiederte Dinosaurier gefunden, und jetzt ist mehr die Frage, ob alle Dinosaurier oder nur bestimmte Gruppen Federn hatten.

Und natürlich kann man nicht lückenlos alle Vorfahren als Fossilien finden, und meist sind die Übergänge ja allmählich und überschaubar. Einen Link "braucht" man daher sowieso nur bei spektakulären Änderungen in kurzer Zeit ohne Fossilfunde für den Übergang:

Fische zu Amphibien, Reptilien zu Vögeln, Flusspferde zu Walen oder Spitzmäuse zu Fledermäusen.

Gruß, Zoelomat

Das mit dem Missing Link ist ein Mißverständnis der Evolution. Also ein fehlendes Verständnis der Evolution.

Es gibt keine Ursprungsart, von der man als dem Ursprung einer späteren Art schließen könnte. So funktioniert Evolution nicht.

Die Definition von Arten ist eine eigentlich recht willkürliche Bestimmung des evolutionären Prozesses zu einem bestimmten Zeitpunkt.

Evolution geschieht niemals in Sprüngen, sondern immer in kleinsten Schritten. Und jede Generation ist der Ursprung der nächsten. Und so weiter, über Millionen von Jahren. Und wenn ich aus diesem kontinuierlichen Prozeß zwei Zeitpunkte bestimme, kann ich zwischen Vertretern dieser gleichen Linie Artunterschiede definieren. Lege ich die Zeitpunkte anders, wird auch das Ergebnis anders ausfallen.

Die Ursprungsart des Menschen ist somit die erste Zelle, die sich geteilt hat. Alles weitere sind unzählige minimale Anpassungen, die eben nur in zeitlichen Abstand voneinander artbestimmende Unterscheidungen zuläßt.

Es gibt also nicht ein Missink Link, sondern Millionen davon. Die allerwenigsten Individuuen gehen am natürlichen Kreislauf vorbei in die "Ewigkeit" ein. Das ist eben auch nicht vorgesehen. Die Natur ist ein Kreislaufsystem, daß nur deswegen solange funktioniert, weil alles Leben vergänglich ist und immer wieder recycled wird.

Was wir an Fossilien finden, sind stroboskopartige Belichtungen eines Prozesses. Sind Momentaufnahmen einer ungebrochenen Kontinuität.

Jede Artdefinition ist somit herausgestanzt aus dem Fluß des Lebens.

Zoelomat 05.10.2014, 02:41

Bei aller Philosophie und allem Romantizismus sollte man die Tatsachen nicht außer Acht lassen:

Es gibt sehr präzis definierte Individuen, also deine Vorfahren, die dir als Vettern x-ten Grades auch Schimpansen beschert haben.

Auch wenn die Frage etwas schwamig war, ist das kein Grund, hier allgemeines Geschwurbel oder Geschwafel abzulassen. Auch wenn es im Nachhinein nicht mehr in einen individuellen Stammbaum zu gießen ist, stehen doch die Vorfahren aller Menschen und Schimpansen fest. Und welcher der letzte gemeinsame war, da könnte höchstens die Frage aufkommen, ob das Geburtsdatum, das Sterbedatum oder das Begattungsdatum gewertet wird.

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realsausi2 05.10.2014, 13:01
@Zoelomat
Es gibt sehr präzis definierte Individuen, also deine Vorfahren, die dir als Vettern x-ten Grades auch Schimpansen beschert haben.

Das steht ja auch nicht im Widerspruch zu meinen Aussagen.

Was Du Geschwurbel nennst, ist dennoch eine wichtige Perspektive auf die Evolution an sich. Und der Fragesteller gab Anlaß zur Vermutung, daß ihm diese Perspektive fehlt.

Fakt ist: es gibt nicht einzelne Missing Links sondern immer Millionen davon. Taxonomie braucht sie nicht.

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realsausi2 06.10.2014, 09:41

Ich möchte Dir noch ein Buch empfehlen, daß gerade diese Frage sehr ausführlich beantwortet.

Der Autor geht darin rückwärts durch die Zeit und befaßt sich mit den vielen Abzweigungen, an denen sich Verwandtschaften getrennt hat. Er sucht den jeweils ältesten gemeinsamen Vorfahren.

Und das eben nicht nur im Verhältnis zu den Affen, sondern auch zu den Mäusen, den Würmern und den Bakterien, mit denen wir eben alle gemeinsame Vorfahren haben.

http://www.amazon.de/Geschichten-vom-Ursprung-Lebens-Zeitreise/dp/3550087489/ref=sr_1_1?s=books&ie=UTF8&qid=1412581240&sr=1-1&keywords=geschichten+vom+ursprung+des+lebens

Geschichten vom Ursprung des Lebens von Richard Dawkins.

Sehr zu empfehlen.

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Warum soll es in der Entwicklung des Menschen vom Affen zum heutigen Mensch kein Missing Link geben?

Na weil er längst gefunden wurde.

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