Minz-lippenpflege trotz homöophatischen medikamenten?

...komplette Frage anzeigen

4 Antworten

Hallo pearly,

homöopathische Arzneien erzeugen Placeboeffekte. Das heißt, sie haben keine gezielte Wirksamkeit auf Deinen Körper, sondern nur unspezifische Effekte, die psychosomatisch (bewusst und unbewusst) durch das Wissen überhaupt etwas zu tun getriggert werden.

Das ist ähnlich wie das Pusten auf die Wunde eines hingefallenen Kindes. Die Mutter pustet, tröstet, sagt, dass es gleich wieder gut sein wird - dass das Aua davon fliegt z.B. - und das "wirkt" tatsächlich beim Kind.

Homöopathie ist dasselbe "Wirkprinzip" für Erwachsene. Eine darüber hinausgehende Wirksamkeit konnten homöopathische Hochpotenzen (die im Übrigen aus reinem Zucker bestehen und den aufgedruckten "Wirkstoff" gar nicht enthalten) nie belegen. Eine gezielte Wirksamkeit von reinem Zucker ist auch mit unserem Wissen über die Natur heute, 200 Jahre nach der Erfindung der Homöopathie nicht mehr zu vereinaren.

Oft erzählen Homöopathen, man solle keine Minze essen oder Kaffee trinken, das würde die Wirkung der Arzneien beeinflussen. Nun sollte aber klar sein: Wenn man schon von vorneherein keine Wirksamkeit über Placebo hinaus nachweisen kann, dann kann man auch nicht untersuchen/mesen/nachweisen, dass die Wirksamkeit unter bestimmten Umständen sinkt. Diese Aussage stammt daher offensichtlich nicht aus sauberen Studien oder ist Messergebnis.

Woher kommt sie dann?

Placeboeffekte haben keinen Einfluss auf die Dauer der Erkrankung. Wann geht man in die Apotheke und holt sich was? Wenn es einem besonders schlecht geht. Wenn Du die Arzneien dann nimmst, geht es einem bald danach besser: denn nach der Phase, in der man sich besonders schlecht fühlt, tritt bei den meisten Allerweltskrankheite bald Besserung ein. Der Fachmann spricht von der "Regression zur Mitte".

Manchmal aber nimmt man die Mittel zu früh. Dann nimmt man die Arzneien - und es passiert erst mal nichts. Dann braucht der Homöopath seinem Patienten gegenüber eine Erklärung, warum es nicht funktioniert hat. Und so ist einem laaaange Liste von Dingen entstanden, die die Wirkungen des Zuckers angeblich hemmen. So oft hat es schon nicht funktioniert.

Diese Liste kann man im §260 des Organons nachlesen:

"Kaffee, feiner chinesischer und anderer Kräuterthee; Biere mit arzneilichen, für den Zustand des Kranken unangemessenen Gewächssubstanzen angemacht, sogenannte feine, mit arzneilichen Gewürzen bereitete Liqueure, alle Arten Punsch, gewürzte Schokolade, Riechwasser und Parfümerieen mancher Art, stark duftende Blumen im Zimmer, aus Arzneien zusammengesetzte Zahnpulver und Zahnspiritus. Riechkißchen, hochgewürzte Speisen und Saucen, gewürztes Backwerk und Gefrornes mit arzneilichen Stoffen, z. B. Kaffee, Vanille u.s.w. bereitet, rohe, arzneiliche Kräuter auf Suppen, Gemüße von Kräutern, Wurzeln und Keim-Stengeln (wie Spargel mit langen, grünen Spitzen), Hopfenkeime und alle Vegetabilien, welche Arzneikraft besitzen, Selerie, Petersilie, Sauerampfer, Dragun, alle Zwiebel-Arten, u.s.w.; alter Käse und Thierspeisen, welche faulicht sind, (Fleisch und Fett von Schweinen, Enten und Gänsen, oder allzu junges Kalbfleisch und saure Speisen; Salate aller Art), welche arzneiliche Nebenwirkungen haben, sind eben so sehr von Kranken dieser Art zu entfernen als jedes Uebermaß, selbst das des Zuckers und Kochsalzes, so wie geistige, nicht mit viel Wasser verdünnte Getränke; Stubenhitze, schafwollene Haut-Bekleidung, sitzende Lebensart in eingesperrter Stuben-Luft, oder öftere, bloß negative Bewegung (durch Reiten, Fahren, Schaukeln), übermäßiges Kind-Säugen, langer Mittagsschlaf im Liegen (in Betten), Lesen in wagerechter Lage, Nachtleben, Unreinlichkeit, unnatürliche Wohllust, Entnervung durch Lesen schlüpfriger Schriften, Onanism oder, sei es aus Aberglauben, sei es um Kinder-Erzeugung in der Ehe zu verhüten, unvollkommner, oder ganz unterdrückter Beischlaf; Gegenstände des Zornes, des Grames, des Aergernisses, leidenschaftliches Spiel, übertriebene Anstrengung des Geistes und Körpers, vorzüglich gleich nach der Mahlzeit; sumpfige Wohngegend und dumpfige Zimmer; karges Darben~ u.s.w. Alle diese Dinge müssen möglichst vermieden oder entfernt werden, wenn die Heilung nicht gehindert oder gar unmöglich gemacht werden soll. Einige meiner Nachahmer scheinen durch Verbieten noch weit mehrer, ziemlich gleichgültiger Dinge die Diät des Kranken unnöthig zu erschweren, was nicht zu billigen ist."

Die ganze Liste nennen Homöopathen heute nicht mehr. Ein paar aus der Zeit Napoleons stammende Vorstellungen sind dann doch heute zu albern. Also nennt man sie heute einfach nicht mehr. Immer noch angeführt wird aber Minze oder Kaffee. Irgendwas muss man ja sagen, wenn es nicht funktioniert...

Wenn Du befürchtest, es könnte die Wirkung hemmen, dann senkt es den Placeboeffekt. Wenn Du es nicht befürchtest, dann nimm Deine Lippenpflege. Eine Wechselwirkung mit dem Placebo außerhalb Deiner Erwartungen gibt es nicht.

Grüße

so eins sche is!:D da sind natürlich völlig überteuerte medikamente von den pharmakonzernen mit schwerwiegenden nebenwirkungen besser:)

3
@loreyna

loreyna,

auch hier muss ich bitten, wegen des "ö" den Link wieder in ein eigenes Fenster zu kopieren ud so zu öffnen:

http://www.homöopathie-diskurs.de/index.php?ecSTAGE=random_statement&id=10

Ob ein bestimmtes Medikament überteuert ist oder nicht, hat mit der Homöopathie nichts zu tun. Ob und wann es indiziert ist (es also hilfreich ist, es einzunehmen) auch nicht. Niemand behauptet, im Gesundheitssystem sei alles optimal.

Nur ändert das nichts an der Tatsache, dass in den sogenannten homöopathischen Arzneien in Potenz ab C12 der auf der Packung angegebene Wirkstoff nicht drin ist. Man bekommt reinen Zucker. Und Zucker kann nicht gezielte (und unterschiedliche) Wirkungen entfalten.

Überall, wo auch ein Placebo hilft, hätte man überhaupt nichts nehmen müssen. Man hätte also weder Big Pharma noch den Homöopathen reich machen müssen.

Ich darf hier kurz Ben Goldacre zitieren, aus seinem Buch "Bad Science", Kapitel 11:

"It seems to me that a lot of the stranger ideas people have about medicine derive from an emotional struggle with the very notion of a pharmaceutical industry. Whatever our political leanings, everyone is basically a socialist when it comes to healthcare: we all feel nervous about profit taking any role in the caring professions, but that feeling has nowhere to go. Big pharma is evil: I would agree with that premise.

But because people don't understand exactly _how_ big pharma is evil, their anger and indignation get diverted away from valid criticisms - its role in distorting data, for example, or withholding lifesaving drugs from the developing world - and channelled into infantile fantasies. "Big pharma is evil" goes the line of reasoning, "therefore homeopathy works and the MMR vaccine causes autism." This is probably not helpful."

Grüße

5

DH!!!

Unnatürliche Wohllust, Entnervung durch Lesen schlüpfriger Schriften, Onanism und unterdrückter Beischlaf fand ich am besten!

xD

3

Diese über 200 Jahre alte Liste in § 260 wird von Homöopathiegegnern immer wieder gerne aus dem historischen Zusammenhang gerissen und zur Verhöhnung der Homöopathie hier gepostet. Unsauber und unfair wie die ganzen langen und abschätzigen Anti-Homöopathiekommentare ewiggleichen Inhalts hier.

1
@SirGawain

In erster Linie wird die über 200 Jahre alte Lehre der Homöopathie von Homöopathie-Anhängern aus dem historischen Zusammenhang gerissen.

2

Ich persönlich nehme keinerlei Minzeprodukte während meiner homöopathischen Behandlung. Weder innerlich noch äußerlich. Ätherische Öle können homöopathische Mittel stören. Das Risiko gehe ich lieber nicht ein. Wenn das Mittel nicht wirken sollte, weiß man sonst nicht, ob es falsch gewählt wurde, oder ob die Minze das Mittel gestört hat. Deshalb würde ich an deiner Stelle die minzhaltige Lippenpflege nicht benutzen.

Du kannst deine Lippenpflege benutzen, solange du sie nicht aufisst=) Wenn man Homöopathische Medikamente nimmst, soll man ja keine Minzhaltigen sachen nehmen (Pfefferminztee, Hustenbonbon usw...) aber die Lippenpflege hast du ja nicht IM Mund. Lg, supercullenfan

Wenn Deine Mutter Heilpraktikerin ist, sollte sie Dir eigentlich diese Frage beantworten können. Ich denke mal, dass sie hier der bessere Ansprechpartner ist, als diverse User, die eh grundsätzlich gegen Homöopathie sind.

Heilpraktikerin ist nicht mit Homöopathin gleichzusetzen.

Es wird schon seinen/diesen Grund haben, dass pearlyy nicht ihre Mutter fragt.

1
@Auskunft

Auskunft,

lies noch mal oben nach. Anaschia verwechselt die Fragestellerin pearlyy mit der antwortenden Userin loreyna. Die hat geschrieben, ihre Mutter sei Heilpraktikerin. Die FS hat das tatsächlich nirgends geschrieben.

=)

Ansonsten natürlich richtig: Heilpraktikerin ist nicht gleich Homöopathin.

Grüße

1
@uteausmuenchen

Da überprüft man einmal eine Aussage nicht und fällt prompt darauf rein.

Sorry pearlyy. Nichts gegen Deine Mutter.

2

Was möchtest Du wissen?