Minusstunden bei der Arbeit?

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1 Antwort

Frage muss Sie mir die 120 Stunden bezahlen da, kein neuer Vertrag vereinbart wurde?

Ja!!

Grundsätzlich: Wenn in Deinem Arbeitsvertrag 120 Stunden vereinbart sind, dann bist Du auch für 120 Stunden zu bezahlen, unabhängig davon, ob der Arbeitgeber Dich für diese Zeit zur Arbeit einteilt oder nicht.

Wenn Deine Chefin Dir nicht genug Arbeit für die entsprechende Stundenzahl zuweisen kann, Dich nicht mit entsprechender Stundenzahl im Arbeitsplan einteilt, weil es nicht genug Arbeit gibt oder warum auch immer, damit Du Deine vertraglich vereinbarte Arbeitszeit ableisten kannst, kommt sie damit - gewollt oder ungewollt - einer ihrer arbeitsvertraglichen Hauptpflichten nicht nach!

"Auftragsmangel" z.B. gehört zum Betriebsrisiko des Arbeitgebers und darf nicht auf den Arbeitnehmer abgewälzt werden. Das Bürgerliche Gesetzbuch BGB bestimmt dazu eindeutig in § 615 "Vergütung bei Annahmeverzug und bei Betriebsrisiko":

Kommt der Dienstberechtigte mit der Annahme der Dienste in Verzug, so kann der Verpflichtete für die infolge des Verzugs nicht geleisteten Dienste die vereinbarte Vergütung verlangen, ohne zur Nachleistung verpflichtet zu sein. [Das gilt] entsprechend in den Fällen, in denen der Arbeitgeber das Risiko des Arbeitsausfalls trägt.

Mit anderen Worten: Du bist dann für die vereinbarte Stundenzahl zu bezahlen, auch wenn Du sie tatsächlich nicht geleistet hast, und musst die tatsächlich nicht geleisteten Stunden auch nicht nacharbeiten.

Ohnehin kann ein Arbeitgeber einen Ausgleich von Minusstunden - sofern sie nicht in seiner Verantwortung liegen (z.B. bei fehlender Arbeitsmöglichkeit) - überhaupt nur verlangen, wenn es eine vertragliche Vereinbarung zu einem Arbeitszeitkonto mit Regelungen zum Umgang mit Plus- und Minusstunden gibt.

Kurz und knapp: Deine Chefin hat - zumindest nach Deinen Informationen - Unrecht!

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