[Minimalismus] Macht einen das zum glücklicheren Menschen?

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7 Antworten

Die Kunst besteht darin minimalistisch leben zu können, ohne es zu tun.

Es ist in Ordnung sich auch in Teilen dem Konsum hinzugeben und es ist schlicht und ergreifend auch schön zu konsumieren, wenn man es denn kann. Es ist doch schön, wenn man sich für ein Thema interessiert und sich drei Bücher und eine DVD kaufen kann, um sich damit zu befassen. Es ist auch schön sich zu seinem Brot noch Aufschnitt und Butter kaufen zu können. Es ist auch schön für eine Matratze mehr ausgeben zu können, um den Komfort genießen zu können. Die Beispiele sind endlos und am Ende bleibt - ja, Konsum kann schön sein und wenn man die Möglichkeiten hat, dann kann man sich dem auch hingeben. Ja, Konsum kann glücklich machen.

Das wahre Glück besteht aber darin, sich den Standard des Minimalisten zu bewahren. Immer wieder kommt es vor, dass Menschen überfordert, traurig und stellenweise auch zutiefst erschüttert sind, wenn ihr Standard nicht mehr haltbar ist. Plötzlich können sie sich ihren Konsum nicht mehr leisten und müssen ihn herunterschrauben - manchmal auch drastisch. Das wäre an und für sich nur halb so wild aber sie können es nicht. Sie leben nun unter der Messlatte der vermeintlichen Selbstverständlichkeit und das passiert denen, die sich den Standard des Minimalisten bewahren nicht.

Wer sich diesen erhält, der genießt den Luxus der teuren Matratze aber stört sich nicht, wenn sie wegfällt und nicht mehr bleibt als eine durchgelegener Futon.

Das Glück was dort zu finden ist, liegt in der Wertschätzung von allem, was über das Minimale hinausgeht und auch das was Minimale darstellt. Wer den durchgelegenen Futon ebenso wertschätzen kann, wie die teure Matratze, der macht sein Glück - unabhängig davon, wie es um seine Konsummöglichkeiten gestellt ist.

Das macht denke ich glücklicher und zufriedener weil man so die Angst davor verliert, auch mal in Zeiten der "Knappheit" zu leben und den Besitz nicht zum Besitzer werden lässt.

Liebe Grüße.

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Kommentar von sarahj
22.11.2015, 00:18

liegt ganz auf meiner Linie... (gar nicht so närrisch ;-)

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Kommentar von TobyScience
22.11.2015, 00:30

Oder in Zeiten der 'Knappheit' festzustellen das man die teuren Luxusartikel eigentlich garnicht brauch bzw. nicht das Glück im Leben ausmachen.

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Ich denke da an einen Mittelweg. Zwischen Minimalismus, konsumieren und Konsumzwang gibt es ja noch genügend Grautöne.

Ganz ohne gelegentlichen Konsum (egal in welchem Sinne) fände ich das Leben wie eine Suppe ohne Salz. Man muss sich auch mal was gönnen. Erfahrungsgemäß sind die Wünsche die man sich lange nicht erfüllen konnte die schönsten wenn sie dann in Erfüllung gehen. Wer sich täglich was gönnen kann, stumpft ab und verliert die Wertschätzung sowie die Erfüllung. Man sollte sich also ein paar Wünsche aufheben (ich persönlich habe z.B schon als Kind immer von einem Jaguar-E geträumt, mir diesen Wunsch aber leider nie erfüllen können ;-( ).

Es gibt Untersuchungen, die zeigen, daß z.B. Lottomillionäre auch nicht glücklicher sind... Insofern sind selbst erreichte Ziele ungleich mehr Wert sind als das eigentliche Konsumieren. Selbst erreicht beinhaltet, daß der Weg das eigentliche Ziel ist, und das Ziel realistisch erreichbar ist.
Selbst erreicht beinhaltet auch, daß nicht Papi bezahlt, oder man das Geld erbt, sondern sich selbst hart und ehrlich erarbeitet hat. Wer das hat, hat auch das Recht sich etwas zu gönnen, was andere ablehnen. leider geht es in unserer Gesellschaft nicht immer ehrlich zu. Und view beurteilen andere an ihren Statussymbolen: ein Mafiosi mit teurem Auto wird tatsächlich von vielen mehr verehrt, als ein ehrlicher Arbeiter, der in einer billigen Schrottkarre vorfährt. Das selbe gilt leider für unfähige Manager und verbrecherische Bänker....

Umgekehrt gibt es Studien, die belegen, daß sich Menschen im sog. Westen im Mittel als glücklicher einstufen, als zwangsweise minimalistisch lebende in Entwicklungs oder Schwellenländern. Es gibt also schon ein Streben nach Konsum, bequemem Leben, warmer Dusche, WC und Pizzaservice.

Im Gegensatz dazu scheint mir mancher Minimalismus - insbesondere wenn er ideologisch verkrampft daher kommt - als Ausdruck eines gestörten Selbstwertgefühls. Man möchte sich wohl kasteien, um sich dann über andere erheben zu können. Oft sind es - klingt jetzt ein bisschen böse, ist aber nicht so gemeint - looser die ihre Träume selbst nicht realisieren und ihr Leben nicht im Griff haben, die das dadurch überkompensieren, indem sie anderen ihren Spaß nicht gönnen. Hat viel Ähnlichkeit mit fanatischen Religions-, Partei- oder diversen -Ismen-Anhängern (ist ja auch bezeichnend, daß in manche im Laufe ihres Lebens mal übereifrige Veganer, Christen, Linke, Rechte, Muslime, Fundis oder was immer sind - immer aber extrem, und anderen ihre Meinung aufdrängend.

Glücklicherweise haben wir hier die Wahl, und jeder kann sich selbst seinen Platz zwischen Minimalismus und extremer Konsumsucht suchen. Es gibt ja keinen KonsumZWANG; den macht man sich. selbst, indem man meint, den Medien, Facebook, der Gruppe oder wem-auch-immer folgen zu müssen.

Wer dem nicht widersteht hat selbst Schuld. Der Vorwurf, die Gesellschaft oder andere wären Schuld, ist immer eine Ausrede der Weicheier - und ich meine das im Ernst: ich kenne mehrere die in ihrem Leben zeitweise Aussteiger waren und auf einem Bauernhof ein alternatives Leben lebten. Wer es wirklich will, kann es tun und sich in einem Hof in der Pampa einmieten und Hühner melken wenn er will. Oder auswandern und in Indien meditieren bis zum umfallen. Manche  meiner Kumpels haben das nach einer Weile aufgegeben, andere nicht. Jeder hat es hier und jetzt mehr denn je selbst in der Hand, was er machen will.

Nochmal: Gut daß wir hier in keine Lebensform hinein gezwungen werden (sehr im Gegensatz zu anderen zeiten und Orten auf der Welt).
"Leben und leben lassen" / "Jeder nach seiner Façon"
sind hier die richtigen Devisen.

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"Ein Narr" ist wohl - ob er es weiß oder nicht - zumindest in der Frage "Glück" ein Epikureer. Wie sagte schon Epikur um 300 v.Chr.:

"Wenn du einen Menschen glücklich machen willst, dann füge nichts seinem Reichtum hinzu, sondern nimm ihm einige von seinen Wünschen."

oder

"Nicht die Dinge selbst, sondern nur unsere Vorstellungen darüber machen uns glücklich oder unglücklich."

Epikur wird ja gerne als Glücks-Philosoph bezeichnet, was Quatsch ist. Allen Philosophen der Antike ging es um die Frage: Wie gestalte ich ein gelingendes Leben? In dieser Frage war ihrer aller Schwerpunkt auf der Frage des richtigen Lebens im Jetzt. Erst das Christentum hat diese Perspektive auf die Ewigkeit aus dem aktuellen Leben heraus verschoben. Und die einzige, die Macht und Wahrheit über den Weg besaß, war die Kirche. Epikur wie auch Aristoteles waren Aufklärer, der eine "innerweltlich orientiert", der andere religiös gegründet. Für beide war Freiheit und Autarkie des Selbst, die Selbstmächtigkeit die Quelle eines gelingenden Lebens. Für Epikur mussten Freiheit und Notwendigkeit nebeneinander passen (kein absoluter Determinsimus). Je mehr Freiheit sich der Mensch durch Wissen und bedächtiges Handeln der Notwendigkeit und der Unberechenbarkeit des Schicksals abknabbern konnte, desto mehr Autarkie und Selbstmächtigkeit machte es ihm möglich, ein gelingendes Leben in seinem Sinne zu gestalten. Epikur führt schon den Unterschied ein zwischen haben können und haben müssen. Nur "haben können" ohne "haben zu müssen" führt zur Autarkie, zur Selbstbestimmtheit. Das verwirrt viele, die einerseits Epikur als Hädonisten in die Ecke stellen wollen und ihn gleichzeitig als kleinlichen Minimalisten bezeichnen. Das geht natürlich nicht zusammen, wenn man den Kern seiner Philosophie nicht versteht.

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Ich denke ein bescheidenes leben ist entspannter. Aber ich denke auch das wenn man selbst nicht bescheiden ist und man sich zu bescheidenheit zwing ist es ersteinmal auch nicht wirklich das wahre.

Auch sollte man bedenken wieviel verzicht man üben möchte. Es gibt ja leute die im endeffekt im wald leben, ohne technische gräte und großartigen schickschnack. Und entsprechend nur das nötigste zu leben besitzen. Sowas ist aber auch nicht für jeden.

Ich denke es reicht schon vollkommen aus wenn man sich gegen diese "Man muss immer das neuste und beste haben" metalität stellt. Gerade im bereich der technik in der jeder immer das neuste smartphone möchte was imgrunde doch nur genau das selbe macht wie das alte und das auch nur geringfügig besser.

Oder die mentalität das man unbedingt nen spitzenjob braucht und sich ja hocharbeiten muss obwohl das geld in der jetzigen position schon vollkommen ausreicht.

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Kommentar von MinimalistPur
13.07.2016, 00:40

Schöne Antwort.

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Mein vater will die ganze zeit minimalist werden... ich persönlich finde es schwer soweit zu kommen aber wenn man sich aufs nötigste beschränkt hat ist es glaub ich schon gut... nur glücklich würde mich das nicht machen ich mrine stell dir mal vor du läufst durch einen laden und denkst dir "das ist voll geil!! Aber nein... ich will mich ja beschränken..."
Also das muss jeder für sich entscheiden aber ich rate dir bei dem zu bleiben womit du "aufgewachsen" bist :)

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Kommentar von TobyScience
22.11.2015, 00:36

Ich denke ein zufriedener Mensch wird garnicht ständig neidisch bei dem was er im Schaufenster sieht. Denn wer mit dem zufrieden ist was er hat brauch nicht ständig etwas neues. Ich denke häufig denkt man einfach Gedanken und Handlungen nicht zu Ende (Brauch ich das wirklich? Lohnt sich der Mehrwert wirklich? Was könnte ich mit dem Geld sonst tun?, ...)

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Nein, Glueck ist nicht abhaengig von Dingen, andersrum wird eher ein Schuh daraus. Wenn du gluecklich und zufrieden bist, dann brauchst du die Dinge nicht mehr, denn du hast erkannt, das du unabhaengig von ihnen bist, also nicht identifiziert! Man kann natuerlich das Aeussere so weit reduzieren, um weniger abgelenkt zu sein, damit man zu sich selbst findet, aber man hat keine Garantie, dass man sich selbst erkennt, denn nur dann wirst du gluecklich. Versuche dein Bestes. Alles Gute!

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Das kommt ganz auf die Person und die Situation an. 

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