Messen die Grünen beim Thema Rassismus mit zweierlei Maß?

15 Antworten

Messen die Grünen mit zweierlei Maß?

Ich meine nicht - zumindest nicht im konkreten Fall.

Die AfDler sind erwachsene Leute, die sich der Verantwortung für ihre und auch der Verwerflichkeit ihrer Äußerungen bewusst sein müssten.

Diese Junggrüne war 14 Jahre alt, ein Teenager, als sie ihren Unfug ins Netz stellte. Für sie beanspruchen die Grünen sozusagen "Welpenschutz". Das Mädel war damals intellektuell nicht in der Lage, den Sinngehalt ihrer Äußerungen zu verantworten und die Folgen wirklich abzusehen. Als Erwachsene hat sie anscheinend ihre damaligen Ansichten geändert - hoffentlich.

Immerhin zeigt dieser Fall eindeutig: Kinder sind nicht wirklich demokratiefähig und zu verantwortlichem Urteil in der Lage. Daher macht es wenig Sinn, das Wahlalter herabzusetzen, wie es die Grünen und die SPD planen. Wer unmündige, unerfahrene Kinder wählen lassen will, will vorallem für die eigene Partei Wählerstimmen gewinnen. Genauso unsinnig wie ein Wahlrecht für Kinder ist das Wahlrecht für unmündige bzw. entmündigte Erwachsene, dessen Einführung ebenfalls von beiden Parteien positiv bewertet worden ist.

Beides fügt der repräsentativen Demokratie großen Schaden zu, weil die Politiker dadurch der Bevölkerung zu verstehen geben, dass die Demokratie gut und gerne auf den mündigen Bürger verzichten kann. Dieses Signal, das die Politiker aussenden, steigert die ohnehin vorhandene Politikverdrossenheit, die schon bei mindestens einem Viertel der Wahlberechtigten verfestigt zu sein scheint.

Bleibt gesund!

Arnold

Woher ich das weiß:Studium / Ausbildung – Ich arbeite als Historiker.

Zitat:

Die AfDler sind erwachsene Leute, die sich der Verantwortung für ihre und auch der Verwerflichkeit ihrer Äußerungen bewusst sein müssten.

Das trifft für alle Parteien zu.

Insbesondere der Grünen.

1
@MilesBenny

Auf alle Parteien und alle mündigen Erwachsenen trifft das zu - eine Binsenweisheit! Und?

Auf Kinder trifft dies allerdings nicht zu.

2

Rassismus ist lediglich ein Puzzleteil eines Ganzen. Das Ganze heißt "ungerechtfertigter Haß gegen andere", wobei "andere" so ziemlich jede auf der Welt existierende Denkrichtung oder Besonderheit sein kann, und das sogar dann, wenn sie in der eigenen Familie auffällt.

Ich meine, dass es nützlicher ist, nicht so sehr auf einzelne Puzzleteile zu achten (obwohl auch das wichtig sein kann), sondern stark vermehrt auf das Ganze. Dabei stellen sich dann etwas anders formulierte Fragen, wie z.B: Gibt es befindlichkeitsbedingten Haß gegen Menschen mit anderer Meinung? Gibt es Haß gegen solche, die sich nicht kritiklos die Meinung anderer einpflanzen lassen? Gibt es einen Haß gegen solche, die nicht im Interesse einer Ideologie ihre eigene Lebensgrundlage opfern wollen?

Die Frageliste läßt sich noch weiter fortsetzen. Doch die wahre Antwort auf solche Fragen läuft wohl immer und egal, wo man hinschaut darauf hinaus, das solcher "Ismus" fast überall existierte und gleichzeitig auch ein Anteil an Doppelzüngigkeit. Jedoch fällt es Menschen zumeist viel leichter, solche Mängel bei anderen zu entdecken anstatt bei sich selbst.

Letzteres ist jedoch bei politischen Parteien ein besonders kritischer Punkt, denn da geht es nicht nur um eine Einzelperson, sondern auch um die tatsächliche Gesinnung des Parteigeistes, die sich nicht durch Selbstdarstellung offenbart, sondern durch die subjektive Gesamthaltung beim Zugehörigkeitsgefühl. Nur was gut zusammenpaßt, bleibt auch vereint, und das zeigt sich vornehmlich an vielen Kleinigkeiten.

nein, das tun sie nicht meines Erachtens nach. Denn einen wichtigen Unterschied gibt es da doch: in einem der beiden Fällen sprechen wir über ein pubertierendes, nicht volljähriges jugendliches Mädchen, im anderen Fall sprechen wir über erwachsene Menschen von denen nach wie vor solche Äußerungen kommen - und wenn nicht vom Einzelnen dann von diversen Parteikameraden.

Solche Äußerungen sind nie toll und sollte man nicht in Schutz nehmen, aber man muss den Kontext beachten. Wenn ich mich an meine Jugendzeit erinnere - ich spreche hierbei von gymnasialem Umgang - war gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit an der Tagesordnung. Der Umgangston an einer durchschnittlichen Schule ist höchst homophob, rassistisch und meist auch sexistisch, das ist leider die Lebensrealität unserer Jugend.
Homophobe Beleidigungen werden regelmäßig genutzt, um Mitschülern die klischeehafte Männlichkeit abzusprechen, die angestrebt wird, der Großteil von Mittelstufenklassen besteht aus Mädchen, die sich und ihren Körper tagtäglich inszenieren und das Schubladendenken aufgrund von Herkunft oder Ethnie bestimmt die Gedankenwelt vieler Jugendlicher. Das finde ich höchst problematisch, aber das ist eben die Realität aktuell, und wenn man in solch einer toxischen Umgebung aufwächst ist es schwer, sich dem zu entziehen. Die meisten - so wie es auch bei mir war - haben das Glück, nach der Schule diesem Strudel entkommen zu können und das sollte man dann auch akzeptieren.

Würde man mich für meine Einstellungen und Aussagen in diesem Alter beurteilen würde man mich vermutlich von der Hochschule schmeißen... Ich schäme mich heute ein wenig dafür, ich akzeptiere es aber auch als einen Teil der Vergangenheit den ich ablegen konnte.
Demnach kann ich sehr gut nachfühlen, was es bedeutet diese gedankliche Entwicklung mitzumachen und kann von Glück reden, dass mir das heute niemand mehr vorhält, offensichtlich kann das aber nicht jeder...

Woher ich das weiß:Studium / Ausbildung – Teilgebiet meines Studiums

Kann man so sehen. Die Grünen sind mir generell sehr unsympathisch, aber trotzdem muss ich sagen, dass die Grünenvorsitzende zu dem Zeitpunkt erst 14 war. Da sagt und macht man so einiges, was man später bereut.

Es geht nicht um die Vorsitzende, sondern die Reaktion der Grünen.

2

Medien berichten auch, dass das Mädel sich zurückziehen muss, weil vom rechten Rand Beleidigungen und Morddrohungen kommen. Hier eine Kostprobe

https://twitter.com/Die_Insider/status/1447582123616002049

Ich kann schon verstehen, warum sie in Schutz genommen wird.

Ich frage mich ernsthaft, wie die Grünen deinem Wünschen nach reagieren sollen, um nicht "mit zweierlei Maß zu messen". Ich glaube aber, "der jungen Frau in den Rücken zu fallen" ist vor dem Hintergrund moralisch gesehen jetzt gerade die ganz falsche Antwort.

Rechte Drohungen sind nicht Gegenstand der Frage.

0
@PrinzSaid

Naja, du kannst die Welt nicht immer nur isoliert betrachten, manchmal haben Dinge auch Zusammenhänge. Die rechten Tröten, die die Kommentare aus Sarah-Lee's Pubertät ausgebuddelt haben, sind der Grund dafür, dass der Shitstorm erst losgebrochen ist (also dass die Grünen sich mit dem Kinderkram auseinandersetzen müssen und du überhaupt deine Frage stellen konntest). Die anderen rechten Tröten aus dem obigen Tweet machen da auch Druck und sorgen dafür, dass ihre Partei sie vor denen in Schutz nimmt. Was Außenstehende natürlich auch falsch interpretieren, die sagen dazu "mit zweierlei Maß messen".

Am Ende des Tages soll die junge Frau also bitte zurücktreten, weil irgendwelche Alibi-Patrioten, die eh niemals die Grünen wählen würden, das fordern. Ist das diese Cancel-Culture, von der alle reden?

2
@PrinzSaid

Du erlaubst aber, dass der Nutzer so antwortet, wie er das für angemessen hält?

0

Was möchtest Du wissen?