merkmale expresionistischer gedichte

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2 Antworten

aus wikipedia:

Ähnlich dem Expressionismus in der bildenden Kunst befasste sich der Expressionismus in der Literatur in erster Linie mit den Themen Krieg, Großstadt, Zerfall, Angst, Ich-Verlust und Weltuntergang (Apokalypse). Des Weiteren auch mit Wahnsinn, Liebe und Rausch sowie der Natur. Die bürgerliche Ästhetik wird durch eine 'Ästhetik des Hässlichen' zurückgewiesen; wie keine andere literarische Bewegung zuvor machen die Expressionisten das Hässliche, Kranke, Wahnsinnige zum Gegenstand ihrer Darstellungen. Die junge Generation der Autoren drückte sich vor allem durch Lyrik und in Lyrik aus (Lasker-Schüler, van Hoddis, Stramm, Stadler, Benn). Deutlich wird hier die Abwendung von formalen Vorgaben.

Die Idee des Konstruktivismus wird in der Negierung der vorgegebenen Strukturen vorweggenommen. Obwohl auch diese Epoche – wie jede andere – fließende Übergänge besitzt und ihre Eingrenzung natürlich stark definitionsabhängig ist, hat sich in der Literaturwissenschaft das Schlagwort des 'Expressionistischen Jahrzehnts' für die Blütezeit des Expressionismus zwischen 1910 und 1920 eingebürgert. Hierbei stellt der Beginn des Ersten Weltkriegs eine starke Zäsur für die Begriffe Tenor und Topos insbesondere der Expressionistischen Lyrik dar; während viele Autoren zunächst noch den Krieg als eine die überkommene bürgerliche Gesellschaft hinwegfegende, erneuernde Kraft herbeigesehnt und verherrlicht hatten (vgl. auch Futurismus), ändert sich das Kriegsbild bald durch die Schreckenseindrücke vieler Dichter, die selbst das Ausmaß der Vernichtung und des Elends als Soldaten an der Front erleben müssen.

Die wichtigsten Themen expressionistischer Gedichte sind

die Großstadt, der Krieg, Weltuntergang, Ich-Dissoziation1 (Ich-Verlust oder auch Ich-Zerfall) und die Ästhetisierung des Hässlichen.

Die Expressionisten nutzen viele Themen als Vehikel für eine

Zivilisations- und Gesellschaftskritik.

Die Stadt wurde in der Regel in ihren negativen Erscheinungsformen betrachtet. Sie galt als Hort von Gottlosigkeit, Affektiertheit und als Zerstörer der Natur. Das lyrische Ich ist im Motiv Großstadt meist von menschlicher Kälte, Großstadt-Anonymität und Einsamkeit umfangen. Viele Expressionisten spürten auch die politischen Spannungen und waren Seismographen2 für den drohenden Krieg. Sie verabscheuten stets den Krieg und nahmen eine pazifistische Haltung ein, dennoch wurde der Krieg z.B. von Georg Heym auch als letztes Mittel gesehen, um einen gesellschaftlichen Umsturz herbeizuführen.

Das Thema Weltuntergang wurde von den Expressionisten teilweise als willkommener Anlass gesehen, das hysterische Verhalten der Gesellschaft zu kritisieren, überspitzt darzustellen oder ins Lächerliche zu ziehen.

Gottfried Benn hingegen entzauberte die bis dahin geltende Würde vor dem Menschen, indem er beispielsweise morbide Gedichte über die Leichensezierungen aus seinem Berufsalltag bis ins letzte abstoßende Detail beschrieb. Benn ästhetisierte das Hässliche und erzeugte Abscheu vor dem Menschen. Benn empörte damit nicht nur seine Zeitgenossen, sondern kann uns auch heute noch schockieren.

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