Menschen gut einschätzen/lesen

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3 Antworten

Kann ich auch. Ich würde das einfach eine starke Intuitionsgabe nennen. Eigentlich kann das jeder, nur nicht jeder übt das auch bewusst oder hört auf seine Intuition bzw das Bauchgefühl. Oder versucht, das auszuformulieren. Viele haben auch gar kein Interesse daran, die anderen einzuschätzen und achten allenfalls mal so nebenbei auf die ganzen non-verbalen Hinweise, die einem etwas über die Persönlichkeit eines Menschen verraten.

Wir haben alle die Fähigkeit, intuitiv Menschen einzuschätzen - unser Gehirn speichert unheimlich viel ab und gleicht dann die alten Datenbanken mit neuen Erfahrungen ab. (Meist ist es dann das Verdauungssystem, das reagiert. Der gesamte Apparat ist mit Nerven umgeben, die denen des Gehirns gleichen. Deshalb hat man auch schon mal Durchfall vor Nervosität, könnte k*tzen vor Wut, hat Schmetterlinge im Bauch etc.)

Ich finde es wichtig, die eigene Intuition zu schulen und finde es durchweg praktisch. Wobei mein Freund schon mal genervt davon ist, wenn ich auf einer Party irgendeinen Fremden zum weinen bringe oder mich jem dann meidet, weil ich zufällig genau den wunden Punkt getroffen habe. Nicht absichtlich. Man plaudert einfach so.

Die Informationen, die man davon bekommt, wie zB ein schlechtes Gefühl im Bauch, sind ja nicht weniger akkurat, nur, weil man sie nicht in Worte fassen kann. Je öfter man die eigenen Eindrücke mit den tatsächlichen Begebenheiten bewusst und unbewusst vergleichen kann, je mehr Kontakte man hat, desto besser wird man darin.

Ich empfinde das aber nicht als Ballast, sondern durchweg als positiv. Vor allem im Job ist es ja wichtig, schnell einschätzen zu können, wie man auf einen Kunden/Gast zugehen sollte oder ob der vll zukünftige Arbeitgeber einer ist, dem man vertrauen kann oder ob man dann doch lieber einen anderen Job sucht, weil es mit dem nur Probleme geben wird. (Wenn zB gesagt wird, dass Überstunden durchaus auch ab und zu vorkommen können, man aber gleich merkt, dass er da einiges verschweigt und man einen ganzen Haufen möglicherweise auch noch unbezahlter Überstunden haben wird und dazu noch unpünktliches Gehalt etc.)

Mal so als Beispiel: Mit so Anfang 20 hatten meine beste Freundin und ich eine recht wilde Zeit, sind viel ausgegangen, ein paar One Night Stands etc. Und wirklich jedes Mal, wenn ich ihr einen ausgesucht habe, war das ein Volltreffer. Ampelsystem: wenn einer "grün" war, hatte ich keine Bedenken. Ein freundlicher, ausgeglichener und meist intelligenter junger Mann, mit dem man Spaß haben konnte, und sei es nur was Tanzen an dem Abend. "Gelb" war nicht so toll. Harmlos, aber sie haben meist emotionalen Ballast, stellen sich vll als Mini-Stalker heraus oder sind in einer Beziehung (und erzählen einem dann was davon, dass da "die Luft raus ist". Bäh.) Rot: Vergisses, dem ist nicht zu trauen, er wirkt gefährlich und wie ein emotionales Pulverfass.

Ein paar Mal hat sie nicht auf mich gehört oder wollte eben unbedingt was mit dem süßen Kerl anfangen, dem ich nur ein Gelb geben konnte. War jedes Mal ein Reinfall. Enttäuschend, langweilig, beleidigend. (Im Sinne von: Ich bin fertig, du kannst jetzt gehen.)

Das Beste war, als sie kurz nach einer langjährigen, festen Beziehung zwar noch keine neue Beziehung wollte, aber eben eine Affäre. Spaß und Gespräche und alles drumherum, aber eben ohne dass man sich da binden müsste. Hab ich auch für sie gefunden. Wir sind ausgegangen, keine 10 Minuten später habe ich einen mit den Worten: "Kennst du schon [Name]?" angesprochen und zu sie zu ihm geschoben. Die zwei waren so dankbar. (Nachdem sie mich erstmal für diese plumpe Anmache auf den Arm gehauen hat.) Es entstand für über ein Jahr eine nette Freundschaft mit Zusatznutzen, sozusagen. Ich glaube, sie sind immer noch in Kontakt, wenn auch ohne den Zusatznutzen.

Ich bin so gut! :D

Ganz krass war es, als ich mal von einem früheren Kollegen so nebenbei meinte, dass ich mir gut vorstellen könnte, dass er irgendwann zum Serienmörder würde, wenn er intelligent genug dafür wäre. 2 Jahre später hatte er Kontakt zu Armin Meiwes aufgenommen, dem Kannibalen von Rothenburg. Diese ehemalige Kollege ist der "Hotelkoch namens Jörg":

http://prueckner.bplaced.net/trauma/meiweswikipedia.html

Auf jeden Fall: üb das nur weiter. Es ist schon beruhigend, wenn man sich ziemlich sicher sein kann, wann man jem vertrauen kann und wann man besser rennen sollte.

Dennis2103 30.11.2013, 00:49

Hey danke aufjedenfall für die lange Antwort, es ist immer gut zu wissen, das es auch andere gibt die das können :D

Aber gab es nicht auch mal momente, wo du dir gewünscht hättest du könntest es nicht? :)

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Na klar kann man Menschen einschätzen, wenn man ihnen begegnet, und zwar infolge dessen wie sie sich verhalten, an Gestik und Mimik, was sie artikulieren, wie ihre Erscheinung allgemein wirkt, beispielsweise gepflegt oder ungepflegt, etc.

Es ist jedoch ein erster Eindruck, der einen Menschen sozusagen in Umrissen kennzeichnet; den Charakter in Details (das "wahre Gesicht"!) kann man jedoch erst erkennen, wenn man einen Menschen bei verschiedenen Begebenheiten erlebt, also bei "eitel Sonnenschein" und auch in kritischen Situationen, wobei bei Letztgenanntem entscheidende Charaktermerkmale offengelegt werden.

Wieso empfindest du das als Ballast? Sofern du dich nicht zu Voreingenommenheit hinreißen lässt. Mit erst 20 Jahren wirst du noch viel viel mehr über Menschen lernen...

Dennis2103 30.11.2013, 00:18

Naja sehe es als Ballast weil ich es oft garnicht will, aber es gehört einfach zu mir. Das kann ich noch so wenig wollen, aber da ist es immer... Voreingenommen bin ich eigentlich nicht direkt, es gibt sicherlich Situation wo ich mir dann schon denke, der ist 100% so und auch fast immer recht damit. Aber sonst eig nirgends. Aber ja auch wenn ich es nicht will, ist es halt da, ich merke z.B sehr schnell wenn über mich geredet wird usw. Und von den meisten Freunden wird es nicht geschätzt das man geholfen hat und wenn man dann selbst mal etwas brauch, tja dann muss man für sich selbst da stehen da hilft kaum wer :(. Daher bin ich auch bei meiner Auswahl an Freunden sehr naja streng.

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adavan 30.11.2013, 00:26
@Dennis2103

Das mit dem helfen / nicht helfen ist schon wieder ne andre Frage..., oder?

Richte vielleicht den Fokus etwas mehr auf deine Person, deine Bedürfnisse. Wenn dich jemand im Regen stehen lässt, obwohl du ihn um Hilfe bittest, dann ist es kein richtiger Freund. Eher eine lose Bekanntschaft.

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Dennis2103 30.11.2013, 00:37
@adavan

Jo damit hast du vollkommen recht, bin da im moment dran den Fokus mehr auf mich zu legen. Habe sehr lange Zeit sehr viel auf andere geachtet als mich selbst. Habe mir dazu auch Hilfe genommen, da einfach irgendwo die Grenze der "Selbsthilfe" ist.

Aber was ich halt wirklich gerne wissen würde ist gibt es hier evtl ein paar Leute die diese Eigenschaft auch haben und evtl auch Erfahrung damit haben. Wie man das ganze halt etwas mehr eindämmen könnte, so dass nicht ständig hinter Gedanken da sind :)

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phlox1979 30.11.2013, 00:40
@Dennis2103

Ja, das ist natürlich ein anderes Problem. Immerhin findet man so schon früh raus, wem man trauen kann und wer falsch spielt. Jeder hat das Problem mit sogenannten Freunden, aber manche finden es eben erst sehr spät raus.

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