Mensch und Arbeit

9 Antworten

Auf die Gefahr hin, das ich einen Sturm der Entrüstung auslöse. Der Mensch ist von Natur aus ein reichlich bequemes Wesen, nicht gerade geschaffen um zu Arbeiten. Die Mehrzahl der Menschen ist mangels Quellen (Reichtum) welche ihr ein angenehmes Leben ermöglichen quasi zu Arbeit gezwungen. Persönliche Ziele die nicht gerade nur rein ideellen Charakter haben zu verwirklichen, ist in der Regel eine Frage der materiellen Möglichkeiten. So gesehen kann dann auch die Arbeit Auswirkungen auf die Entwicklung der Persönlichkeit haben, leider allerdings nicht immer nur positive. Für die Entwicklung der Persönlichkeit an sich, ist Arbeit allerdings wahrlich nicht zwingend erforderlich. Es gibt ja auch den bekannten Satz von dem Boot in dem wir alle sitzen. Stimmt, nur die einen rudern und die anderen lassen rudern.

Ich würde sagen, es hat auch Einfluss auf unsere Persönlichkeit. Hat man z.B einen Job, der keinen Spaß macht, kann man schnell unglücklich werden und gestresst werden.Viele vergessen wegen ihren Jobs ihre Freunde und Familie. Macht jemand aber genau das, was ihm/ihr gefällt, wirkt sich das auch auf sein/ihr Verhalten und die persönlichkeit aus, würde ich sagen. Zudem lernt man auch am Arbeitsplatz neue Leute kennen und in manchen Fällen kam es sicher schon vor, dass die Person nach einiger Zeit plötzlich eine ganz andere war. Ich denke schon, dass auch die Arbeit unsere Persönlichkeit ein wenig 'formt'.

Da sage ich frei nach Max Weber, der Arbeitsethos hat sich zusammen mit dem Kapitalismus im calvinistischen Protestantismus des 16. Jahrhunderts entwickelt. Vorher gab es so etwas überhaupt nicht.

Bis dahin arbeitete man um zu überleben. Wer das nicht nötig hatte, tat freiwillig keinen Handschlag. Ein Vermögen durch Arbeit anzuhäufen, kam den Menschen nicht in den Sinn - Ausnahmen bestätigen die Regel - und erarbeitetes Geld war, zumindest in katholischen Gegenden, noch bis zum 2. Weltkrieg immer irgendwie weniger wert als altes ererbtes Vermögen z.B. des Adels, bei dem Arbeit sowieso verpönt war.

Die Calvinisten glaubten eine Möglichkeit gefunden zu haben, schon zu Lebzeiten erfahren zu können, ob für sie ein Plätzchen im Paradies reserviert sei. Wenn Gott ihnen wirtschaftlichen Erfolg im Leben gönnen würde, so wäre das ein sicheres Zeichen seines Wohlgefallens, meinten sie. Gleichzeitig ist der Calvinismus aber auch ziemlich lustfeindlich. Das Verdiente einfach zu verprassen kam also überhaupt nicht in Frage. Der Gewinn musste sofort neu investiert werden. Mit dem wirtschaftlichen Erfolg stieg das Ansehen. Wer Kohle macht, so die Einstellung, mit dem ist Gott, wer keine Kohle hat, hat nichts zu melden und ist vor allem selbst schuld. Diese Einstellung ist heute besonders gut bei den Amis zu sehen, da schlägt der Calvinismus in vielen evangelikalen Sekten noch voll durch.

Wie kam Weber auf diese These? Es war nicht zu übersehen, dass sich der Kapitalismus in den christlichen Ländern entwickelte hatte und es war auch nachzuvollziehen, wann diese Entwicklung begonnen hat. Außerdem hat Weber festgestellt, dass das Kapital, und somit die Unternehmen, ganz offensichtlich zum allergrößten Teil in protestantischen Händen lag, nicht in katholischen.

Man definiert sich oder die eigene Persönlichkeitsentwicklung allerdings weniger über seinen Beruf, sondern mehr über den Verdienst, den er bringt.

Leistung wird mit finanziellem Erfolg gleichgesetzt. Wer nicht gut verdient, der leistet auch nichts und ist dementsprechend auch keine nennenswerte Persönlichkeit, auch wenn er eine 60 Stunden-Woche hat, nicht und auch nicht, wenn er körperliche Schwerstarbeit leistet.

Hausfrau, Altenpfleger, Bauarbeiter = kein oder geringer Verdienst = niedriges Ansehen.

Arzt, Rechtsanwalt, Unternehmer = hoher Verdienst = hohes Ansehen.

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