Meinung: Ist die moderne Technik daran Schuld, dass die Sozialkompetenz verloren geht?

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Nein. Ich bin gar kein Technikfreund, vieles probiere ich erst aus, wenn es sich etabliert hat. Aber: Seit des das Internet bzw. soziale Medien gibt, sind die Menschen mMn offener und freigibiger geworden. Online ist man mit (fast) jedem per Du. Früher war man draußen mit allen, die einen nicht explizit dazu eingeladen hatten, per Sie. Das Internet lehrt uns, dass wir Fremde einfach etwas fragen können (okay, es gibt komische Bestrebungen, das wieder als unhöflich einzustufen...), dass wir einfach mit Fremden reden können. Das mussten wir früher lernen oder uns erst mal trauen. Das Internet lehrt uns, dass viele Menschen deutlich offenherziger und freigiebiger sind, als wir gedacht hatten (diverse Aufrufe von Fremden um Hilfe, die dann auch von diversen Fremden gewährt wurde - praktische Hilfe, Informationen, Spenden, Engagement etc.).

Mit Landkarten gehen wir immer noch um (Google Maps - wo muss ich eingentlich genau hin? Wo ist die "Lindenalle 42"? Das konnten wir früher nicht so genau wissen, das sagte uns der Stadtplan nicht. Auch hatten wir nicht von jeder Stadt und jedem Dorf einen Plan, soweit ich weiß).

Ich meine, schaue dir diese Seite an: Du kannst alles fragen. Du kannst fragen, was du bei Liebeskummer machen sollst, wie dein Wecker funktioniert, wenn du die Anleitung (auch online) nicht mehr findest, du kannst nach Fachbegriffen fragen, die du bei wiki nicht verstanden hast oder nach Erfahrungen mit bestimmten Produkten, kulturellen Unterschieden etc. Das alles hättest du früher nur fragen können, wenn du entsprechende Leute gekannt hättest.

Ich erlebe es heute übrigens immer noch, dass Autos anhalten, und Leute nach dem Weg fragen. Nicht mehr so oft, aber schon noch hin und wieder. Wo ist das nächste Krankenhaus, ich habe mal von einem bekannten Restaurant hier in der Nähe gehört, wisse Sie, wo hier die Lindenallee ist? Solche Fragen sind mir durchaus in den letzten zwei Jahren begegnet.

Du solltest Sozialkompetenz nicht mit Orientierungssinn vergleichen.

Ein Mensch kann durchaus hohe Sozialkompetenz haben, obwohl er sich noch nicht mal (übertrieben ausgedrückt) in seiner Einzimmerwohnung zurechtfindet.

Er findet es eben viel wichtiger zu wissen, wer er ist, anstatt sich ständig zu fragen, wo er ist".

Ein Navi ist übrigens aus ganz anderen als technischen Gründen zuweilen problematisch. Voir allem, wenn Du verheiratet bist. Wenn ich fahre, beginnt meine Frau ständig mit dem Navi über den richtigen Weg zu streiten. Wenn das Navi meint: "In dreihundert Metern links abbiegen", dann behauptet sie, dass es rechts einen viel besseren Weg gäbe. Diese Auseinandersetzung zwischen Frau und Gerät dauert bis zu dem Augenblick, wo ich einen Meter vor der Kreuzung stehe und eh keine Zeit mehr habe, mich durchdacht für eine der vorgeschlagen Richtungen zu entscheiden.

Und Du hast Recht! Dieses Problem muss durchaus teilweise in dden Bereich des sozialen Zusammenlebens eingeordnet werden.

Ich denke nicht das die Technik Schuld daran hat. Man muss diese ja nicht nutzen, wenn man nicht möchte. Vielmehr sind es die Leute selbst.

Letztes Jahr fragten mich noch Leute nach dem Weg. Meine Eltern verlassen sich auch noch auf Landkarten (60J) und das einzig technische was sie haben ist ein altes Nokia. Sie kommunizieren ansonsten per Telefon oder mündlich. Ich finde sowas ebenso angenehmer. Ich rede lieber persönlich und finde es unhöflich wenn der andere sein Handy benutzt, wenn ich mit demjenigen etwas unternehmen möchte. Ebenso liebe ich es mich über Landkarten zurechtzufinden :D

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