Meine Mutter wird immer schlimmer...

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4 Antworten

Liebe Honeyprincess,

vielleicht fühlt Deine Mutter sich selber nicht wohl! ich würde nicht sagen: das läßt sie an Dir aus, aber Du bekommst es leider zu spüren! Evtl. kommt Deine Mutter so langsam in die Wechseljahre, dann kann es sein, daß sie sich selber nicht mehr gut ist, denn in den Wechseljahren ist es ähnlich wie in der Pubertät: die Gefühle fahren Achterbahn!

Von dieser fürchterlichen Zeit kann ich ein Lied singen, und zur selben Zeit war ich ausgerechnet in der Pubertät, da kommt was zusammen, sag ich Dir! Denn -- mal ehrlich -- in der Pubertät beißt man auch gerne um sich, und die Menschen, die man eigentlich liebt, sind einem auf einmal nicht mehr gut genug, da meckert man, will sie verbessern und richtet das Gegenteil an!

Meine Mutter war sehr durcheinander, hat mich viel geschlagen und stundenlang herumgeschrien, regelrecht Streit gesucht, und wehe, wenn ich nicht alles aufgeräumt hatte! Wegen einer vergessenen Strumpftüte auf dem Sofa hat sie mir einmal den ganzen Sonntag verdorben mit ihrer Schimpferei!

Heute denke ich: was war eigentlich mit ihr los?! Ich weiß es heute! Jeder Mensch braucht Liebe, und die schwierigsten zu allererst! Wenn ich Jugendbilder von meiner Mutter ansah, lachte mir immer ein fröhliches heiters Gesicht entgegen, sie war ein Spaßvogel, und sie war in einer christlichen Jugendgemeinschaft sehr beliebt! Dann mußte sie von einem Tag zum andern alles loslassen, weil die Eltern ganz abseits von der Stadt ein Haus gebaut hatten, und meine Mutter, als die jüngste, mußte mit! Damals war es noch nicht so, daß man gleich ans Ausziehen gedacht hätte....!

Das hatte zur Folge, meine Mutter konnte nirgends mehr wohin, denn sie hätte nach den abendlichen Jugendstunden alleine durch einen langen Finsteren Wald gemußt!! Ihre Schwester stand kurz vor der Verheiratung, und ihr Verlobter brachte manchmal seinen jüngeren Bruder mit, und der verliebte sich in meine Mutter, sie heirateten und wohnten auch in dem Haus weit weg von der Stadt!

Dann kam der zweite Weltkrieg! Bei meiner Mutter waren schnell Zwillinge unterwegs, und weil sie so schwer arbeiten mußte, kam es zu einer Fehlgeburt, und meine Mutter litt unbeschreiblich, aber es war ihr ein Trost, daß sie schnell wieder schwanger war! Mein Vater wurde eingezogen, ehe ich geboren war!

Mitten im Krieg wurde ich geboren, und meine Mutter war ganz alleine mit den alternden Eltern! das mag ihr gar nicht gut getan haben nach ihrer fröhlichen Jugend! Mein Vater, der bald wieder heimkam, verstand sie nicht, er interessierte sich auch nicht für den ehemaligen Freundeskreis meiner Mutter!

Ich wuchs als Einzelkind heran und meine Mutter fing an, sich an mich zu klammern, und da entstand eine Mutterbindung, die mich zum unselbständigen Kind und jungem Mädchen machte, an der ich noch viele Jahre meines Lebens zu knabbern hatte! ich kam in die Pubertät, und meine Mutter in die Wechseljahre, die ihr sehr viel Beschwerden brachten, Sturzblutungen und große Schmerzen!

Natürlich sah ich damals nicht, daß meine Mutter innerlich sehr einsam war, ich wunderte mich nur über die hübschen fröhlichen Mädchenbilder meiner Mutter und konnte nicht begreifen, wie jemand so bitter und unausstehlich werden konnte! Sie hat mich oft regelrecht geplagt, weil ich einfach nicht so wurde, wie sie mich gerne gehabt hätte!

Dreimal Kliniktherapien konnten mir auch nicht helfen, und ich war nicht mal richtig imstande, Kontakte zu schließen und Freundschaften aufzubauen!

In der Ehe kamen dann auch schwere Probleme dazu, mein Mann kam auch aus einem Milleu, wo der Vater sich das Leben genommen hatte und die Mutter schwermütig war und dementsprechend auch ihre Kinder belastet hatte! Bindungen und Süchte kamen noch dazu!

Ich hatte sehr viel schwere Depressionen, die dazu führten, daß unsere beiden Kinder öfters in Pflege sein mußten! Ich hängte mich an Menschen, von denen ich irgendwie Liebe und Hilfe erwartete, und ich wurde grausam enttäuscht!

Durch meine damals achtjährige Tochter, die eine christliche Kinderfreizeit mitgemacht hatte, kamen wir in den 80ziger Jahren an unsere christliche Gemeinde, in der wir heute noch sind, dort sagte mir eine ältere Frau immer wieder: 'Du mußt deiner Mutter vergeben, was sie an dir falsch gemacht hat!'

Daraus wurde ein Entwicklungsprozeß von einigen Jahren, ich habe öfters mit meiner Mutter Gespräche herbeigeführt, und eines Tages bat sie mich um Verzeihung für alles, was sie an mir verkehrt gemacht hatte! Es folgten danach noch Jahre, in der ich mit meiner Mutter ein sehr gutes Verhältnis hatte, nicht mehr wie Mutter und Tochter, sondern wie zwei Frauen, und 1996 starb sie, 83 jährig, an ihrem zweiten Herzinfarkt, versöhnt mit Gott und den Menschen!

In diesen Jahren machte ich den größten Entwicklungssprung meines Lebens, durch unsere Gemeinde lernte ich mehr und mehr, Jesus Christus als den König und Herrn in meinem Leben zu betrachten, auch meinem Vater konnte ich endlich vergeben!

Fortsetzung folgt.....

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Kommentar von JensPeter
22.10.2012, 21:55

Danke für Deine einfühlsamen Worte, Sonnenblume!

Du zeigst, das es auch Anderen so geht. Heute schreit man sich an, morgen oder übermorgen möchte man mit demjenigen sprechen, aber er ist möglicher Weise nicht mehr da.

Manche Probleme mögen im Bereich des Persönlichen liegen, manche rühren auch einfach vom "Zeitgeist" her. Die Familien werden heute gesellschaftlich im Grunde mit "Füßen getreten". Wohnungssuche mit Kindern, Kinder sind laut, spielt wo anders. Kein Geld da, Besteuerung auch im Bereich der Mindestlebenshaltungskosten für Kinder usw. usw. (Kindergeld soll das ausgleichen. Das ist ein Witz bei 19% Mehrwertsteuer).

Viele denken: "Lieber Schampus statt Schoppen". Die Kinder so schnell wie möglich in die Kinderkrippe oder Kindergarten damit man wieder Geld verdienen kann.

Die Menschheitsgeschichte zeigt, das an schlechen familiären Verhältnissen ganze Weltreiche zusammengebrochen sind. Mehr als ein mal.

Ein Kind zu erziehen und zu unterhalten bis es selbstständig ist kostet sehr sehr viel Zeit und sehr sehr viel Geld. Hunderttausend Euro kommen da schnell zusammen über die Jahre, aber da gibt es sicher bessere und genauere Zahlen. Und das Eltern all das oft zu viel ist, kann gut nachvollzogen werden. Auch diesen Gesichtspunkt bitte nie vergessen.

Das sind so ein paar Gedanken eines Erwachsenen dazu. Mag sein das diese Probleme für Dich am Rand und weit weg liegen, aber ich möchte um Dein Verständnis darum bitten.

Sonnenblume hat bereits angedeutet, das christliche Grundsätze gewiss helfen.

Bitte nie vergessen: Man kann es drehen und wenden wie man will: Vater und Mutter haben Dich ins Dasein gebracht. Auch wenn Eltern Fehler machen: Niemals gleiches mit Gleichem vergelten weil dadurch alles immer noch schlimmer wird.

Vergeben, Ertragen und den Frieden suchen. Das mag oft sehr schwer sein, ist aber der allerbesten Weg.

LG

Jens

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Kommentar von Sonnenblume1943
22.10.2012, 22:53

Fortsetzung... ( ging leider nicht früher, der Pc streikte...)

In diesen Jahren geschah einiges, was ich als Wunder bezeichnen könnte! Durch die Vergebung, durch das gegenseitige Verzeihen wurde ich psychisch gesundheitlich hergestellt, ich brauchte keine Psychopharmaka-Medikamente mehr, immerhin war ich so ca 13 Jahre lang süchtig, und nun war ich von einem zum andern Tag frei!

Das Schönste ist, seither habe ich keine Depressionen mehr!

Ich wurde auch frei von der ganzen Mutterbindung, befähigt, meiner Mutter Liebe zu geben, das bescherte mir einen früher nie gekannten Frieden!

Ich wurde auch frei von ungesunder Menschenbindung, wo ich früher nur nach menschlicher Anerkennung Ausschau hielt, konnte ich nun geben, ohne selber was haben zu wollen! Früher war ich unfähig, Kontakte zu knüpfen, Freundschaften zu schließen, und dabei in allem unselbständig, nun aber konnte ich Kontakte und Freundschaften knüpfen und gewann ein gesundes Selbstbewußtsein! Das ist bis heute so geblieben, noch heute bin ich mit 69 Jahren ein kontaktfreudiger Mensch, und als Fünfzigjährige habe ich noch den Führerschein gemacht und ohne Fehler bestanden, was mich sehr freute!

Nicht nur ich, sondern auch mein Mann wurde frei! Frei von den elenden Kontaktstörungen, die es ihm nahezu unmöglich machten, mit Menschen umzugehen!

Keine Depressionen mehr! Heute sind wir in der Lage, unser Leben zu meistern, wir haben unsere Hoffnung und Zuversicht auf den ewigen Gott gesetzt, auf Jesus Christus, der unser Leben mit Liebe ausgefüllt hat!

Wir haben uns Fröhlichkeit bewahrt, auch wenn wir nicht mehr gesund sind, mein Mann ist parkinsonkrank und ich leide unter schmerzhafter Arthrose, aber wir haben noch unser Aufgabenfeld, so gut wir können!

Liebe Honeyprincess, ich habe Dir das alles geschrieben, weil ich zurückschauend feststelle, daß die Vergebung über meinem Leben stand und verhinderte, daß ich mir heute Vorwürfe machen müßte, denn man kann hinterher nichts mehr gut machen, nicht eine einzige Minute kann man zurückholen! Das Leben kann so schnell mal zu Ende sein....!

Ich weiß, was für einen Schmerz das auslöst, immer wieder angeschrien zu werden, ungerechte Vorwürfe ertragen zu müssen, ich weiß, was da innerlich kaputt gemacht werden kann! Du kannst Dich jetzt als junger Mensch nicht in Deine Mutter hinein versetzen, das konnte ich damals auch nicht!

Hätte es nur einen Menschen gegeben, der so mit mir geredet hätte, es wäre mir viel erspart geblieben an Leid!

Nochmal will ich Dich drauf aufmerksam machen: es könnte Deiner Mutter wirklich nicht gut gehen, einmal seelich, weil dieser Onkel schwer krank ist und sie das schwer getroffen hat, wahrscheinlich hat sie sehr an ihm gehangen, und zum andernmal körperlich, weil sie sich den Wechseljahren nähert und die Hormone anfangen zu spinnen! Zusammen ist das nicht einfach!

Versuche, doch hin und wieder, mal ein paar 'fleißige Stunden' ihr zu schenken und erwarte nicht gleich 1000facher Dank, vielleicht sieht sie es nicht mal sofort, dann sei nicht enttäuscht!

Sage ihr doch mal einfach und herzlich: ' Mutti, ich hab Dich lieb!' Nimm sie einfach mal in einer passenden Situation in den Arm oder streichle ihr mal still über die Hand! Glaub mir, die härtesten Menschen sehnen sich im Innern nach Liebe, sie sind oft zu stolz, um das einzugestehen!

Und wo wir am Ende sind mit unserer Kraft, da stützt uns der Herr Jesus mit seiner Kraft!

Ich wünsche Dir, daß Du auch so die Macht der Vergebung spürst, daß Du trotz allem fröhlich Deinen Lebensweg gehen kannst! Gott segne Dich!

Wenn ich jetzt die Antwort (2. Teil) wegschicke, bete ich für Dich!

Liebe Grüße von der Sonnenblume

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Sie wird wegen dem Onkel recht angespannt sein und sich sorgen machen. Da ist nicht mehr viel Platz für zusätzliches. Natürlich ist ihr Verhalten unfair, kein Zweifel, aber ich würde es versuchen nicht persönlich zu nehmen. Sie ist wohl mit den Nerven runter. Wünsche dir viel Kraft für diese Zeit. Hast du mit deiner Mutter schon über deine Gefühle gesprochen? Wenn nicht geb ihr doch mal die Rückmeldung, dass dich ihr Verhalten sehr traurig macht.

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kann es sein, daß deine mutter nicht nur durch deinen onkel belastet ist, sondern vll auch noch in den wechseljahren ist? das wäre dann nämlich eine doppelte extrembelastung und ihr könnt nichts dagegen tun als geduldig und nachsichtig sein. wie alt ist deine mutter?

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versuch einmal mit ihr zu reden und evetnuel kann sie sich dann etwas was von der seele reden oder so.

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