Meine mutter will das ich für meinen kleinen bruder alles entscheiden darf. Er ist leicht autistisch. Weis jemand rat?

...komplette Frage anzeigen

4 Antworten

Mahlzeit.

Eine vollständige Vollmacht umfasst alle Belange des Lebens. Sie unterteilt sich im Großen und Ganzen in drei Teilvollmachten.

Eine Vollmacht für "Rechtsgeschäfte aller Art", eine Vollmacht für "Entscheidungen in persönlichen Angelegenheiten" sowie eine "Vollmacht für die Betreuung". Gegebenenfalls kann zusammen mit dem behandelnden Arzt noch eine "Behandlungsvereinbarung" getroffen werden.

Der Hintergrund für solche Vollmachten innerhalb der Familie ist der, dass sollte Deine Mutter plötzlich ausfallen und keinerlei familiäre Vollmachten bestehen, ein Betreuungsgericht einen Betreuer für Deinen Bruder einsetzt, der dann alle Entscheidungen für diesen trifft - auch dann, wenn Du mit diesen nicht einverstanden bist. Dein Bruder stünde dann also unter der Aufsicht durch eine wildfremde Person, die mehr oder weniger frei über seine Finanzen oder seinen Aufenthalt entscheiden kann.

Von daher ist es schon sinnvoll, entsprechende Vollmachten innerhalb der Familie zu erstellen, um die Kontrolle über den Verbleib Deines Bruder in der Familie zu halten. Würdest Du später diese Betreuung nicht übernehmen wollen, kannst Du sie jederzeit ablehnen und as Betreuungsgericht einen Betreuer einsetzen lassen. Bis dahin hättest Du aber erst mal alles für Deinen Bruder in der Hand und ihm könnte ohne Deine Einweilligung kein Fremder als Betreuer vorgeschrieben werden.

Die Vollmacht für Rechtsgeschäfte aller Art umfasst vorrangig die Vollmacht über die Finanzen Deines Bruders. Sie ist essentiell, wenn Du über die Finanzen Deines Bruders verfügen, Verträge für ihn abschließen oder kündigen willst oder Du Anträge zum Beispiel gegenüber der Krankenversicherung, der Rentenversicherung, anderen Sozialleistungsträgern, etc. stellen oder ändern willst.

Ebenso ist sie erforderlich, wenn Du Verträge mit Kliniken treffen oder Rechtsstreite für Deinen Bruder führen willst oder musst. Zum Beispiel Widersprüche gegenüber Entscheidungen der Kranken- oder Rentenversicherung.

Die Vollmacht für Entscheidungen in persönlichen Angelegenheiten ist essentiell, um Deinen Bruder gegenüber Kliniken zu vertreten, Einsicht in Diagnosen zu bekommen, Vereinbaren über seine weitere medizinische Behandlung zu treffen. Ebenfalls kommt sie zum Tragen, wenn Du nach einem Unfall über lebensverlängerdne Maßnahmen für Deinen Bruder entscheiden musst oder Du gezwungen bist, ihn im schlimmsten Falle zu bestatten.

Die Vollmacht über seine Betreuung bestimmt Dich zum Bevollmächtigten, wenn es darum geht, über seinen Aufenthalt zu entscheiden. Also darüber, ob er eine eigene Wohnung haben soll, stationär in eine Klinik oder ein Pflegeheim eingewiesen werden soll, etc.

Schließlich lassen sich über die Behandlungsvereinbarung mit dem Arzt noch Vorsorgen dahingehend treffen, dass bestimmte medizinische Verfahren für ihn bestimmt oder abgelehnt werden. Zum Beispiel auch Anpassungen seiner ggf. erforderlichen Medikation. Sie kommt insbesondere dann zum Tragen, wenn Dein einen Unfall haben oder unvorhergesehen schwer erkranken sollte.

Ich rate Dir, die entsprechenden Vollmachten zu übernehmen. Im Falle des Falles hast Du damit erst mal die Kontrolle und kannst dann immernoch entscheiden, ob Du die Vollmachten und Aufgaben übernehmen oder ablehnen und in diesem Fall einen Betreuer durch ein Betreuungsgericht für ihn bestimmen lassen willst.

Es erwächst Dir dadurch, dass Du die Vollmachten erst mal hast also kein Nachteil. Du musst sie nicht ausüben, kannst sie jederzeit ablehnen. Aber im umgekehrten Fall könntest Du sie nur durch ein aufwändiges Gerichtsverfahren erlangen, wenn Du mit dem was der gerichtlich bestellte Betreuer tut nicht einverstanden bist.

ASRvw de André

Ich kann deine Bedenken gut verstehen. Wer helfen will sollte niemals kopflos Zusagen machen die man nicht halten kann. Also Hut ab vor deiner Herangehensweise!

Nein du musst deinen Bruder nicht bei dir aufnehmen, es reicht schon, wenn du dafür sorgst, dass er gut betreut wird, wo auch immer. Du würdest die Oberaufsicht über deinen Bruder und seine Angelegenheiten behalten. Solltet du einmal nicht mehr in der Lage sein das für ihn zu tun, kannst du immer noch einen gesetzlichen Vormund beantragen.

Okay das klingt super. Bist du dir da 100% sicher? Weil so könnte ich mir das gut vorstellen. Falls es dann doch zu schwer wird und ich es abgeben kann an fähigere leute wäre das absolut sinnvoll.

0
@ichweisnetwas

Ja, diese Möglichkeit gibt es und es wäre gut, sich darüber schon jetzt Gedanken zu machen. Wir sind alle keine Superhelden und müssen damit rechnen, auch "auszufallen".

0
@ichweisnetwas

Da bin ich sehr sicher. Frage bitte bei einem Anwalt nach, da werdet ihr so einen Vertrag ja auch aufsetzen, der muss ja auch gültig sein. Dann kannst du beruhigt alles in die richtigen Bahnen lenken. LG

0

Du musst deshalb Deinen Bruder nicht bei Dir aufnehmen. Wenn ich es recht verstehe, geht es um die gesetzliche Vormundschaft? Die musst Du natürlich nicht übernehmen, aber jemand Fremdes als gesetzlicher Vormund ist auch nicht unproblematisch, dann musst Du Dich nämlich mit diesem Menschen auseinandersetzen, wenn es um Deinen Bruder geht.

Ja ich weis den genauen begriff grade nicht bin ja nicht bei meiner mutter im moment.

Es ist quasi ne vollmacht für alles. Ich könnte konten verwalten, bei ämtern dinge klären und und und. Schlichtweg alles als wäre ich mein bruder sozusagen.

Das wenn jemand fremdes dann ohnehin auf mich zukommt klingt tatsächlich nicht grad stressfreier...

Hab noch ein paar tage zeit mich zu entscheiden danke für die antwort. Muss nachdenken

0
@ichweisnetwas

Goodnight hat das schon richtig beschrieben. Ja, Verantwortung wiegt schwer. Aber später dastehen und keinen Einfluss mehr zu haben, kann womöglich schlimmer sein. Sprich das nochmal in Ruhe mit Deiner Mutter durch. Sie wird Verständnis dafür haben, dass Dir die Verantwortung Angst macht. Sprecht darüber, was die beste Lösung wäre, wenn es Dir einmal zuviel wird, bzw. was passiert, wenn Du einmal ausfällst (Krankheit, Tod). Manchmal beruhigt es, wenn man alle "Worst Case Scenarios" einmal durchgespielt hat und nicht nur Plan A, sondern auch die Pläne B,C und D in der Schublade hat.

0

Wenn Du Dir nicht absolut sicher bist dann unterschreib lieber nicht.Ja es ist eine Bürde die man praktisch für 2 trifft immer. Auch bist Du dann immer gebunden an ihn da er Dich ja,,braucht´´.

Das ist ja das problem. Meine mutter und ich sind die einzigen die einen draht zu ihm haben. Er schweigt bei fast allen anderen menschen fast durchgehend.

Ich steh da wirklich zwischen den stühlen. Auf der einen seite will ich helfen weil er ja mein bruder ist, auf der anderen seite weis ich nicht ob das irgendwann zu schwer wird wenn ich eben auch mein eigenes leben damit "beschwere"...

0
@ichweisnetwas

Da bräuchtest Du dann Hilfe vom Pflegedienst auch wenn es schwerfällt Wie gesagt alleine sehr schwierig gell

0

Was möchtest Du wissen?