Meine Mutter ist launenhaft

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Auf die Idee, dass es ein psychologisches Problem sein könnte, kommst Du doch eigentlich nur wegen ihres Alters, aber 71 ist heutzutage kein Alter, denn wäre eine 40 jährige so, dann würde man einfach sagen, dass sie ein Griesgram ist, der schlechte Laune verbreiten will und unzufrieden mit sich und ihrem Leben ist.

Ich habe sofort an Demenz gedacht. Das muss natürlich nicht sein, aber in meinem Bekanntenkreis sind ein paar älter Leute, die Demenz oder Alzheimer haben/hatten und dann auch launsich geworden sind- ihre schlecht gelaunten Phasen wurden von unflätigem Vokabular, unangemesser Wut und Kritik und großem Misstrauen ("ihr macht das doch extra, um mich zu ärgern") verbunden. Allerdings sind diese Launen nicht steuerbar oder zu unterdrücken, d.h. dass meine Bekannten auch zu uns ab und zu sehr freundlich sind und andersherum auch Fremde unverschämt angepflaumen. Wenn deine Mutter bei euch tatsächlich noch sehr genau unterscheiden kann, wer nicht zum engeren Familienkreis gehört und sich diesen Menschen gegenüber dann zivilisiert verhält, deutet es eher nicht auf Demenz hin, sondern vllt eher auf unangenehme Altersschrulligkeit, aber im Zweifel ist ein Gang zum Arzt natürlich immer möglich.

was mit der mutter ist, kann man schwer beurteilen. wenn ich auf den unterschied im verhalten zur familie und zu fremden schaue, denke ich mir: vielleicht ist sie von der familie in irgendeiner art und weise enttäuscht. auch dass sie euch als gören bezeichnet, deutet in die richtung. manche eltern erleben das aufziehen ihrer kinder als sehr anstrengend, was es sicher für alle eltern irgendwo ist. aber manche leute können das positive nicht mehr sehen und regen sich nur noch auf. es setzt sich dann die falsche meinung fest, dass sie benachteiligt wären, und sie verhalten sich danach, d.h. tun ihren unmut kund.

möglich wäre auch, dass sie sich nicht respektiert vorkommt, wenn ihr kinder sie kritisiert. manche eltern schaffen den schritt nicht, irgendwann wahrzunehmen, dass ihre kinder erwachsen sind und valide meinungen haben. für sie bleiben sie die gören, die gegen die eltern aufmucken, wenn sie mal anderer meinung sind, egal ob sie gute gründe dafür haben oder nicht.

ich würde der mutter sagen, dass ich nicht schlecht hingestellt werden möchte. dort sollte man konkret sein z.b. sagen, dass ausdruck xy im zusammehang mit der eigenen person nicht mehr vorkommen soll, weil man dann nämlich geht. das würde ich dann auch tun: sobald sie mich schimpft, würde ich sagen "wie besprochen geh ich jetzt".

das erfordert allerdings, dass man selber bereit ist, immer wieder auf denjenigen zuzugehen und ihm eine chance zu geben.

mit der zeit kann man die mutter vielleicht dazu erziehen, dass sie sich bestimmte dinge verkneift.

allerdings würde ich sie im gaststätten schimpfen lassen, wie sie will: sie ist erwachsen und wenn sie meint, sich so verhalten zu müssen, soll sie das tun. soll doch der wirt z.b. kommen und sie zur ordnung rufen. das ist wahrscheinlich wirksamer, als wenn ihr kinder das tut.

man ist gut dran, wenn man lernt, sich nicht fremdzuschämen. dass ihr mit jemandem am tisch sitzt, der sich nicht ordentlich verhält, sagt nichts über euch aus, nur über eure mutter.

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