Meine Mama todkrank, wie geht man mit sowas um?

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8 Antworten

Moin.

Mal ganz ehrlich? Du musst damit aufhören, dass Deine Gedanken ständig nur um Dich kreisen. Damit tust Du niemandem einen Gefallen. Dir nicht und vor allem jetzt auch Deiner Mutter nicht.

Deine Mutter braucht jetzt mehr denn je jemanden, der stark ist. Jemanden, auf den sie sich verlassen kann. Jemanden der ihr in dieser schweren Zeit halt gibt. Was sie absolut nicht gebrauchen kann, ist jemand der in Selbstmitleid ertrinkt, sich Krankheiten einbildet und dafür auch noch bemitleidet werden will.

Sie kann ob ihrer Krankheit nicht mehr für Dich da sein und Dir das Händchen halten. Im Gegenteil. Sie braucht nun mehr denn je jemanden, der für sie da ist, der ihre Hand hält und der alles daran setzt, ihr die Zeit die sie noch hat so schön als möglich zu gestalten. Und sie braucht die Gewissheit, dass, wenn sie schlussendlich für immer geht, dieser jemand sein Leben auch ohne sie wird auf die Reihe bekommen können.

Und dieser jemand bist Du. Also verhalte Dich dementsprechend. Du bist kein kleines Kind mehr, sondern erwachsen. Und nur wenn Du jetzt stark bist, kann sie es auch sein. Nur dann kann sie in Frieden gehen, ohne sich bis zum letzten Atemzug Vorwürfe machen zu müssen, Dich doch nicht allein lassen zu können.

Ich weiß, dass das einfacher klingt, als es ist. Jeder meiner Verwandten starb bislang an Krebs. Oft keinen einfachen Tod. Mit 20 habe ich meinem Opa dabei zugesehen, wie er zwei Jahre lang an nicht-kleinzelligem Lungenkrebs regelrecht einging. Mit 25 starb meiner damalige Lebensgefährtin an Leukämie. Vor neun Jahren wurde meine Oma von einem Darmkrebs dahin gerafft und bis zu ihrem Tod vor 11 Monaten habe ich meine zweite Lebensgefährtin drei Jahre lang durch ihren metastasierten Bauchspeicheldrüsenkrebs gepflegt.

Allen stand ich bis zu ihrem Tod zur Seite. Bei allen war ich bei ihrem Sterben live dabei. Stark sein, ist da nicht einfach. Aber es geht. Und es muss sein. Denn der Sterbende kann nur dann in Ruhe und Frieden sterben, wenn ihm jemand starkes zur Seite steht, der mit seiner Stärke alle Probleme von ihm fernhält und ihn mit seiner Zuversicht beruhigt.

Dieser starke Jemand musst nun Du sein. Und um das sein zu können, musst Du all Deine eigenen Probleme, Sorgen und Ängste ganz hinten anstellen. Das geht. Wenn man es will.

Klar möchte man in der Situation am liebsten den Sand in den Kopf stecken und von aller Welt bemitleidet werden. Nur hilft das leider keinem. Dir nicht und erst recht nicht Deiner Mutter. Und wenn Du aus der Situation irgendwas gelernt hast, dann doch wohl, dass sich das Leben nicht um die Pläne schert, die die Menschen haben.

Der Tod ist untrennbar mit dem Leben verbunden. Menschen sterben nun mal. Keiner weiß wann und keiner weiß wie. Abgesehen mal von denen, die Suizid begehen. Doch auch die haben als Kind noch nicht gewusst, dass sie das später, als Erwachsener vielleicht mal tun werden.

Es gibt keinen Grund, das Sterben oder den Tod zu fürchten. Es ist ein ganz natürlicher Vorgang. Jeder Mensch stirbt. Und bislang haben es noch alle geschafft. Da gibt es auch keinen Grund irgendwelche Krankheiten zu fürchten. Denn man stirbt nicht nur an Krankheiten. Und ob Du mal an einer sterben wirst, oder ob Dich ein Lkw überfährt der bei Rot durchrauscht, Dich der Blitz erschlägt, Dir in der Stadt an einer Hausfassade von einem Gerüst ein Eimer Farbe auf den Kopf fällt oder sonst irgendwas völlig banales Deines Tod verursacht kannst Du ebenso wissen, wie ob Du damit besser dran bist. Schließlich muss man auch bei all den anderen Möglichkeiten als einer Krankheit nicht sofort tot sein.

Wenn Du Dich also vor dem Sterben fürchten willst, dann musst Du Dich vor allen Arten fürchten. Auch vor denen bei denen Du sofort tot bist. Denn Du weißt, wie rund 7 Milliarden andere Menschen auch, nicht, was Dich dann erwartet. In dem Fall gehst Du am Besten ins Bett und ziehst Du die Decke über beide Ohren - und selbst dann kannst Du noch an der Decke ersticken oder unglücklich aus dem Bett fallen.

Also nimm Deine völlig unbegründete Angst, geh zum nächsten Mülleimer und wirf sie hinein. Und dann seit stark. Für Dich, aber vor allem für Deine Mutter.

Mit allem anderen gehst Du vor die Hunde und mit Dir jeder andere, der Dich dabei sieht. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass Du das willst.

ASRvw de André

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Hallo, hast Du dieses Lied (mit dem Handy) gefunden?

Ich habe mal nach diesem "Ohrwurm" hier gesucht ... es nach längerer Recherche, mit Hilfe eines Verwandten, wiedergefunden.

Das mit Deiner Mutter ;( Du bist, so vermute ich mal, die stärkere von euch beiden. Helfe ihr, wann immmer es Dir möglich ist (ich denke, dass tust Du eh schon).

Vermutlich nimmt sie regelmäßig ihre Schmerztabletten, schau, dass Sie da keine versehentlich auslässt. Wenn Du ihr in die Augen schaust ... vielleicht entdeckst Du ja, den einen oder anderen versteckten Wunsch, den Du ihr jetzt noch erfüllen kannst (z.B. stark und tapfer zu bleiben).

Diese Krankheit von Deiner Mutter ist nicht das, was Du glaubst, dass es es.

Es ist ihr Wunsch nach etwas mehr Aufmerksamkeit und Liebe von Dir.

Erfülle ihr diese Bitte - und alles wird gut.

Das mit Deinen Flügeln ... das heilt bestimmt wieder.

Gute Besserung.


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Ich kann mir wahrscheinlich nur annähernd vorstellen, wie schlecht es Dir geht. Wohlwissend, dass Deine Mama dich bald verlassen wird.

Vermutlich bist Du in Therapie. Sprich dort an, ob nicht zeitnah ein Aufenthalt in einer psychosomatischen Klinik möglich ist. So würdest Du anschließßend besser aufgefangen werden.

Ich nehme mir die Freiheit und drück Dich mal ganz fest.

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es tut mir leid, dass du soviel auf einmal verkraften musst. ich würde dir raten begib dich in psychologische behandlung.

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Das ist alles sehr schlimm. Du wirst da durch müssen. Guck, ob Du therapeutische Hilfe bekommst.

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Auch wenn das hart klingt, aber du bist kein kleines Kind mehr und schon 20 Jahre alt. Jeder deiner Sätze ist immer nur ICH  ICH  ICH ....

Du solltest mal etwas weniger an DICH denken, sondern dich mehr um deine Mutter kümmern und mit ihr die letzten Wochen so angenehm wie möglich verbringen, anstatt ständig über DICH und DEINE Angst nachzudenken. Stell dir mal vor, dass deine Mutter garantiert viel mehr Angst hat als du.

Auch wenn ich verstehen kann, dass du in Sorge bist und Angst hast, so geht es doch jetzt primär um deine Mutter. Du kommst hier sehr sehr egoistisch rüber. Du bist jung und gesund und solltest jetzt mal aufhören nur über dich selber nachzudenken.

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Kommentar von wilees
22.04.2016, 15:12

Na hier hat ja jemand enorme Erfahrungen mit seelischen Beeinträchtigungen. Hier zeichnet sich nach wohl mehreren Jahren das Ende ab. Hier hat ein junger Mensch schon lange mit dieser Verlustangst leben müssen - und Du sprichst von Egoismus?

Sei dankbar, wenn Du nicht selbst solch bittere Erfahrungen machen musstest.

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Angst um ein Elternteil ist im Grunde nur die egoistische Angst, allein und hilflos zu sein.

Die hatte ich auch.

Mir hat am besten geholfen, dass ich meiner Mutter, die auch Krebs im Endstadium hatte, die letzten zwei Jahre geholfen habe, wo immer es ging.

Ich habe sie oft besucht, Sauerstoffflaschen gewechselt, sie spazieren gefahren, Ärzte und Pflegedienste organisiert etc.

Damit wurde der Krebs von einer namenlosen Bedrohung zu einem real zu bewältigenden Alltag.

Es gibt Gruppen für Angehörige von Krebskranken (schau mal im Netz).

Und man kann seine Hypochondrie behandeln lassen. Ein Arzt wird dir sicher einen Psychologen vermitteln.

Ironischerweise habe ich dann selbst Darmkrebs bekommen, wurde operiert, hatte Chemo. Und da wurde auch dieser Krebs "realer" und die Angst geringer.

Inzwischen gehe ich für einen Besuchsdienst ins Krankenhaus un rede mit Leuten über ihren und meinen Krebs.

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Kommentar von annisimoni
23.04.2016, 11:43

Angst um ein Elternteil ist im Grunde nur die egoistische Angst, allein und hilflos zu sein.

Das ist absolut richtig.!!!!

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Hallo,

wenn ich mich in Deine Situation versuche hineinzufühlen, kann ich Dein Anliegen gut nachvollziehen und ich wünsche Dir die Kraft die Du brauchst um diese schwere Zeit zu überstehen.

Du bist in einer Situation, in der Dir sehr die Hände gebunden sind. 

Um zu vermeiden dass Du später noch schwerere Folgen dieser Situation zu tragen hast ist möglicherweise eine Beratung/Begleitung/Therapie sinnvoll.

Ich selbst finde es ein bischen schade dass Dein HA Dir nicht mehr Möglichkeiten empfohlen hat bezüglich Angststörung und dem Ereignis mit Deiner Mutter.

Im Internet findest Du Adressen von Therapeuten in Deiner Nähe.

Alles Gute für Dich und Deine Familie.

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