Meine Eltern hassen alle religionen?

17 Antworten

Grüß Dich Skiatio!

Ich denke, Deine Eltern denken in erster Linie an die Religionen, die das freie Denken des Menschen einengen, sie quälen und die Freiheit des Menschen unterdrücken. Es scheint mir klar, das Deine Eltern traumatische Erfahrungen damit gemacht haben. Hass ist nicht gut, aber verständlich!

Religion kann aber auch ganz anders interpretiert werden:

Eine „klassische“ Definition nach Gustav Mensching lautet: „Religion ist erlebnishafte Begegnung mit dem Heiligen und antwortendes Handeln des vom Heiligen bestimmten Menschen."

Und was ist das Heilige?

Heilig bezeichnet etwas Besonderes, Verehrungswürdiges und stammt wortgeschichtlich von Heil ab, was sich abgeschwächt noch in heil („ganz“) wiederfindet!

Das müssen aber nicht Götter, Gott oder Allah oder sonst was in der Art sein, von denen Menschen meinen, man müssten die bei Strafe besonders verehren. Das Leben selbst mit all seinen Höhen und Tiefen, mit seinem Schönen und Hässlichen, mit seinem zerstörerischen und schöpferischen Wirken, kurz gesagt, mit allem was das Leben ausmacht, das ist auch möglich, dies als Heilig zu betrachten. Das könnte auch ein Atheist annehmen. Dabei wird der Wunsch gefördert, das Wunderbare daran zu fördern und zu erhalten und das Furchtbare, wenn es vom Menschen verursacht wird, im Sinne des Heiligen zu bekämpfen. Das schließt die Verantwortung für das eigene Handeln und Unterlassen mit ein, denn niemand ist vollkommen.

Und dann gibt es ja einen Grund, warum überhaupt etwas ist (und damit auch wir Menschen) und nicht nichts. Das aber ist ein Geheimnis, das nicht aufgeklärt werden kann und dennoch verdanken wir ihm unser Dasein.

Albert Einstein, der berühmte Physiker sagte einmal:

„Wissenschaft ohne Religion ist lahm, Religion ohne Wissenschaft ist blind.“ 

Und:

Das Schönste und Tiefste, was der Mensch erleben kann, ist das Gefühl des Geheimnisvollen. Es liegt der Religion sowie allem tieferen Streben in Kunst und Wissenschaft zugrunde. Wer dies nicht erlebt hat, erscheint mir, wenn nicht wie ein Toter, so doch wie ein Blinder. Zu empfinden, dass hinter dem Erlebbaren ein für unseren Geist Unerreichbares verborgen sei, dessen Schönheit und Erhabenheit uns nur mittelbar und in schwachem Widerschein erreicht, das ist Religiosität. In diesem Sinne bin ich religiös. Es ist mir genug, diese Geheimnisse staunend zu ahnen und zu versuchen, von der erhabenen Struktur des Seienden in Demut ein mattes Abbild geistig zu erfassen."

Damit können sich auch Atheisten wie ich, wenngleich ich mit Einstein ein religiöser Atheist bin, anfreunden können. Fundamentale Atheisten, die eingefleischte Materialisten sind, erreicht man damit auch nicht und sind, wie ich finde, dann wieder Sektierer auf der anderen Seite.

Daher würde ich mal diese Variante vom Religiössein den Eltern vortragen. Vielleicht können sie ihren Hass dann anders begreifen und differenzieren. Es ist nicht die Religion die man hassen sollte, sondern die Menschen, die Religion pervertieren. Es geht ja um Glaubensinhalte, die die diesen Hass erzeugen. Die Religion im allgemeinen und übergeordneten Sinne bietet keinen Anlass dazu, finde ich. Dazu gehört freilich eine andere Interpretation von Religion, so wie ich sie hier beschrieb. Könnte es sein, das dies die Eltern zum Nachdenken bringen könnte? Denn dafür ist kein Gott notwendig, sondern wäre sogar unerwünscht!

Herzlichen Gruß

Rüdiger

Warum deine Eltern so sind, können nur sie dir sagen.
Das hat sicherlich mit ihren Erfahrungen zu tun. Mach dich also darauf gefasst, dass du viel und nicht sehr schöne Dinge zu hören bekommst. Ja, ich rate dir sie zu fragen. Ich rate dir aber auch nicht gegen sie zu sprechen. Sie haben ihre Erfahrungen gemacht. Du kannst daran nichts mehr ändern.

Wenn du dich für die Religion interessierst ( welche auch immer ) dann beschäftige dich damit ohne deine Eltern zu sehr damit zu konfrontieren. Wenn du erwachsen bist und auf eigenen Beinen stehst, dann kannst du selbst über dein Leben entscheiden. So lange du akzeptierst, dass deine Eltern sind wie sie eben sind, stehen die Chancen gut, dass sie auch dich so akzeptieren.

in unserer familie sind alle atheisten und wir kommen aus dem iran[...]aber sie haben so ein hass auf religion

Ich weiß natürlich nicht, wann deine Familie aus dem Iran gekommen ist, aber vielleicht gibt es in der Familiengeschichte einen Grund dafür?

Wenn dort Angehörige nach der Vertreibung des Shahs durch die religiösen Ayatollahs verfolgt wurden, würde es die Ablehnung erklären. 

Ich wünsche euch jedenfalls, dass ihr trotzdem friedlich miteinander auskommt. :-)

Naja, in den letzten Jahrtausenden gab es einen Leitsatz, wie mit Religion umgegangen wurde:

"Entweder du glaubst daran, oder du wirst daran glauben."

Ich habe nichts gegen Religion, solange sie privat gehalten wird.

Wenn ich allerdings als Steuerzahler Gehälter von Kirchenheinis bezahlen muss, und jeden Sonntag morgen durch kirchliche Ruhestörung geweckt werde,hat der Spaß ein Ende.
Wenn ein Papst im Bundestag sprechen darf und Kinder trotz der des hohen Stundenausfalles in den Schulen trotzdem noch jährlich zu Anschlussgottesdiensten gedrängt werden, nervt das.

Die Religionen sind institutionalisiert. Und das ist schlecht.
Also, ich verstehe deine Eltern.
Aber ich hasse keine Gläubigen.
Aber ich bin sauer welche Bevorzugungen die Religion bei uns bekommt.
Man sollte sie als Verein eintragen lassen, dann wäre alles gut und sie hätten genauso viel Rechte wie mein Kegelclub, das wäre gerecht.

Naja viele Exil-Iraner sind ja Marxisten und die sind halt in der Regel säkular eingestellt.
Atheismus, Rationalismus, Empirismus und der sog. Realismus sind jedoch auch nur dogmatische Formen der Weltbetrachtung (vgl. Skeptizismus), weshalb ich diese Intoleranz anderen Sichtweisen gegenüber immer befremdlich finde. Mit Toleranz und Friedfertigkeit erreicht man doch ein viel glücklicheres Leben als mit Überheblichkeit und Stolz.

Wenn man sieht, was religiöse Fanatiker dem iranischen Volk antun, muss man kein Marxist sein, um einen Hass auf diese Religion zu entwickeln.

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