Mein Sohn hat ADHS und verweigert den Sportuntericht. Was tun?

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2 Antworten

Kennt sich der Klassenlehrer/ Sportlehrer mit ADHS Kindern aus? Vielen Lehrern fehlt leider das Verständnis dafür. Aus meiner Sicht wäre es wichtig, daß der Lehrer sich klar positioniert, wenn ihr Sohn von anderen Kindern ausgelacht wird. Ich denke es sollte ein Gespräch mit Ihnen, ihrem Sohn und dem Klassenlehrer geben, in dem besprochen wird, warum sich ihr Sohn weigert (das soll er dann auch selbst beschreiben) und es sollten Vereinbarungen getroffen werden, was ihr Sohn tun kann, wenn er in eine unangenehme Situation kommt (bspw. sich an den Lehrer wenden). Sie selber können ihm gut zureden. Wie haben Sie sich mit der Diagnose ADHS arrangiert? Ist es eher ein Problem für Sie oder können Sie es gut annehmen? Ihre Einstellung dazu beeinflusst auch die Haltung Ihres Sohnes. Wie kommt Ihr Sohn selbst damit zurecht? Bekommt er Medikamente, sonstige Therapien?

Grüße Nadin

sylvia121212 08.06.2011, 11:39

Dem Klassenlehrer ist bekannnt, dass David ADHS hat. Was das im vollen Umfang bedeutet, kann man aber, glaube ich, nur dann ermessen, wenn man selbst davon betroffen ist. Früher hatte ich auch schon mal von hyperaktiven Kindern gehört, die sich einfach nicht stillhalten können oder auch aggressiv werden. Das ist aber nur ein Teil des Ganzen. David ist kreativ und versucht immer, mehrere Lösungen (z. B. bei einer Rechnung) zu finden. Was ihn dann aber hindert, sein Wissen auf`s Blatt Papier zu bringen, ist z. B. das Erscheinungsbild der Probe. In Mathe sind die Aufgaben so dicht untereinander geschrieben, dass David oft einfach welche übersieht und dann Punkte verschenkt. Bei der einen Matheprobe hat er den Überschlag vergessen, bei der nächsten Prüfung die Malrechnung selbst. Können tut er ja beides. Um auf das Gespräch mit dem Lehrer zurückzukommen, da gab es in der Vergangenheit viele. Mit der Diagnose muß man sich arrangieren, ja. Das ist aber tagesabhängig: Ich weiß natürlich, dass David manchmal Dinge falsch versteht, weil er sie anders wahrnimmt. Hausaufgaben unter Druck geht auch gar nicht. Trotzdem will oder kann man das nicht immer verstehen. David nimmt Ritalin seit er sechs Jahre alt ist, sonst hätten wir die Schule total abschreiben können. Was für mich am schwierigsten ist: seine Provokation. Ohne Tablette treibt er mich zur Verzweiflung, fast in den Wahnsinn. Ich dachte mir nicht, dass man als Mensch so hilflos sein kann. Man kommt einfach nicht an ihn ran. David selbst findet sein ADHS gar nicht schlimm. Er meint, er wäre nicht er selbst und könnte sich nicht steuern ohne die Krankheit. Aber es ist genau andersherum: mit dieser Krankheit und ohne Medikamente kann er sich überhaupt nicht steuern und eckt überall an, ohne das zu merken. Dann wundert er sich über die Reaktionen der Leute um ihn herum. Ich hoffe, eine Therapie zu finden, die ihm hilft, seine Aktionen und die daraus resultierenden Reaktionen zu verstehen. Das ist nämlich auch ein Punkt,der ADHS ausmacht, weil die Synapsen im Gehirn nicht richtig zusammenlaufen. Sprich: Die Kinder speichern die Erfahrungen, die sie machen, nicht ab. Wenn Gefahr im Verzug war, z. B. im Straßenverkehr und ich David am Arm gehalten habe, damit er nicht vor das herankommende Auto läuft, hat er es so empfunden, als wollte ich ihm wehtun. Der Arzt erklärte mir dann, das käme auch von diesem fehlenden Abspeichern von Erfahrungen. Normalerweise weiß ein Kind in dieser Situation: Die Mama beschützt mich! Ich versuche immer mehr, mich in David hineinzuversetzen, um seine Gedankengänge zu verstehen. Es ist hilfreich, sich nicht abhängig von der Meinung anderer bezüglich seines Kindes zu machen. Ich dachte nicht, dass mir Ablehnung so viel ausmachen würde. Falsch gedacht. Danke für die Tipps zum Sportunterricht. Ich habe gestern David zum Mitmachen motiviert und das Schuljahr ist ja Gott sei Dank bald geschafft.Grüße, Sylvia

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