Mein Opa(75)hat sich Mo umgebracht.Kann die Rente vom 29.11.für seine offenen Raten genutzt werden?

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6 Antworten

Liebe noirLady,

erst mal mein allerherzlichestes Beileid für dich.

Deine erste Frage musst du mit der Rentenversicherung klären, das kann dir hier niemand SICHER beantworten. Ich gehe aber davon aus, dass da keine Rückgabe erfolgen muss, da die Zahlungen idR rückwirkend für den Monat erfolgen. Der Monat, in dem er starb, steht ihm noch voll zu (bzw. den Hinterbliebenen)

Auch die Schuldenfrage etc. kann hier nicht geklärt werden, da müsst ihr abwarten, ob es ein Testament gab, also wie der Nachlass geregelt ist. Sind tatsächlich nur Schulden vorhanden, kann das Erbe auch ausgeschlagen, also abgelehnt werden.

Nun zur menschlichen Seite.

Es ist immer traurig und schlimm für die Hinterbliebenen, wenn ein Mensch sich entschließt, freiwillig aus dem Leben zu scheiden, egal wie alt, egal wie krank er war.

Dennoch musst du seinen Entschluss akzeptieren, es war sein Wunsch, er hat offenbar keinen anderen Ausweg mehr gesehen.

Und bitte, bitte mach dir keine Vorwürfe . Du hast ihm deine Hilfe im Vorhinein angeboten - er konnte oder wollte sie einfach nicht ausreichend annehmen.

Wenn er jetzt nach der schweren OP an Krebs erkrankt ist, hat er möglicherweise einfach keine Perspektive mehr gesehen und hatte vllt auch einfach Angst davor, euch als Pflegefall zur Last zu fallen.

Wenn keine Schweigepflichtentbindung beim Arzt vorliegt, darf er euch allerdings"offiziell" keine Auskunft darüber geben; dennoch fände ich es menschlich, wenn er euch die Frage zu seiner Erkrankung beantworten würde. Ich gehe davon aus, dass die Polizei da ggf. aber noch nachhakt, die bei einem Suizid ja immer tätig werden muss.

Was die Lebensgefährtin angeht: Ich höre heraus, da gab es kein gutes Verhältnis zwischen euch. Versuche trotzdem, ihr gegenüber sachlich und fair zu bleiben; was genau zwischen den beiden war, kannst du ja nicht wissen.

Versuche zur Ruhe zu kommen und die Regelung der Nachlassgeschichte denen zu überlassen, die hauptsächlich davon betroffen sind. Bist du Erbin, dann kannst du beim Nachlassgericht anfragen und ggf. einen Erbschein beantragen (wenn du das Erbe annehmen möchtest).

Die Zeit heilt alle Wunden (ist nicht nr ein "Spruch" - es ist tatsächlich so).

Alles Liebe für dich. Arya

noirLady 01.12.2013, 21:05

Hallo AryaCat,

danke für Deine Antwort....Für die Polizei war die Sache schnell klar....er wurde bereits am nächsten Tag freigegeben...weitere Untersuchungen bzw. Nachforschungen fanden nicht statt.

Seine Lebensgefährtin wohnt nur 5 Minuten entfernt von ihm...allein, in einem großen Haus.... sehen wollte sie ihn aber nur am Wochenende... schlafen durfte er dort nie. Sie ist so `ne Art "Lebedame" und nach seiner OP und als sie das Ausmaß seiner finanziellen Probleme erfahren hat, hat sie ihn erniedrigt und wie einen "Klotz am Bein" behandelt ...er hat mir das alles erzählt und selbst auch gewusst/gefühlt, dass sie ihm nicht gut tut...aber er hätte sich nie von ihr getrennt...Ich hab ihm vorgeschlagen, dass wir in meiner Nähe eine kleine Mietwhg. für ihn suchen...so wäre ich immer schnell bei ihm gewesen, wenn er mich braucht... Mein Großvater hat mit meinen Eltern zusammen in einem Haus gewohnt...er allein im unteren, meine Eltern im oberen Stockwerk...das Verhältnis untereinander war kalt und oberflächlich...In meiner Kindheit war er mein einziger Halt....er war Vater und Mutter gleichzeitig für mich....Mein Verhältnis zu meinen Eltern war/ist sehr schlecht und alles Andere als liebevoll. Mit 18 bin ich (auf Drängen meines Vaters und wegen meiner Ausbildung) in eine eigene Whg. gezogen...40km weit weg. Trotzdem haben wir uns mindestens einmal pro Woche getroffen und oft telefoniert...In meinem Elternhaus war ichjahrelang nicht...weder er noch ich wollten das... Doch diese Woche Montag musste ich mich dann doch, wegen einer formellen Sache und fehlenden Unterlagen, zu meiner Mutter fahren...ich wollte die Sache klären und mich dann auch gleich mit ihm treffen. Als ich ihm am Tag davor davon erzählt hab, hat er ganz seltsam reagiert...ihm war es nicht recht, dass ich komme und mit meiner Mutter Kontakt habe...Ich hab mich gefreut, mich dann auch gleich mit ihm zu treffen, aber er war ganz ungewohnt distanziert...wollte genau wissen, um welche Uhrzeit ich da sein werde...angeblich aus dem Grund, damit er dann auch zu Hause ist. Als ich am nächsten Tag dann dort war, war alles still bei ihm...ich bin dann in seine Küche und da lag der Abschiedsbrief...an niemanden direkt, ganz allgemein formuliert...der erste Satz war, dass er Krebs hat... Meiner Mutter hat einen Nachbarn gerufen...und der hat meinen Großvater in der Garage gefunden...erhängt... In den nächsten Stunden kamen Verwandte vorbei...bei einigen hatte er schon paar Wochen zuvor immer mal "beiläufig" von Selbstmord gesprochen.. Ich begreif das alles nicht....wenn ich mir vorstelle, ich hätte ihn gefunden...ich glaub ich wäre durchgedreht... Es sind so viele Fragen, die mir durch den Kopf gehen...

Ich hab so gehofft, dass ich wenigstens erfahren kann, ob er wirklich Krebs hatte...

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AryaCat 02.12.2013, 10:23
@noirLady

@noirLady

das tut mir alles so sehr leid für dich.

Auch, dass du unter so widrigen Umständen groß werden musstest; da kann man nun auch gut nachvollziehen, wie innig deine Beziehung zum Opa war, wenn er dein Halt in der Kindheit war.

Du kannst beim Arzt durchaus nachfragen, ob er wirklich krank war - allerdings - wie würdest du damit umgehen können, wenn er eben KEIN Krebs hatte? Dann wäre möglicherweise alles noch viel schwerer für dich, weil du dann Gründe suchen würdest - sowas kann zermürben.

Mein Rat: Lass es ruhen, lass ihn in Frieden ruhen - er hat es so entschieden; das muss man einfach respektieren.

Nimm Abschied; trauere um ihn, verdränge das nicht; es ist wichtig; dass du deine Gefühle zulässt; sonst kann es passieren, dass du später Probleme deswegen bekommst, weil es dich nicht loslässt.

Wir hatten hier kürzlich ein ganz junges Mädchen, dessen Vater hat ebenfalls Suizid begangen und sie hat ihn gefunden.

Diesem Mädchen hab ich noch was Persönliches mit auf den Weg gegeben; das möchte ich auch bei dir gerne tun.

Folgendes Gedicht begleitet mich schon ganz ganz viele Jahre - immer dann, wenn ein Schicksalschlag mir einen geliebten Menschen genommen hat, sei es durch Krankheit, Unfall oder Suizid - habe ich mir vorgestellt, dass dieser Mensch immer noch mit mir spricht - auf mich wirkt dies sehr sehr tröstlich, vielleicht kannst auch du was damit anfangen:

Gedicht:

Ihr sollt nicht um mich weinen.

Ich habe ja gelebt.

Der Kreis hat sich geschlossen,

der zur Vollendung strebt.

Glaubt nicht, wenn ich gestorben,

dass wir uns ferne sind.

Es grüßt euch meine Seele

als Hauch im Sommerwind.

Und legt der Hauch des Tages

am Abend sich zur Ruh´,

send´ich als Stern vom Himmel

euch meine Grüße zu.

(Hans Kreiner)

Alles Liebe für dich.

Wenn du möchtest, schicke ich dir den link zu der anderen Frage zu; vlt. magst du mit der jungen Frau Kontakt aufnehmen - ihr habe so viele Gemeinsamkeiten; vlt. könnt ihr euch gegenseitig "helfen und trösten".

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noirLady 12.06.2014, 07:40
@AryaCat

Hallo AryaCat,

....sorry für die späte Antwort... Du hast mir damals geraten, die Frage, ob mein Großvater wirklich Krebs hatte, ruhen zu lassen...aber ich hab es nicht geschafft...naja, ich wollte es wissen, um seine Entscheidung ggf. wenigstens etwas besser "verstehen" zu können...Ich hätte keine Auskunft bekommen...aber meiner Mutter hat die Hausärztin gesagt, dass ihr von einer Krebsdiagnose nichts bekannt ist und er auch sonst körperlich gut mit der schweren OP fertig wurde. ...das hat dann wieder neue Fragen bei mir aufgeworfen...am Ende fühl ich mich nur hilflos und leer...

Ich hoffe, dem jungen Mädchen, das ihren Vater durch Suizid verloren hat, geht`s etwas "besser"?

Übrigens...vielen Dank für das Gedicht...schöne Vorstellung....ich hab auch manchmal das Gefühl, er ist in meiner Nähe und schaut mir zu..........

Liebe Grüße....

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Zunächst mal mein Beileid.

die die Rente noch vorläufig, also für den folgenden Monat, erhalten haben.

Das solltet Ihr erst mal herausfinden (steht bestimt im Rentenbescheid).

"(5) Renten werden bis zum Ende des Kalendermonats geleistet, in dem die Berechtigten gestorben sind.

Es kommt nicht darauf an, wann die Rente eingegangen ist sondern für welchen Monat sie gezahlt wurde."

http://www.urbia.de/archiv/forum/th-3180727/Muss-man-Rente-fuer-Sterbemonat-zurueckzahlen.html

Etst wenn das klar ist, kann man sagen, ob Ihr das Geld nutzen könnt oder nicht. Solange würde ich es erst mal ruhen lassen.

Die Ärzte haben über den Tod hinaus Schweigepficht. Du wirst also leider nichts erfahre.

noirLady 01.12.2013, 21:19

Hallo beangato,

danke für Deine Antwort... Ich hab so viele Fragen....und hab so gehofft, dass ich wenigstens erfahren kann, ob er wirklich Krebs hatte...Bin davon ausgegangen, dass es vielleicht Ausnahmeregeln in so einem Fall gibt... :-(

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beangato 02.12.2013, 14:05
@noirLady

Ich hab nicht mal als Tochter erfahren, woran meine Mutter 1999 wirklich gestorben ist. Im Nachhein bin ich froh, meine Mutter so in Erinnerung behalten zu haben, wie ich sie zuletzt sah.

Behalte Deinen Opa lieb - es war seine Entscheidung. Setze Dich in stillen Stunden hin und denke an die schönen Sachen, die Du mit ihm erleben durftest. Er würde es bestimmt so wollen.

Ich wünsche Dir ganz viel Kraft.

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Die Rente wird ja jeweils am Ende des Monats gezahlt. Der Zahlungseingang für November stand ihm ja noch weitgehend zu.

Dass er sich nicht "helfen lassen wollte" musst du einfach respektieren.

Jetzt bleibt euch nichts anderes als rechtzeitig das Erbe auszuschlagen

Falls die Rente allerdings im Voraus am 29.11. für den Dezember gezahlt wurde, so muss sie wahrscheinlich zurückgezahlt werden. Die Rentenkasse wird Euch benachrichtigen.

Wegen des Erbes solltet Ihr Euch unbedingt mit der Rechtssituation vertraut machen und ggf. das Erbe ausschlagen, sonst werdet Ihr als Erbschuldner mit seinen Schulden belastet. Möglicherweise gibt es da noch mehr Schulden, als derzeit bekannt ist. Wenn Ihr das Erbe ausschlagt, seid Ihr nicht haftbar.

Zunächst mal: mein Beileid über den tragischen Tod.

Die ärztliche Schweigepflicht wirkt m.W. auch über den Tod des Betreffenden hinaus, entsprechend seinem mutmaßlichen Willen.

Die Rentenzahlung wirkt immer für den laufenden Monat einschließlich des vollen Monats, in dem der Tod eingetreten ist. Der Tod muss lediglich der Rentenkasse unverzüglich mitgeteilt werden. Lediglich ab dem kommenden Monat müssten etwa gezahlte Renten rückgezahlt werden.

Mach Dir keine Vorwürfe. Du hast ihm Hilfe angeboten, er hat aber Dein Angebot aus welchen Gründen auch immer nicht genutzt. Mehr konntest Du nicht tun.

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