Mein Kumpel sagt zu mir, dass ganze Leben ist romantisch und das gefällt ihm. Ich wiederum meine das es im Leben nur wenig romantische Momente gibt?

... komplette Frage anzeigen

7 Antworten

Es ist immer auch eine Frage der eigenen Perspektive, ähnlich wie bei einem halbvollen oder halbleeren Glas.

In der Tendenz neigt der Mensch dazu, graduell die Sachverhalte übermäßig wahrzunehmen, die einen persönlich stören. Dies geht soweit, daß ein vergleichbares Handeln von einem selber, da gewollt und zum eigenen Vorteil, als angemessen angesehen wird, auch wenn es andere behindert oder übervorteilt, das gleiche Verhalten anderer aber dann nicht als legitim angesehen wird, wenn man selber dadurch behindert wird. Z.B. hört man gerne Metal und dreht täglich, auch nach 22 Uhr voll auf, um Spaß zu haben. Eines Abends, man selber will gerade Fußball sehen, dreht der Nachbar eine Wagner-Oper auf Konzertlautstärke und man ist genervt. Wenige denken daran, daß man umgekehrt (und weit häufiger) selber der Störer sei, man es also zu dulden habe.

Wer sein Leben so einrichtet, wird vieles einfach als normal hinnehmen, was andere schon als positives Entgegenkommen empfänden. Auch wird dadurch das Hauptaugenmerk auf Dinge gelegt, welche die eigenen Freiheiten / Vorteile schmälern, nicht auf das, was diese fördert. Das Glas ist halbleer und wird kaum als romantisch, sondern als Alltag oder negativ empfunden. Typisch für diese Haltung ist, daß man von jedem anderen erwartet, daß er sich einem zuzuwenden, einem entgegenzukommen, einem freundlich zu begegnen habe, ohne umgekehrt für sich eine Pflicht zur Zuwendung, Entgegenkommenheit oder Freundlichkeit einzusetzen. Man darf eine Verkäuferin als phlegmatische fette Kuh bezeichnen und sieht dennoch für sich das ungeschmälerte Recht, zuvorkommend und ausgesucht freundlich bedient zu werden.

Die andere Perspektive setzt den Fokus darauf, wo Menschen einem entgegenkommen, mehr als nur "Standard" abliefern, darauf, wo Menschen sich einem zuwenden, statt einen zu ignorieren oder sich abzuwenden. Dies wirkt sich natürlich auch auf das eigene Verhalten gegenüber der Umwelt aus, denn man sieht nicht zuerst seine Rechte, sondern man agiert selber aktiv positiv nach außen. Wenn man aber schon eine Zuwendung nicht als selbstverständlich begreift, sondern als positiv belegt, der wird schon ceteris paribus die Welt weit positiver begreifen alleine aus seiner Perspektive heraus. Dadurch, daß er sich aber auch in seinem Verhalten anderen gegenüber anders verhält, wird auch er vermehrt Bestätigung erfahren. Wer selber lächelt, wird auch weit häufiger ein Lächeln anderer "abfangen" können, welches ihn meint, als jemand, der ständig gelangweilt in die Gegend schaut, andere wir Luft behandelt und sich darüber beschwert, warum ihn so wenige Menschen zulächeln. Sein Glas ist halbvoll, selbst ein Gespräch mit einer Verkäuferin in einem Supermarkt kann sich zu einem "romantischen" Moment entwickeln.

Das Leben ist wie eine Wohnung. Wie man es sich selber einrichtet, so lebt man. Was Du hinterfragst, ist kein objektiv beurteilbarer Sachverhalt, sondern eine Frage individueller Wahrnehmungen, die nicht unabhängig vom eigenen Verhalten sind.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von Centario
30.11.2016, 09:36

ok, ich verstehe, es hat alles eine Wechselwirkung

0

Meine Güte, jeder Mensch empfindet anders, meinst Du dafür gibt es Regeln?

Der Eine betrachtet den Alltag, der Andere nur die besonderen Momente.

Der Mond geht jeden Abend auf und die Sonne jeden Tag unter  - ob man sich jeden Abend daran freut und die besondere Stimmung genießt oder nichts damit anfangen an, ist eine Frage der Sichtweise und der Persönlichkeit

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von Centario
30.11.2016, 09:01

Ausgereifte Antwort, die hilft mir schon.

0

Wie singt Pippi Langstrumpf: "Ich mache mir die Welt, wie sie mir gefällt .."

Deinem Freund gefällt sie halt romantisch.

Eine objektive Wahrheit über den Zustand der Welt gibt es nicht.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von Centario
30.11.2016, 09:12

Super, an Pippi habe ich auch nicht gedacht, aber es stimmt.

0

wer sein Glück sucht, muss einfach was unternehmen; die Angriffsfläche erhöhen... wenn Du immer den selben Weg beschreitest, wird sich kaum was ändern, dann gibt es für Romantik und Glück einfach zu wenig Möglichkeiten, dich zu treffen...

Wenn Du einen gangbaren Kompromiss findest, bist du weit vorn....

Gehen ist das Zauberwort....und natürlich rechtzeitig anhalten...

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von Centario
30.11.2016, 09:21

Was du schreibst, halte ich für die Suche nach Romantik pur.

0

Jeder von euch denkt über das Leben falsch, aber jeder denkt von euch beiden richtig.

Denke mal darüber nach. ;)

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von Centario
30.11.2016, 08:57

Das halte ich für eine Gegenfrage? Soll das gut sein?

0

Irgendwann kommt Alltag rein. Nach 50 Fahrten mit der gleichen Achterbahn kommt auch ne' Routine rein.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

das ist immer ansichtssache. jeder wird das anders sehen, vllt teilweise gleich. aber man kann das nicht verallgemeinern.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Was möchtest Du wissen?