Mein Kind hat ADHS und ich komme nicht mehr damit klar, wäre es eine Sünde ihn in ein Heim zu geben?

17 Antworten

Hallo,
Ich stehe seit längerem auch an dem gleichen Punkt wie du, und kann deine Ängste, Sorgen und Überforderung total nachvollziehen.
Mein Sohn (8) hat auch eine schwere Form der ADHS, und mittlerweile eine manifestierte seelische Behinderung und andere Diagnosen. Daher habe ich auch ständig Konflikte, weil er schreit, mich beleidigt und beschimpft, schlägt, tritt, beißt, bespuckt, Dinge wirft und kaputt macht. Auch in der Schule macht er das bei Mitschülern, Lehrern, seiner Schulbegleitung und sich neuerdings bei der Familienhilfe und Logopädin. Auslöser sind oft nur Kleinigkeiten, sobald es nicht so läuft, wie er es gern hätte. Z.B dass er Blattspinat statt Blubbspinat auf dem Teller findet oder dass er in der Schule schreiben, lesen, rechnen, singen, ein bestimmtes Spiel in Sport spielen soll, obwohl ihm danach jetzt nicht der Sinn steht...

Was das genau im Erziehungsalltag für Belastungen sind, und wie sehr das an die Substanz geht, können selber Betroffene (evtl Fachleute ansatzweise) nachvollziehen.
Diese quälende Frage, ob du ihn in eine therapeutische Unterbringung geben sollst oder nicht, ist eine der schwersten. Aber keinesfalls eine Sünde oder generell schlecht für das Kind.

Es gibt aber auch noch andere Formen der Hilfe.
Z.B. Eine Familienhilfe vom Jugendamt
Oder auch therapeutisches Reiten (auch vom Jugendamt)

Bei der Krankenkasse kannst du eine Pflegestufe beantragen für dein Kind, da gibt es auch Betreuungsleistungen, wo ein Pflegedienst deinen Sohn betreut und du etwas Zeit zum Luft holen und regenerieren hast.

Auch gibt es verschiedene Therapien (Musiktherapie, Kunsttherapie, Tanztherapie, Verhaltenstherapie, Ergotherapie) und evtl unterstützend um erstmal die Zugänglichkeit für eine Therapie zu schaffen eine Zeitlang Medikamente. (Keine Dauerlösung und nur diese sind auch nicht so sinnig)

Zum Thema Förderschule für sozial-emotionale Entwicklung ist zu sagen, dass ist eine Erziehungsschule. ADHS hat nichts mit mangelnder oder "falscher" Erziehung zu tun.
Wie ich jetzt gelernt hab, ist es manchmal sogar eher schädlich. Denn dort übernehmen gerade ADHS Kinder noch negative Verhaltensweisen, die sie von älteren auffälligen Kindern vorgelebt bekommen.

Es gibt auch die Möglichkeit einen Schulbegleiter (fachlich) einzusetzen, der deinen Sohn den ganzen Schultag begleitet, ihm hilft sich im Schulalltag und in sozialen Konflikten zurecht zu finden.  Das kann auch an einer Regel-Grundschule gemacht werden.

Vor einer Unterbringung im Heim kannst du auch noch eine Therapeutische Tagesgruppe beim Jugendamt beantragen. Das ist ähnlich wie eine OGS nur mit therapeutischem Setting.
Er würde dann gegen 17 Uhr zu Hause sein. Dort macht er Hausaufgaben, isst, und bekommt Therapien und spielt mit anderen Kindern unter Aufsicht von Fachpersonal. Es ist fast wie eine 5-Tagesgruppe, nur ohne Übernachtung. (Wir versuchen auch gerade so einen Platz zu bekommen, leider sind die rah)

Dann gibt es die 5-Tagesgruppe (therapeutisch bzw. heilpädagogisch)
Wo er von Sonntag Abend bis Freitag Nachmittag wohnt.  Jedes Wochenende und teils in den Ferien ist er zu Haus. Bei manchen 5-Tagesgruppen ist auch eine Schule angeschlossen, die dementsprechend kleinere Klassen hat.
Das soll die enge therapeutische Betreuung mit der Bindung zu den Eltern etwas vereinen.
In einem Heim würde er wenn es gut läuft alle zwei Wochenenden heim kommen.

Für dich selber wäre eine Selbsthilfegruppe anderer Betroffener Eltern sehr gut. Dort kannst du dich austauschen, und Tipps von anderen bekommen. Und du kannst dich dort sehr verstanden fühlen. Nicht Betroffene denken auch schon mal man würde übertreiben und nur jammern, oder geben Tipps, die einem nicht wirklich helfen, auch wenn sie es gut meinen.
(Gern können wir uns auch über PN etwas austauschen wenn du magst)

Vielleicht wäre für dich auch eine Gesprächstherapie gut, um die Depression in den Griff zu bekommen. Wenn es dir besser geht, hast auch etwas mehr Kraft für deinen Sohn. Und wenn es dir gut geht, geht's ihm vielleicht auch besser.

In manchen Städten gibt es durch Sozialpsychologische Zentren Unterstützung für Mütter bzw. Kinder.

Vielleicht wäre eine Mutter-Kind Kur oder Reha auch eine Möglichkeit. Dort wird erstmal etwas geholfen und teilweise auch Hilfe für Zu Hause angestoßen.

Die Mutter-Kind-Station der Uniklinik Köln Kinder-und Jugendpsychiatrie ist auf ADHS spezialisiert. Dort geht man mit Kind drei bis vier Wochen hin (WE zu Hause) die helfen auch und geben Tips für zu Hause. Die nehmen Leute aus ganz Deutschland auf.

Hoffe dir hilft das ein oder andere weiter. Es wurden ja schon andere Tips gegeben.

Ich habe selber ADHS und ich sage euch wenn ihr euren Kindern nicht helfen wollt dann merken sie dass, wenn ihr ihnen nicht helfen könnt dann sind sie genauso beleidigt weil sie nicht verstehen was los ist wenn man nicht mit ihnen über alles redet. Am besten man holt sich Hilfe beim Jugendamt und macht seinem Kind klar das man das Wort hat es aber trotzdem liebt da es euer Kind ist.

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Hallo guteantwort1993,

das mit den Depressionen ist wirklich schlimm. Aber denke doch einmal daran, was das für dein Kind bedeutet. Egal, wie dein Kind momentan zu dir ist und du das Gefühl hast, es bekommt nicht mit, wie unsicher damit fühlst. Aber das schlimmste wäre jetzt, ihm die Schuld zu geben. Es gibt noch die Möglichkeit eine Mutter-Kind Kur  zu machen, die genehmigt fast alle Krankenkassen und bringt wirklich viel. Nimmt dein Sohn Tabletten? Dies kann man in äußerster Not machen. Ich kenne Kinder, die haben die Tabletten nur unter der Woche genommen und am Wochenende aber wieder nicht, damit diese auch etwas runter kommen. Dann könntest du deinen Sohn noch auspowern lassen. Melde dein Kind doch in einem Sportverein an, dort kann er sich austoben. Mein Freund hatte auch ADHS und heute kommt dies immer noch etwas raus, er kann z. B. keine Fisselsarbeiten machen, wofür man eine Engelsgeduld für benötigt, aber er schafft seinen Alltag ohne Probleme und vor allem ohne Tabletten. Seine Eltern haben ihn in Sportvereine geschickt und waren mit ihm beim Ergotherapeuten. Und der hat das super hinbekommen.

Ein ehemalige Mitschülter wiederum hatte auch ADHS und seine Mutter kam auch nicht weiter und hat etliches versucht. Das dies immerzu scheitert und der Sohn auch selbst dagegen gesteuert hat, half nur noch ein Heim für Schwer erziehbare Kinder. Meiner Meinung nach hat man sich der Krankheit viel zu spät angenommen. Ich denke jetzt kannst du noch etwas bewegen.

Ich wünsche dir und deinem Sohnemann alles Gute und vor allem viel Kraft!

Viele Grüße, Crangelos

Nein, es ist keine Sünde. Aber du solltest dich wirklich beraten lassen, ob es nicht noch andere Möglichkeiten gibt. Tagesklinik z.B. Da weiß das Jugendamt aber am besten Bescheid.

Du schreibst, dass dein Kind in Therapie ist. Was ist mit dir. Bekommst du Unterstützung, wie du mit dem Kind umgehen musst. (extrem konsequent).

Eltern von ADHS Kindern müssen 95% der "Therapie" bei ihren Kindern übernehmen. Therapie für die Kinder alleine nützt gar nichts, wenn die Eltern nicht gelernt haben, wie sie mit den Kindern umgehen müssen.

Aber dazu gehört enorm viel Kraft. Und wenn du schreibst, dass du nicht mehr kannst, solltest du dir Hilfe holen. Das Kind muss ja nicht für immer in ein Heim, Tagesklinik, was auch immer.

Aber du brauchst Hilfe! Jahrelang, fürchte ich.

Ich weiß nicht, wo du wohnst, aber in Köln Uniklinik gibt es eine Kinderklinik (Prof. Lehmkuhl, Prof. Döpfner) die auf stationäre ADHS Behandlungen spezialisiert sind. Google doch mal danach.

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