Mein Kind bringt mich zur Weißglut - wie kann ich cool bleiben?

27 Antworten

Hast du schon mal Konsequenzen gezogen? Ihn beim Essen darauf hingewiesen dass er sonst den Tisch verlassen muss? Ich würde ihn nach einmaligem Ermahnen (da muss man auch kein "Bitte" mehr anbringen) und Offenlegen der Konsequenzen ("Du gehst sonst ohne Essen auf dein Zimmer") ins Zimmer bringen, wo er sich selbst beschäftigen kann.

Essen gibt es dann zur nächsten Mahlzeit wieder. Daran ist noch kein Kind verhungert. Und auch nicht diskutieren. Lass dich darauf nicht ein!

Sinnvoll kann es auch sein dass er genügend Möglichkeit zur Bewegung hat. Und dass er nicht sitzen bleiben muss wenn er fertig gegessen hat.

Du schreibst, du hast das Essen "liebevoll" vorbereitet. Offensichtlich legst du Wert auf Anerkennung, dass die Kinder das wertschätzen. Das kannst du aber nicht grundsätzlich erwarten. Vielleicht machst du es das nächste Mal weniger "liebevoll", was immer das auch heisst. Und hast somit weniger Arbeit im Voraus. Du musst deinen Selbstwert nicht aus einem toll hergerichteten Essen ziehen.

Es kann auch gut sein dass du die "beste Freundin" deines Kindes sein willst und dich deshalb davor scheust, konsequent zu sein.

Erkundige dich wie er sich in der Schule verhält.

Für eine gute Beziehung ist es auch wichtig, gezielt etwas mit einem Kind zu unternehmen. So dass es genügend Aufmerksamkeit bekommt und diese nicht anderweitig einfordert. So etwas sollte unabhängig von gutem oder schlechten Verhalten sein. Vergiss dabei nicht dass du zwei Kinder hast, sonst fängt der ältere auch noch an mit blöd tun. Ich wünsche dir viel Erfolg!

Woher ich das weiß:Berufserfahrung

Vielen Dank!

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Bei Kindern ist es ganz wichtig, sie nicht mit einer Vielzahl von Regeln zu überfordern. Beschränke Dich auf ganz wenige Regeln. "Sich gut benehmen" ist keine Regel, sondern ein frommer Wunsch. Ich meine mit Regeln: Konkrete, für Kinder (!) einfach zu merkende Handlungsanweisungen. Dann aber: diese wenigen Regeln freundlich, aber bestimmt durchsetzen. Immer. Was nicht immer durchsetzbar ist, das wird bitte gar nicht erst in den Regelkatalog aufgenommen.

Ja, es kann sein, dass Du eine gewisse Zeit lang (das können bei schwierigen Kindern durchaus mehrere Jahre sein) kein gemeinsames, für Dich "schönes" Essen mit den Kindern haben kannst. Weil sie dazu nicht die Geduld haben, solange am Tisch zu sitzen, bis Du das Essen als fertig betrachtest. Und weil Du vielleicht nicht die Toleranz aufbringst, über 1000 Kleinigkeiten, die Dich nerven (die aber den Rahmen für "wenige Regeln" völlig sprengen würden), großzügig hinwegzusehen.

Mein Sohn ist auch 8 Jahre alt und benimmt sich gerne mal daneben, lässt sich aber relativ leicht in seine Schranken weisen- und das auch ohne ausrasten. Natürlich ticken Kinder nicht immer alle gleich, jedoch bleibt nach deiner Beschreibung zu vermuten, dass da in der Vergangenheit schon einiges falsch gelaufen ist. Generell ist es wichtig, dass Kinder schon sehr früh angemessene Konsequenzen für falsche Handlungen erfahren- und das möglichst nicht in Form von Anschreien oder generell aggressiven Handlungen. Bei meinen Sohn reicht es schon aus, wenn man ihm androht ihm für einen Tag sein Tablet zu entziehen, womit er sehr viel Hörspiel hört oder täglich 30 Minuten Spielzeit hat. Dann meckert er zwar auch, kommt aber immer sofort allen Aufforderungen nach. In diese Richtung solltest du auch einmal denken. Wenn es dir bzw. euch nicht gelingt mit so einfachen Mitteln und ohne Aggressivität eine Verbesserung zu erzielen würde ich mich mal bei einer örtlichen Erziehungsberatungsstelle beraten lassen, die können da für jeden Einzelfall gute Tipps geben.

Woher ich das weiß:Studium / Ausbildung – Sozialarbeiter / Einrichtungsleiter in der Jugendhilfe

Danke für deine ausführliche Antwort. Der ältere Bruder hat auch eine ganz andere Persönlichkeit, beim Älteren wirkt die Tablet-Maßnahme auch gut, und er möchte auch einfach eine gute Stimmung im Haus haben. Der 8jährige hingegen sucht ständig die Herausforderung und muss die Grenzen aufgezeigt bekommen, das ist sehr zermürbend.

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@Juliblade

Aber um so wichtiger ist Konsequenz und nach Möglichkeit auch Gelassenheit. Solche Dinge kann man hier immer schwer im Detail besprechen- da muss man sich wie gesagt immer die Gesamtsituation angucken und im Zweifelsfall hilft professionelle Beratung weiter, dafür gibt es sie ja.

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Was früher der Stubenarrest war, ist heute der Tablet-Entzug. Was für einen Zeit!

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@spelman

Wieso wusste ich schon direkt, dass ein solcher Kommetar hier wieder kommt? Willkommen in der Gegenwart!

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Klär das, bevor Ihr anfangt zu essen. Erklär ihm, was von ihm erwartet wird und wenn er das nicht kann, soll er mit seinem Teller in sein Zimmer gehen und dort essen. Mach mit ihm aus, wie lange er ruhig mit am Tisch sitzen und essen muß, stell das mit einer Eieruhr ein, die klingelt, und ab wann er gehen darf, aber den Raum verlassen und nicht in die Küche gehen etwas anderes holen.

Das kann ganz schnell nach hinten los gehen. Dann essen die Kinder nur noch in ihrem Zimmer. Bei uns gibt es die grundlegende Regel: gegessen wird ausschließlich am Küchentisch. Egal was. Ansonsten hätten wir bald überall Essen, in Betten und Polstern, zwischen Spielsachen...

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Es gibt einen Spruch, den ich gelernt habe, als die Kinder klein waren: "Wähle Deine Kämpfe weise!". Ich war anfangs auch der Meinung, immer Konsequent sein zu müssen, auf alles zu achten, durchzusetzen. Die Folge waren immerwährende Machtkämpfe, bei denen man nur verlieren kann.

Also: überlege Dir genau, was Du durchgehen lassen kannst, auch wenn es Dir nicht gefällt (Gabel?), und worauf Du wirklich bestehen willst.

Kinder kennen das Konzept "gemütlich essen" nicht. Ich habe mich, als ich noch keine Kinder hatte, darüber aufgeregt, wenn es zu Kindergeburtstagen nur Pommes oder Hotdogs zu essen gab. Da könne man doch was Richtiges kochen... Inzwischen weiß ich genau, warum es das gibt: weil die Kinder das greifen, in 3 Minuten aufessen und dann weiterspielen können.

Bei uns gibt es die Regel: Kinder dürfen aufstehen, wenn alle Kinder fertig sind mit Essen. Das soll verhindern, dass einer keinen Hunger hat, aufspringt, und die anderen hinterherrennen, obwohl sie den Teller noch voll haben. Das klappt auch (meistens).

Ich ärgere mich auch, wenn die Kinder das Besteck falsch halten, oder schief sitzen. Erstaunlicherweise habe ich bemerkt, das in anderer Umgebung (Besuch bei der Tante, Restaurant, Klassenausflug) solche Dinge plötzlich klappen. Zu Hause fühlen sich die Kinder sicher und wollen einfach nicht alles "richtig" machen.

Wenn übrigens ein Kind aufsteht, weil es angeblich keinen Hunger hat, dann aber sofort nach den Naschereien greift, lasse ich das nicht durchgehen. Das ist dann die Stelle, wo ich hart bleibe...

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