Mein Kater ( 5 Jahre) ist sehr aggressiv, was kann ich tun?

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5 Antworten

Das dürfte wirklich schwierig werden! Was mich offen gestanden wundert, ist, dass du dieses Verhalten so lange, nämlich offenbar 5 Jahre lang, toleriert hast. Ich kann mir vorstellen, dass es ursächlich damit zusammenhängt, dass er zu früh von der Mutter getrennt wurde. 6 Wochen sind nämlich definitiv zu früh! Ist er eine Einzelkatze, oder hast du noch mehr? Das Verhalten, das du beschreibst, entspricht nämlich ziemlich genau dem, wie sich ganz kleine Kätzchen verhalten. Die beißen & kratzen noch völlig unbekümmert. Später lernen sie dann allerdings von anderen Katzen und auch von ihren Menschen, dass Ramboverhalten nicht toleriert wird. Hast du mal auf ihm verständliche Weise versucht, ihm das klar zu machen? Z.B. indem du ihm, wenn er eine Attacke reitet, ins Gesicht pustest? Das versteht er als Fauchen und damit als klare Absage an sein Verhalten. Ist er denn immer aggressiv, oder hat er auch seine guten Stunden? Ist er eine Wohnungskatze? Manche Katzen leben gerne ausschließlich in einer Wohnung (sofern ausreichend groß und möglichst mit Balkon), andere kommen damit nicht klar und werden aus Frust aggressiv. Ist er kastriert? Ansonsten kann ich ergänzend nur wärmstens das Buch "Katzenseele" von dem Verhaltensforscher Paul Leyhausen empfehlen, das sich mit Wesen und Verhalten der Katzen befasst.

Super Antwort! Alles drin, was es dazu zu sagen gäbe!! Leider kann ich nur einen Daumen hoch dafür spenden...

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Für mich klingt das, als käme dein Kater nicht gut damit zurecht, dass er zu einem Dasein in der Wohnung verdammt ist. Es gibt Katzen, vor allem, wenn Sie von einem Bauernhof oder sonstigen Freilauf-Kultur kommen, die einen Koller kriegen, wenn sie nicht mehr raus dürfen. Kater neigen sowieso dazu, ein bisschen mehr Auslauf zu bringen. Bevor du dich aber von ihm trennst, wie demosthenes es empfiehlt, überlege dir vorher mal, ob du ihn kastrieren lässt. Wenn männliche Hormone beschnitten werden, wird es vielleicht besser!?

So richtig Hilfe kann ich Dir wohl nicht geben, aber ich kann Dir einen ähnlichen Fall schildern. Ich bekam, da ich schon öfters Problemkatzen erfolgreich "geheilt" hatte, mal einen Kater, der eigentlich "ein Fall für die Spritze" war. Die Mutter war eine "Wilde",die gestorben war - der Kleine wurde mit der Flasche aufgezogen (von einer Familie mit zwei Kindern, 8 + 10). Erst war er das Liebste für die Kinder und sie schleppten ihn überall hin mit. Als er in die Pubertät kam, wurde er schwierig, fing sofort an zu beißen, wenn ihm was nicht paßte. Und ihm paßte oft was nicht! Eine Kastration änderte nichts. Als er dann die Tochter und die Mutter mehrfach "überfallen" und gebissen hatte (z. B. wenn sie schliefen!), zuletzt die Tochter 2 x ins Gesicht, wurde er weggegeben und kam in eine sog. "Katzenwohnung". Von dort wurde er 3 x vermittelt und kam jedesmal nach wenigen Tagen zurück. Er hatte seine neuen Besitzer angefallen und gebissen... das wußte ich, als man mich bat, ihn zu mir zu nehmen. Die erste Zeit mit ihm war wirklich schrecklich, er war total "durch den Wind", völlig unberechenbar und biß bei der kleinsten "Unstimmigkeit" zu. Mein Mann hielt sich völlig von ihm fern, ich berührte ihn so wenig wie möglich und hörte sofort auf, wenn ich Unruhe bei ihm bemerkte. Meine "Erfolge" konnte ich nur an der abnehmenden Anzahl der Bisse ablesen. Es hat bestimmt 18 Monate gedauert, bis er weitestgehend "normal" reagierte. Ich führe das auf die Ruhe und Ungestörtheit zurück, die wir ihm gewährt haben. Er war durch seine Erlebnisse (das Rausreißen aus "seiner" Familie, die "Katzenwohnung", die mehrfachen Besitzerwechsel einfach total überdreht und mußte zur Ruhe kommen. Dann begannen jedoch neue Schwierigkeiten. Er war nun mal ein sehr "dominanter" Kater und fing an, meinen Mann zu attackieren. Lauerte ihm auf, biß ihm in die Hacken... und wenn ich kam, war er das reinste Lämmchen. Ich führe das darauf zurück, daß ich von Anfang an die "Oberkatze" habe raushängen lassen. Es ist ja auch in "Katzengemeinschaften" so, daß manche mehr zu sagen haben als andere. Das klappt. Also habe ich konsequent dafür gesorgt, daß ICH das Sagen hatte. Wenn ich mich auf einen Sessel setzen wollte, auf dem er lag - mußte er weichen. Sein Futter bekam er grundsätzlich erst, wenn wir gegessen hatten. Und wenn er Streit suchte, "starrte" ich ihn nieder. Das starre Anschauen wird in Katzenkreisen als Kampfansage gewertet und wer länger starrt, hat gewonnen (daher immer plinkern, wenn man seine Katze ansieht und ihr nichts Böses will!!). Mein Mann ist mit ihm einfach nicht fertig geworden und hatte echt Angst vor ihm. Das wurde erst besser, als ich mehr daheim war und die Agressionen gegen meinen Mann "steuern" konnte. Ein scharfes "Nein" und starres Ansehen reichte bereits, damit er sich trollte. Meist kam er dann zu mir, um demonstrativ mit mir zu schmusen. Kurz und gut, wir hatten ihn 14 Jahre und er war bis zum Schluß zwar "unberechenbar", aber weitestgehend friedlich. Was ich damit sagen will: auch ein "verkorkstes" Tier kann mit viel Geduld und Liebe noch "normal" werden - aber es ist schwer. Und wenn dann noch kleine Kinder da sind, würde ich das Risiko nicht eingehen. Aber Du möchtest Deinen Kater ja gern behalten. Da wäre mein einziger Rat: sei die "Oberkatze" und bring Deinem Kater Respekt bei. Laß ihm nichts mehr durchgehen und sei konsequent in Deinen Anordnungen. Eine Katze wird immer versuchen, auszutesten, wie ernst Du es meinst. Ein Nein muß immer ein Nein bleiben. WIE Du Dir Respekt verschaffst, mußt Du selbst herausfinden, denn jede Katze ist anders. Bei meinem Rambo-Kater war manchmal ein Griff ins Nackenfell mit leichtem Schütteln erfolgreich, oder besagtes Pusten ins Gesicht, unterlegt mit "fauchen", oder, wenn er mit der Pfote schlug, ein blitzschneller "Schlag" mit zwei Fingern zurück. Aber für eine sensible Katze könnte so etwas bereits "zu viel" sein. Ich wünsche Dir jedenfalls viel Erfolg bei der Umerziehung, damit Du Dich nicht von ihm trennen mußt!

Leider ist es bei vielen Katzenhaltern (ich meine jetzt nicht Ysobel) so, dass sie nicht gewillt oder in der Lage zu sein scheinen, bei Bedarf mal die Oberkatze raushängen zu lassen. Manche scheinen regelrecht stolz darauf zu sein, wie sie sich von ihrer Katze terrorisieren lassen. Dabei sind ja Katzen durchaus bereit, Regeln für ein angenehmes Zusammenleben zu akzeptieren - vorausgesetzt, es wird ihnen in einer für sie verständlichen Weise vermittelt.

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@Boldtbregu

Ja, das ist leider so. Oft ist es die Unkenntnis darüber, daß Katzen durchaus bereit sind, Regeln einzuhalten und sich in eine Gemeinschaft einzufügen. "Katzen kann man nicht erziehen" wird dann schulterzuckend gesagt und schon macht die Katze, was sie will. Zugegebenermaßen ist die Erziehung einer Katze viel schwerer als die eines Hundes - während so ein Hund für ein Lob und/oder Leckerli sonst was zu tun bereit ist, ist die Katze in dieser Beziehung so gut wie unbestechlich. Nicht, daß sie nicht auch Lob und Leckerlis liebt! Aber sie sieht selten ein, daß sie dafür etwas tun (oder lassen) soll...

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@evistie

...ooch, mein Kater war sogar bereit, ein paar Kunststücke dafür zu lernen - aber: wenn er keine Lust hat, geht nix! Aber er hat auch Dinge gelernt, die jenseits von Leckerlis einen konkreten Nutzen für ihn hatten, etwa eine Klingel zu bedienen, wenn er im Winter vom Balkon wieder reinwollte (sonst ist die Tür ohnehin immer offen). Die war in unserer alten Wohnung extra auf Pfotenhöhe installiert...hat ca. 3 Wochen gedauert, bis er in ungefähr gerafft hatte, wozu die gut war, dann wurde er immer besser... an mangelnder Intelligenz oder Aufmerksamkeit liegt es jedenfalls nicht, aber Katzen haben eben nicht so ein unbedingtes Bedürfnis zu gefallen.

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@Boldtbregu

Der Spruch "Hunde kommen, wenn sie gerufen werden. Katzen nehmen die Mitteilung zur Kenntnis und kommen gelegentlich darauf zurück!" bringt es wohl auf den Punkt!

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wahrscheinlich war es zu frueh ihn mit 6 Wochen von der Mutter zu trennen, aber ich habe ehrlich gesagt in dem Moment nicht darueber nachgedacht. Er ist kastriert und ich habe auch versucht ihn nach draussen zu lassen, aber das will er nicht. Ich muss auch dazu sagen, das er einmal 4 Monate verschwunden war, er war von unserem Urlaubssitter ausgesetzt worden, und ich habe ihn taeglich gesucht. Nach 4 Monaten habe ich ihn endlich fangen koennen, und seit dem will er gar nicht mehr raus. Ich liebe diesen Kater ueber alles, deshalb mache ich es schon so lang mit. Aber es ist halt schwierig. Aber vielen dank fuer die Antworten, vor allem fuer den Buchtip. :-))

Ich habe viele Katzen+Kater bereits mit 6 Wochen übernommen, und nicht eine einzige war bösartig, im Gegenteil, anhänglicher und schmusiger gings gar nicht. Aber eine übernommene 12-jährige Katze war so ein Beißer und Faucher. Einmal hat sie mich auch im Schlaf ganz schrecklich gebissen, dass ich kurz vor der Handamputation stand. Sie wurde erst lieb, als sie mit 15 Krebs bekam. Sie hatte es bei ihrem alten Frauchen und auch bei mir wunderschön gehabt, also daran lag ihre Frechheit nicht.

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Wenn der Bursche schon so lange sein Machogehabe an den Tag legt, dann wird sich daran wohl auch nichts mehr ändern lassen.

Deine Sorgen bezüglich des Kindes kann ich gut verstehen.

Abgesehen von der Ruppigkeit, die er schon immer zeigte, könnte er mit Baby im Hause zusätzlich noch eifersüchtig und damit noch aggressiver werden, wenn er plötzlich nicht mehr der "King" wäre.

Da steht wohl die Trennung an - so traurig das sein mag.

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