Mein Hund (aus dem Tierschutz) ist wie paranoid beim Gassi gehen...warum?

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11 Antworten

Wie wurde sie denn im Tierheim gehalten?

Für mich hört sich das nicht paranoid an, sondern als ob der Hund nichts kennt und jetzt überfordert ist von den vielen neuen Eindrücken und alles kennenlernen will/ muss.

Das Umschauen kann darauf zurückzuführen sein: Was ist denn vorne Neues, was hinten, wie riecht es, was sind das für Geräusche, was sind das für Menschen/ Hunde/ Sachen (Autos etc.), was machen die, bin ich in Gefahr, was passiert hier?! etc.

Was ich machen würde: Vielleicht erst mal mit ihr in eine ruhige Gegend fahren, wo keine oder wenige Menschen und andere Hunde sind, und sie dort kennenlernen (Wiese, Wald etc.). Gib ihr Vertrauen. Dann steigere nach und nach die Außenreize, fahre in eine Gegend, in der sich einige Menschen mit Hunden treffen (Hundeschule ggf. auch), lass sie die anderen kennenlernen, ohne Ablenkungen durch weitere Spaziergänger, Autos, Geräusche etc.

Wenn sie sich um schaut, lass ihr auch mal Zeit dafür, bleib stehen, lass sie schnüffeln/ schauen/ horchen.

Vermittele ihr Sicherheit, gibt Kommandos (die Du im Ruhigen übst), die sie dazu bringen, auf Dich zu achten. Aber gib ihr trotzdem auch mal Zeit, sich die neue Umgebung anzusehen. Falls Du direkt in einer belebten Gegend (aus Hundesicht) wohnst, fahre eher erst mal in eine ruhigere Gegend und übe Schritt für Schritt, dass sie in der für sie neuen Gegend mit den ganzen neuen Eindrücken zurecht kommt.

Ggf. - da kenne ich mich nicht aus - wäre es sinnvoll, erst mal in der Nähe des Tierheims spazieren zu gehen, weil sie diese Gegend kennst und dann wärest nur Du für sie neu. Kann aber evtl. auch problematisch sein, wenn sie dort "Freunde" hat, die sie dann wieder verlassen muss... Also ggf. auch noch mal beim Tierheim nach Tipps fragen.

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Kommentar von Luzbert
30.03.2016, 11:00

Vielen Dank! Mit der Antwort kann ich viel Anfangen :) Dann hab ich bisher ja alles richtig gemacht^^ In die Nähe des Tierheims kann ich nicht, da es im Odenwald ist... Ich werde heute mittag auch raus fahren, irgendwo hin, wo sie weit genug schauen kann und nicht so viel los ist... In der Gegend hier geht es eigentlich, klar ist das für sie viel.... Und das mit Hunderudel und Hundeschule, das kommt noch :) wollte jetzt erst mal etwas vertrauen aufbauen, damit sie sich sicher bei mir fühlt :) Achso und in dem deutschen Tierheim war sie nur eine Woche, sie kommt gerade aus Rumänien...

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Ich würde mit der Maus erstmal irgendwo spazieren gehen, wo nicht so viele Eindrücke auf sie "einstürmen". Irgend ein ruhiger Wald- oder Feldweg.

Ich denke auch, daß sie schlichtweg überfordert ist. Sie muß erst langsam lernen, daß das, was um sie herum passiert, "normal" ist. Gib ihr Zeit und laß sie auf keinen Fall von der Leine.

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Du darfst nicht vergessen, dass der Hund in eine völlig neue und für ihn noch fremde Umgebung gekommen ist. Da ist es ganz normal, dass er sich in der ersten Zeit so verhält - Neugier und auch Angst dominieren da derzeit.

Und dann kommen möglicherweise schlechte Erfahrungen dazu, die er vielleicht gemacht hat.

Gib dem Hund Zeit - die braucht er, um sich einzugewöhnen und Vertrauen aufzubauen. Und geh alle 2 Stunden mit ihm Gassi, bis er kapiert hat, dass sein Geschäft nur da zu erledigen ist. Lobe ihn immer wieder, wenn er etwas richtig macht, belohne ihn auch mit Leckerlies. Beschäftige ihn - und du dich mit ihm. Auf diese Art erzielst du schnell Erfolge in der Erziehung.

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Hallo Luzbert,

auf Deine Frage zu dem Verhalten Deines neuen Hundes stelle ich Dir hier zum gründlichen Durchlesen drei Links zu Pdf Dateien der Schweizer Hundezeitung ein.

Auch wenn Du momentan gar nicht den Eindruck hast, Dein Hund hätte Angst, sein Verhalten aber spricht eine deutliche Sprache. Dein Hund hat ganz viele Stresshormone im Blut und daraus kann sich dauerhaftes Angstverhalten in Zukunft entwickeln und das willst Du sicher nicht.

http://hundemagazin.ch/wp-content/uploads/2013/12/18-21_angst_t1.pdf

Das ist der erste von drei Teilen, die weiteren zwei Links bekommst Du als Kommentar.

Dein Hundemädel ist gerade erst bei Dir angekommen und Du musst behutsam mit ihr umgehen und ihr mindestens drei Wochen der guten Eingewöhnung in das innerste Wohnterritorium zugestehen.

Denn Hunde sind territoriumsgebundene Tiere. Kommen sie in ein fremdes, ungewohntes Territorium so reagieren sie vorsichtig, bei Kontakten auch sich zurück nehmend und unsicher.

Wenn Du nun zu schnell vorgehst und ihr zu viel an Neuerungen zumutest so kann sie ein Angstproblem entwickeln. Weniger ist Mehr - für den Anfang eurer Beziehung.

Hunde kennen vieles, aber sie kennen keine Hoffnung und dein Hundemädel kann bisher nur ahnen, daß Du in Zukunft ihr menschlicher Sozialpartner sein wirst. 

Sie muß sich an Dich gewöhnen, das geschieht durch Beobachten wie Du dich in allerlei Situationen benimmst. Ihr Verhalten "von Dir als Paranoid bezeichnet" zeigt ihre große Verunsicherung an.

Deswegen blickt sie sich auch ständig um. Ihr Instinkt sagt ihr, dass sie sich in vollkommen fremden Territorium bewegt und auf der Hut sein muß.

Du solltest also wie bei einem Welpen mit ihr vorgehen:

- die ersten drei Wochen, Wohnung und Dich kennen lernen und den gesamten Tagesablauf bei Dir. Achte auf feste Zeiten für Futter und Gassi. Wähle eine kleine Gassiroute im direkten Wohnbereich. Sie muß nicht sofort alle Menschen ringsum kennen lernen. Nur wenn sie von sich auf Menschen zugeht. Begrenze solche Begegnungen in der Zeit.

- Nach den erste drei Wochen gewöhnst Du sie an eine große Gassirunde am Tag. Diese sollte an die ersten kleinen Laufrouten anschließen. Bis 2 Stunden läufst Du nun mit ihr zusammen.

- Wenn die ersten zwei Monate herum sind kannst Du vorsichtig beginnen mit ihr zum Beispiel in eine Hundeschule zu gehen, Oder Hundesportaktivitäten mit Dir zusammen zu starten.

Denke dran, alles was Du zu Beginn zuviel von ihr verlangst ist Flooding mit Umweltreizen und sie wird darauf nicht sicher, sondern Unsicherheiten und Ängste entwickeln. Also behutsam mit dem Mädel beginnen.

Daumendrück, dass so eine gute Kameradschaft mit einem Hundemädel beginnt.

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Kommentar von YarlungTsangpo
31.03.2016, 21:21

http://hundemagazin.ch/wp-content/uploads/2013/12/32-35_angst_t3.pdf

Und hier ist der dritte Teil.

Bitte lese noch ein Buch. Es ist zwar mittlerweile ein bisserl "alt" und nicht das modernste "Erziehungsbuch" Aber es hilft Dir Dein Hundemädel in jeder Lebenslage besser zu verstehen.

Es ist eine "Muss Grundlektüre" für jeden der ein guter Hundehalter werden will.

Buchtipp: Mit dem Hund auf Du - Zum Verständnis seines Wesens und Verhaltens, Autor: Eberhard Trumler

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Gibt Hunde, die so aufgewachsen sind, dass sie wenig kennenlernen durften.
Draußen ist dann alles fremd und macht Angst.
Ich würde deine Hündin draußen nicht loben sondern einfach ruhig und entspannt mit ihr umgehen und so normal wie möglich an alles rangehen und an allem vorbeigehen.
Wenn du ihre Angst besonders beachtest oder sie für irgendwas normales lobst, kann das nach Hinten losgehen.

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Kommentar von Luzbert
30.03.2016, 10:52

Vielen Dank für die Antwort :) Ich behandele sie auch draußen ganz normal und schenke ihr nicht die ganze Zeit Beachtung... Ich weiß nur nich, ob sie es gewohnt ist draußen zu pinkeln, deswegen hab ich sie fürs draußen Pissen belohnt, dass sie halt nich in die Bude macht^^ Sie ist auch nicht wirklich ängstlich, nur übertrieben interessiert, sodass sie ständig stehen bleibt und in der Gegend rumschaut...

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sorry, ich hab jetzt hier nicht alles durchgelesen, daher wurde es vielleicht schon geschrieben: Möglich wäre, dass sie als Welpe/Junghund ein Trauma erlebt oder eben gar nichts erlebt hat. Teilweise ist es bei Tierschutzhunden, wie bei Welpen. Also wirklich langsam an Neues heranführen. Wenn etwas Negatives schon zu tief verankert ist, wird eventurell manches es nicht mehr vollständig abgebaut werden können. Dann arrangiere dich mit ihr, gehe Kompromisse ein. Du beschreibst sie ja super im Haus, wenn draußen nicht alles klappt, ist es nicht so schlimm. Falls ihr einen Garten habt, wäre es noch gut, wenn du nur jeden zweiten Tag ihr neue Umwelterfahrungen gibst. Dann einen Tag als "Erholung und zum Verarbeiten" nur den Garten nutzt. Viel Spaß mit der Kleinen,.

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da der hund ja erst seit gestern bei dir ist, ist noch alles neu für ihn. wenn du jetzt plötzlich in eine fremde stadt ziehen würdest, müsstest du dich wohl auch erstmal orientieren und würdest dich umschauen.

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Ganz einfach - Geduld ist das Zauberwort - und den Hund, der offensichtlich nicht viel kennt oder lernen durfte die nötige Zeit geben und nicht überfordern. Lass ihn doch erst mal bei Dir und in der neuen Umgebung ankommen. Vermeide erstmals laute Umgebung und gehe in ruhigen Gegenden spazieren - und nicht vergessen, den Hund immer gut sichern! (Halsband und Brustgeschirr bitte doppelt)

Eine entsprechende Lektüre über solche "Angsthunde" würde Dir auch weiterhelfen.

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Ich habe damals im selben Alter meinen Hund aus dem Tierheim geholt.

Ich hatte in den ersten Tagen ähnliche Erfahrungen:

Für meinen Hund war alles neu und sie ist wollte zum Beispiel immer in offene Kofferräume von weißen oder sibernen Autos springen, ist im Dunkeln nie raus gegangen, hat keine Leckerlis genommen ...

Es hat viel Geduld, konsequente Erziehung, Liebe und einige Zeit gebraucht, bis sie sich an mich und die neue Umgebung gewöhnt hat.

Hundeerziehung endet nie. Fachbücher haben mir auch geholfen.


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Vergiß bitte nicht : Wohnung ist Wohnung und draußen ist draußen.  Mein Hund verhält sich draußen auch anders als in der Wohnung, weil ganz andere Reize da sind.

 Persönlich habe ich meinen Hund damals erstmal nur an die selben Stellen ausgeführt. Klingt zwar etwas langweilig, aber so konnte sie sich erstmal langsam an die neue Gegend gewöhnen. Dann wurde die Richtung geändert um auch neue Gebiete zu erkunden.

Was wichtig ist : führe deinen neuen Hund nicht gleich allen Freunden und Bekannten vor. Laß sie erstmal ankommen und vermeide unnötigen Streß durch Besuch.

Das mit dem Umdrehen kann daran liegen, daß sie vielleicht auf ihren Pfleger wartet, oder auch ein anderer Hundekamerad, mit dem sie engeren, guten Kontakt hatte.

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Alles gut nur der Besitzer ist ungeduldig und unerfahren.

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