Mein fünfjähriger Sohn hat einen IQ von 76, bedeutet das wirklich, dass er in allen Bereichen lernbehindert ist?

22 Antworten

Okay - du hast schon so viele (gute) Empfehlungen bekommen, da möchte ich dir statt dessen eine kleine Geschichte erzählen.

Mein Sohn ist Mitte 1987 geboren und kam mit knapp zwei als Adoptivkind in unsere Familie.
Seine Rückstände in der Entwicklung wurden zuerst auf seine Heimgeschichte geschoben, dann auf eine erhöhte Anfallsneigung (außer dass er ein richtiger "Träumer" war, hat nie jemand einen Anfall bei ihm erlebt).
Später kamen dann statt dessen andere Diagnosen dazu - als er 6 war, hieß es: dieses Kind wird nie lesen und schreiben lernen, vielleicht eher so eine Kommunikation mit Bildchen. Unser Kind würde nie schwimmen, Rad fahren und ähnliches lernen. Die Uhr? Keine Chance!

Ich habe damals regelrecht durchgetrotzt, dass unser Großer auf eine Lernbehindertenschule kommt statt in den Behindertenbereich.

Um es abzukürzen: er hat einen IQ von 68, er hat einen GdB von 80 (allein wegen seines Frühkindlichen Autismus würde er mit GdB 50 eingestuft werden).

Er kann lesen und schreiben (sicher schreibt er langsamer als "normale" Erwachsene, dafür aber orthografisch sehr gut). Zu seinem 12. Geburtstag wollte er unbedingt ein Buch mit 1000 Seiten.

Er hat 10 Klassen einer Förderschule absolviert, lebt im betreuten Einzelwohnen, arbeitet in einer Buchbinderei.

Er bewegt sich allein und sehr sicher mit allen Verkehrsmitteln in Berlin, fährt zu seinem wöchentlichen Freizeitschwimmen, aber auch 120 km mit dem Zug zu uns allein ohne Begleitung. Vor vier Wochen hatte sein Zug auf der Fahrt zu uns eine Panne, erst saßen sie stundenlang auf der Strecke fest, dann mussten sie in einen anderen Zug umsteigen, der aber eine andere Streckenführung hatte ... ich hatte schon Panik, wir würden ihn mit der Polizei suchen lassen müssen, aber er hat mich immer wieder angerufen und auf dem laufenden gehalten. Dann ist er wohl zum Schaffner hin, hat dem seinen Behindertenausweis gezeigt und erklärt, dass er als Autist nicht ganz verstünde, wie er jetzt zu fahren bzw. umzusteigen habe.
Die haben ihn dann in den richtigen Ersatzzug gesetzt.
(Ehrlich, da war ich völlig baff, ich hätte nie geglaubt, dass er eine solche Situation, die man ja nicht mit ihm üben kann, so souverän bewältigt.)

Er benutzt ganz selbstverständlich sein Handy, auch zum Simsen, er hat sich jetzt auf dem Handy einen Terminkalender und einen "Weckplan" eingerichtet, er absolviert seine Arztbesuche allein, nur zu bestimmten Auswertungsgesprächen geht jemand mit.

Er geht (allein!) in die Disco, ins Kino, ins Internetcafé, er fährt im Urlaub ins Ausland. Er kann schwimmen (sehr gut), Rad fahren, er fährt rasant Inliner und legt dir dann einen gefakten Sturz wie ein Stuntman hin, er geht gern angeln mit meinem Lebensgefährten und zur Zeit fasziniert ihn Englisch.

Zu meinem Erstaunen hat er mit mir am Wochenende über die Aussprache von englischen Wörtern diskutiert, er lernt es gerade mit einem
PC-Selbstlernkurs und einem Wörterbuch. Warum auch immer -

Ja, er lebt anders, als man sich es am Anfang eines Kinderlebens für sein Kind wünscht. Er weiß, dass er vieles nicht allein bewältigen wird. Aber er hadert nicht mit seinem Schicksal, sondern ärgert sich eher über die kleinen Pannen im Alltag - wie wir anderen auch.

Aber wenn ich daran denke, wie wir am Wochenende zu dritt Karten gespielt haben und er uns alle ganz selbstbewusst in Grund und Boden spielt beim "Räuber"-Rommé, weil er viel visueller ist als wir und in Sekunden in Gedanken zig Karten neu ordnen kann, und wieviel Gelächter es dabei gab und kleine Witze auf Kosten von uns  anderen - dann weiß ich auch, dass es ihm auf seine Art gut geht und er sich wohlfühlt.

Das ist so viel mehr, als  so manche Eltern von schwerkranken Kindern je für ihre Kinder haben werden. Das führe ich mir oft vor Augen und da wird man schon etwas demütig dabei.

Wir sollten einfach unsere Kinder dabei unterstützen, sich ein möglichst selbstbestimmtes aber auch zufriedenes Leben im Rahmen ihrer Fähigkeiten zu erobern, statt nachzutrauern, dass sie vielleicht nicht promovieren werden.

Denke nicht darüber nach, was deinem Kind alles verwehrt bleiben wird - das macht DICH kaputt und dein Kind braucht eine starke Mutter.

Du wirst sehen, längst nicht alles von dem Vorhergesagten wird so eintreffen und vielleicht wird sich dein Kind im Leben in eine Richtung entwickeln, an die du nie jetzt denken würdest.
Glaub einfach fest daran, dass auch dein Kind Fähigkeiten und Kräfte hat, die kein Arzt der Welt und auch kein Test sehen oder messen können.

Gib ihm einfach das Gefühl, dass du da bist für ihn und an ihn glaubst. Dafür wirst du ein Kind haben, das immer weiß, wen es als vertrauenswürdige Person an seiner Seite hat. Aber "beglucke" ihn nicht zu sehr. Er muss auch die Möglichkeit haben, sich ein paar Schrammen und Lebenserfahrungen selbst zu holen.

Ich bin sicher - ihr packt das schon. 

Ich wünsche Euch von ganzem Herzen alles Gute ... Anne

Ich kann verstehen, dass das Ergebnis Dich erstmal umhaut. Aber Dein Sohn ist erst 5 Jahre alt und auch der Kinderpsychologe ist kein Hellseher und weiß nicht, wie sich Dein Kind noch entwickeln wird. Vielleicht solltest Du das Testergebnis durch einen zweiten Test bei einem anderen Psychologen überprüfen lassen.


Seit privaten Erfahrungen mit einem Test in der Schullaufbahnberatung durch einen Schulpsychologen, halte ich ehrlich gesagt nicht mehr viel von Kinderpsychologen und deren Tests. Nachdem meine Tochter mühelos den Sprung aufs Gymnasium geschafft hatte, sackte sie plötzlich in der 5. Klasse mit den Noten total ab. Wir gingen dann zu einem Schullaufbahnberater und wollten eigentlich mit ihm erörtern, ob es für meine Tochter besser wäre die 5. Klasse auf dem Gymnasium zu wiederholen, oder ob sie nicht doch besser auf die Realschule wechseln sollte. Der dortige Schulpsychologe machte mit meiner Tochter einen Test und dieser besagte angeblich, dass meine Tochter nur für die Hauptschule geeignet sei. Danach versuchte er mir und meiner Tochter die Hauptschule schmackhaft zu machen. Ich hab echt gedacht ich spinne. Seitdem stehe ich solchen Tests kritisch gegenüber. Trotz dieses Tests hat meine Tochter die Realschule besucht, die Mittlere Reife gemacht, danach ein künstlerisches Vorstudienjahr und wird jetzt ab diesem Herbst Malerei und Grafik studieren.

Du sagst, Du weißt, dass Dein Kind Defizite hat. Was Dein Kind nun braucht ist Förderung, auch seiner Stärken und Erfolgserlebnisse (die Dir auch gut tun würden). Also, was kann Dein Kind besonders gut? Wenn er gut malen kann, lass ihn an Kindermalwettbewerben teilnehmen. Wenn er gut singen kann, melde ihn in einem Kinderchor an. Lass ihn ein Instrument lernen und bei Wettbewerben vorspielen. Melde ihn in einem Sportverein an und freut Euch über jede Urkunde und Medaille, die er gewinnt.

Wo sind seine Schwächen und wie können sie ausgeglichen werden? Reicht z.B. Nachhilfe? Ist Ergotherapie eine Möglichkeit? Könnte Dein Kind ein Jahr länger im Kindergarten bleiben, um Entwicklungsrückstände aufzuholen? Habt Ihr vielleicht eine private Grundschule in Eurer Gegend, die Dein Sohn besuchen könnte, z.B. eine Montessorischule, Jenaplanschule oder Waldorfschule? Oder eine Schule mit Inklusionsklasse?

Das heißt vorläufig nur, dass er in unserem Schulsystem nicht gut zurecht finden wird. Das ist aber noch lange nicht das aus! Zum einen ist dein kind noch sehr jung. Das heißt der iq kann sich noch um einiges verbessern (mit richtiger förderung natürlich). Außerdem haben viele menschen die im Bereich der Schule scheierigkeiten haben großartige andere stärkdn und sind in vielem anderen bei weitem besser als "normale" menschen.

Das Problem ist eigentlich nur, dass die heutige Gesellschaft menschen nur noch danach bewertet, wie gut sie 1+2 zusammen rechnen oder ein Gedicht interpretieren können. Dass das nur ein winziger Teil eines Menschen und seiner Persönlichkeit aus macht wird dabei oftmals vergessen. Es ist also nicht das ende Welt. Deinem Kind wird es gut gehen. Und du wirst sehen, dass auch er seine ganz eigenen, wenn nicht sogar bessere Stärken hat als ein Gedicht interpretieren zu können.

Alles gute, auch für deinen Sohn!

"Nicht gut zurechtfinden" haha in unserem Schulsystem geht es nicht um das logische denken , es geht nur ums auswendig lernen .

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