Mein Bruder möchte ein Lebensmittelgeschäft (Supermarkt) eröffnen und ich möchte gerne wissen, wie ich den verkaufspreis bei der Handelskalkulation errechne?

...komplette Frage anzeigen

4 Antworten

Das wird dir hier niemand sagen, weil das ein Haufen Arbeit ist und nur du die genauen Daten kennst. Ich kann dir empfehlen, Kalkulationstabellen runterzuladen, gibt es unmengen davon über google und dann musst du da selbst kalkulieren, die Tabellen sind aber vorgefertigt, kann einige Tage dauern bis du fertig bist, aber das lohnt sich.

Das Schema einer Kalkulation findest Du massenhaft über die Suchmaschine Deines Vertrauens.

Beginnt mit den Aufwendungen um die Ware im Laden zu haben und endet beim Risiko der Garantiefälle.

Bei dieser Darstellung geht man davon aus, dass andere Risiken bereits beziffert sind. Also wie viel vom Obst und Gemüse muss bei der Frischekontrolle entsorgt werden? Wie viele Produkte können wegen Erreichung oder Überschreitung des MHD nicht mehr normal verkauft werden?

Anteilige Abschreibungen, Personalkosten usw.

Wie hoch soll der Unternehmerlohn sein? Welche Kapitalverzinsung soll es geben?

Handelsspannen sind allerdings selbst in Produktgruppen bereits unterschiedlich. Man kann also leider nicht einfach sagen: Wareneingangsrechnung mal fünf zzgl. Umsatzsteuer und man hätte den Preis.

Dabei gilt auch, dass bestimmte Waren im Angebot sein müssen. Obwohl die kaum ihren Kostenanteil decken. Vielleicht sogar auf einen Fixkostendeckungsbeitrag verzichtet werden muss.

Einem Kommentar von Dir ist zu entnehmen, die Entscheidung einen Supermarkt zu eröffnen sei bereits gefallen. Da Du jetzt aber auf der Suche nach einem Kalkulationsschema bist, ist kein Businessplan erstellt.

Weiter führst Du aus, Du seist gegen diese Gründungsidee. Dazu kann ich nur sagen: Dann hast Du noch eine gute Chance. Nicht um die Sache zu verhindern, sondern wenn sie denn doch stattfindet auch chancenreich ist.

Immerhin ist eine solche Gründung anspruchsvoll. Die letzte Entscheidung ist zwar die der Rechtsform. Aber die macht einiges von den Anforderungen etwas klarer.

Hängt doch auch von der Rechtsform und weiterer daraus resultierender Verträge ab, wie die steuerliche Belastung sein wird.

Wie aufwendig die Buchhaltung sein wird und welcher Anspruch an die Warenhaltung zu stellen ist.

Auch bauliche Vorschriften und Vorgaben wegen der Hygiene. Zu letzterem denke ich nicht nur an die Kontrolle ob die MitarbeiterInnen alle brav ihre Belehrung (früher Gesundheitszeugnis) haben. Welche Sachen müssen kontrolliert und dokumentiert werden? Das alles ist gar nicht einfach. Unter einen Hut zu bringen.

Erfordert auch entsprechende Investitionen. Eine Finanzierung bekommt man fast nur gegen Sicherheiten. Da stellt sich schon die Frage nach dem Eigenkapital.

Größe und Ausstattung, aber auch Erscheinungsbild ergeben sich aus den Anforderungen des Standortes. Dafür muss man entsprechend auch eine Markterkundung durchführen.

Wo kaufen die Leute vor Existenz der eigenen Gründung ein? Wie hoch ist die Bereitschaft zu wechseln? Wenn es eine Wechselbereitschaft gibt, dann fragt man sich natürlich warum würden die Leute wechseln?

Was kaufen die Leute dann und wie viel? Jetzt wäre man also mit Deiner Kalkulation auf dem Weg. Müsste Kosten und Einnahmen schätzen. Wenn ich Schätzung oder schätzen schreibe, dann ist das schon eine relativ genaue Berechnung auf der Grundlage von Fakten.

Der Spielraum für Fehler ist nicht sehr groß. Klar wenn der Bruttoverkaufspreis bei 0,59 Euro liegt. Verkauft man davon 100 oder 1.000 Stück in einem bestimmten Zeitraum?

Kassensysteme sind heute in der Regel Computer-Netzwerke. Die am Check (also der Kasse wo die KundInnen bezahlen) hohen Belastungen ausgesetzt sind. Wenn ich gesehen habe, wie oft bei einem Discounter die Waage getauscht werden musste, dann sind da schon einige Kosten.

Ob man dafür einen Wartungsvertrag bezahlt oder nicht. Unter dem Strich eine echte finanzielle Belastung. Wie der gesamte Ladenbau. Als Unterpunkt Licht - Daran will ich gar nicht denken.

Das alles und noch viel mehr muss man bei einer Gründung berücksichtigen. Bei einer Gründung, wo man sich entweder an den Tropf einer Kette begibt oder sie sich aber zu Konkurrenten macht.

Über 80% aller Gründungen gehen baden - In der Gründungsphase. Also innerhalb von drei oder fünf Jahren. 100 Gründungen, nach einem Jahr noch 60 am Markt. Dann 36, 22 und im fünften nur noch 18. Jedes Jahr 40% - Die an einer oder mehreren Aufgaben scheitern.

Die Probleme liegen in der Regel am Wissensdefizit. Klar, wieso bauen Ketten sich innerhalb kurzer Zeit viele Filialen auf oder gehen an den Gründungen kaputt? Richtige oder falsche Managemententscheidungen.

Wer auch immer gründen will braucht einen Businessplan. Und je größer das Investitionsvolumen ist, desto besser muss der in seinen Schätzungen auch sein.

Schlimm hierbei ist ja auch der Wertverlust der Investitionen. Die bekommt man ja im Falle einer Betriebsaufgabe nicht einmal im Ansatz rein. Erkundigt man sich nur, was der laufende Meter Regal kostet wird einem doch schnell schwindlig.

Und das Volumen wird mit Anschubkosten (natürlich auch von der Größe abhängig) in einem stattlichen sechs stelligen Bereich kommen. Bin kein Freund von Fremdkapital, obwohl das ja auch abgesichert werden muss...

Mit 20% Fremdkapitalquote dürfte auch da ein Ende der Fahnenstange erreicht sein und nur bei einer großen und qualitativ hochwertigen Gründung.

Vielen, vielen Dank. Das war eine Antwort die ich hören wollte.

0
@Kriegon

Hä? Ich schreibe doch auch keine "Gefälligkeitsgutachten"... Aber prima, dann viel Erfolg.

0

Mir ist bewusst, dass die frage nicht vollständig und informativ formuliert wurde. Ich möchte nur gerne wissen, welche Einzelheiten berücksichtigt werden müssen?

Das müsste man recherschieren.

Ähhhh????

1

Was möchtest Du wissen?