Meiden die Menschen aufgrund ihrer Gefühle, die Vorstellung einer menschlichen Unterart/"Rasse"?

Das Ergebnis basiert auf 6 Abstimmungen

Nein 83%
Ja 16%

10 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Der Begriff "Rasse" wurde etabliert zur Systematisierung von Umweltphänomenen, und zu allen Zeiten waren solche Systematisierungen hilfreiche Kulturleistungen. Das begann bei Einteilungskriterien wie essbare oder nicht essbare Pflanzen.

Auch beim Menschen führten die ältesten Systematisierungsstrategien zu Einteilungen in z.B. Mäner und Frauen oder (altersspezifisch) Säugling, Kleinkind, Kind, Jugendlicher, junger Erwachsener, Erwachsener, älterer Erwachsener und Greis. Bei fast allen Systematisierungen gibt es Übergangsbereiche, d.h. man findet Individuen, die nicht eindeutig der einen oder der anderen Kategorie zuzuordnen sind. Trotzdem ist das kein Grund die Kategorien abzuschaffen, weil die Vorteile der Systematisierung überwiegen. Das Ziel ist doch (philosophisch gesprochen) stets das "Gelingen einer handelnden Weltbewältigung".

Und gerade in unserer Welt hat sich herausgestellt, dass eine immer stärkere Spezifizierung im Regelfall Vorteile bringt. Bei Tieren ist so eine immer weiter vorangetriebene Systematisierung durch immer weiter verfeinerte Kriterien auch hoch anerkannt und gewürdigt. So kann man heute z.B. die Welt der Mücken immer besser erfassen, um daduch zu ganz spezifischen Abwehrstrategien bei der Bekämpfung von Übertragungswegen von pathogenen Mikroorganismen durch die einzelen Mückenspezies zu gelangen.

Wenn nun aber eine Systematisierung im Tierbereich fast immer Vorteile bringt, warum sollte man gerade im Humanbereich auf solche Strategien verzichten? Es hat sich herausgestellt, dass gerade das Auffinden von menschlichen Unterarten (Rassen) große Vorteile bei der Prophylaxe spezifischer Krankheiten bringt. So gibt es spezifische Nahrungsunverträglichkeiten bei bestimmten Menschentypen, auf die man dann mit den entsprechenden Strategien reagieren kann. Man fand große Unterschiede bei Reaktionen auf bestimmte Pharmaka, bei den Reaktionen auf bestimmte Belastungsphänome und vieles andere mehr.

Es ist also überhaupt nicht nicht einzusehen, dass man Menschen nicht in bestimmte Kategorien einteilen sollte, wenn man daraus hilfreiche Prognosen ableiten kann. So wird ja auch in der Familienforschung heute die Krebshäufigkeit abgefragt, um dadurch gegebenenfalls einzelnen Mitgliedern besondere Vorsorgestrategien zu empfehlen.

Nur weil in Deutschland in einer bestimmten Epoche der Rassenbegriff zur Abwertung bestimmter Bevölkerungsanteile missbraucht wurde, kann man doch nicht so ideologisch verblendet sein, dass man ein wissenschaftliches Verfahren deswegen zu eliminieren versucht. Daher habe ich auch festgestellt dass praktisch nur in Deutschland diese Hysterie gegen den Rassenbegriff existiert, was als starkes Argument zu werten wäre, dass wir da als Kollektiv schief liegen.

Gut wäre es also, dass der Terminus "Rasse" wieder neutral und wissenschaftlich sauber reetabliert würde. Keineswegs ist es sinnvoll, aus der Tatsache, dass es durch die extreme Mobilität der Menschen unserer Tage zu immer weiter gehenden Mischformen unter den Menschrassen kommt, zu schließen, dass der Rassenbegriff abzuschaffen wäre. Damit würde man zudem versuchen den Menschen ein Stück ihrer Identität wegzunehmen, was keineswegs sinnvoll ist.

"Es ist also überhaupt nicht einzusehen, dass man Menschen nicht in bestimmte Kategorien einteilen sollte, wenn man daraus hilfreiche Prognosen ableiten kann."

Das stimmt. Allerdings ist dazu der Begriff "Rasse" nicht nötig (zudem eher ungeeignet). Beim Menschen kann man Haplogruppen der Y-DNA und der mt-DNA (mitochondrialen DNA) unterscheiden. Diese sind jedoch zum einen geographisch weit verstreut, zum anderen treten in lokalen Volksgruppen diese verschiedenen Gruppen "gemischt" auf. Männer und Frauen werden getrennt betrachtet.

Man kann also Individuen kategorisieren (da gebe ich dir recht), man kann aber nicht Volksgruppen kategorisieren (zumindest nicht so trivial), da diese ja immer eine Zusammenstellung verschiedener Gruppen darstellen (also inhärent divers sind).

Da der allgemeine Sprachgebrauch von "Rasse" eine Kategorisierung von Volksgruppen meint, ist dieses Wort m.E. nach ungeeignet, zumal es ja schon bei den Genetikern passendere Begriffe gibt.

Meiner Erfahrung nach ist es für viele Menschen auch etwas zu schwierig, diese Zusammenhänge zu sehen - die meisten werden das missverstehen, was wir hier besprechen (klingt etwas pessimistisch, ist aber meine Erfahrung). Daher ist eine andere Wortwahl schon wichtig, um dies von der früheren Bedeutung des Wortes "Rasse" abzugrenzen.

Die meisten Menschen (auch gebildete) gehen davon aus, dass ein "Volk", das geographisch auf engem Raum lebt, eine genetische Einheitlichkeit aufweist. Genau das ist aber schon falsch.

 

2
Nein

Wie ich in schon unter der anderen Frage von heute zu menschlichen Rassen geschrieben habe, werden zwanghafte Rangbezeichnungen für Verwandtschaftsgruppen in der Biologie immer ungebräuchlicher. Das betrifft nicht nur den Menschen, und auch nicht nur Klassifizierungen unterhalb der Artebene.

Die wichtigen Aussagen eines phylogenetischen Baums stecken in der Anordnung der Verzweigungen, nicht in der Zuordnung von willkürlichen Bezeichnungen wie Unter- und Teilordnungen oder Überfamilien.

Genauso sprechen Studien über die Häufigkeit von Allelen in menschlichen Populationen für sich selbst. Wenn z.B. die Aborigines genetisch isoliert dastehen, ist das ein Ergebnis, auf dem weitere Forschungen aufbauen können, z.B. zu ihrer Herkunft, dem Zeitraum ihrer Einwanderung nach Australien und der Zahl der Einwanderungswellen. Sie als eigene Rasse, Unterart oder sonstwas zu etikettieren, bringt hingegen überhaupt keine neue Erkenntnis.

Welche Erkenntnis bringt die Wissenschaft denn, wenn sie einen Pudel als Rasse etikettieren kann?

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@Irgendjemand32

Die Festlegung von Rassestandards ist keine Sache der Wissenschaftler, sondern der Zuchtverbände und erfolgt dementsprechend willkürlich. Wenn man die Einteilung von Haustieren und -pflanzen auf wissenschaftlicher Basis anstrebt, nimmt man ihre tatsächliche Verwandtschaft zur Grundlage und erstellt damit einen phylogenetischen Baum. Ränge wie die Rasse verlieren hier wiederum ihre Bedeutung.

5
@DiegoderAeltere

Was jedoch nicht daran ändert, dass einige Menschen den Unterarten zugeordnet werden können, da alle nötigen Bedingungen dafür gegeben sind.

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@Irgendjemand32

Das bringt nur den Rassehundezüchtern was, nämlich Geld. Der Pudel ist von Menschen zurechtgezüchtet worden, nach von Züchtern und Vereinen aufgestellten Rassestandards. Der Züchter, dessen Hund auf Zuchtschauen am meisten diesen Rassestandards entspricht, kann für einen Deckakt sehr viel Geld bekommen und Welpen für nochmal so viel Geld verkaufen.

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@Irgendjemand32
Welche Erkenntnis bringt die Wissenschaft denn, wenn sie einen Pudel als Rasse etikettieren kann?

Tun sie nicht. Rasse ist kein Wissenschaftlicher Begriff. Der Wird nur von Tierzüchtern verwendet, die meinen eine bestimmte Zusammenstellung von Merkmalen wäre was, daß einen besonderen Namen verdient.

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Nein

Nein, es gibt dazu wissenschaftliche Gründe. Der Mensch hat seine Geschlechtschromosomen in der Kombi XX und XY (Abweichungen lassen wir jetzt mal weg). Der Mensch hat zudem Mitochondrien. Die väterliche Linie eines Sohnes kann über die Y-DNA-Haplogruppe verfolgt werden.

Die mt-DNA (mt = mitochondrial) wird über die Mutter weitergegeben. Dazu gibt es die mt-DNA-Haplogruppen.

Jetzt machen wir es mathematisch:
Seien Y1, Y2, Y3 drei Y-DNA-Gruppen und     M1, M2, M3 drei mt-DNA-Gruppen

In einer Ethnie A liegt eine "Linearkombination" verschiedener Gruppen vor (jetzt bei den Männern)

a1*Y1+a2*Y2+a3*Y3 (mit a1+a2+a3 = 1,0)

In einer Ethnie B

b1*Y1+b2*Y2+b3*Y3 (mit b1+b2+b3 = 1,0)

Für die Frauen analog (mit M1,M2,M3) und sechs anderen Koeffizienten. Die Ethnien unterscheiden sich nur in den verschiedenen Koeffizienten (Anteilen an verschiedenen Gruppen).

Jetzt nimmst du vier Leute (z.B. zwei Ehepaare) aus Ethnie A heraus, und die haben alle vier unterschiedliche Gruppen. (Ich habe in einem Kommentar unten ein Beispiel konkreter genannt.)

Der Begriff "Rasse" hilft dir hier nicht in der Kategorisierung. Du kannst nur die individuellen Menschen kategorisieren. Du kannst nicht mal davon ausgehen, dass Männer und Frauen derselben Ethnie eine ähnliche Herkunft (genetisch) haben.

Beispiel: man weiß, dass isländische Männer überwiegend skandinavische (z.B. norwegische) Abstammungslinien haben. Isländische Frauen haben jedoch zu 60% Linien, die nach Irland/Schottland/britische Inseln weisen.

Man kann kategorisieren, sollte das aber individuell tun. Für "Ethnien" hilft nur eine multivariate Datenanalyse. Sagt dir "Hauptkomponentenanalyse" (PCA) etwas?

Hat mit Linearkombinationen zu tun.

https://de.wikipedia.org/wiki/Hauptkomponentenanalyse

danke, jetzt weiss ich wieder, wie blöd ich bin.

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