Mehr Demokratie Wagen, CDU Kritik

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Der Ausspruch („Wir wollen mehr Demokratie wagen.“) ist in der Regierungserklärung vorhanden, die Willy Brandt am 28.10.1969 als Bundeskanzler vorgetragen hat. Er wirkte wie ein Fanfarenstoß zu einer politischen Offensive. In dem Motto war ein Demokratisierungsanspruch enthalten, der über die staatliche Ordnung einer parlamentarischen Demokratie (Volksvertreter als Repräsentanten) hinaus den demokratischen und sozialen Rechtsstaat gesellschaftspolitisch verankern wollte. Demokratie war nach dieser Auffassung nicht nur ein Zustand, sondern in ihr Demokratisierung als dynamischer Prozess nötig. Gedacht war an eine Stärkung von Selbstbestimmungsmöglichkeiten, eine Erweiterung der Mitspracherechte im Berufsleben und die Verringerung von Barrieren zwischen Staat und Gesellschaft/Volk. Demokratie war in diesem Konzept auch ein gesellschaftlicher Gestaltungsauftrag, der auf alle Lebensbereiche zielte. Dabei war nicht eine genaue und völlige Übertragung des politischen Modells überallhin gemeint, sondern ein Stück weit („mehr“). Dies konnte aber bei Konservativen die damals ja auch selbst weniger eine Aufbruchsstimmung mit Fortschrittsdenken und Zukunftsoptimismus teilten, Befürchtungen auf weitgehende Umwälzungen erwecken bzw. sich Gegenkräfte mit anderer Weltanschauung mit Argumenten besonders gegen sehr weitgehende Folgerungen richten, um ihren eigenen Angriffen Schwung zu verleihen.

Das Motto impliziert, bisher sei in erheblichem Umfang Demokratie noch vorhanden, sondern erst zu verwirklichen.

Konservative wollten den Demokratiebegriff auf den engen politischen Bereich beschränken, wo er mit dem Grundgesetz und ihm entsprechend gestalteten politischen Verhältnissen im Staat schon verwirklicht sei. Vor allem aus den Reihen der Studentenbewegung und der außerparlamentarischen Opposition (APO) waren Gedanken geäußert worden, die von Konservativen entschieden abgelehnt wurden und ihnen schrecklich erschienen. Konservative befürchteten eine radikale Verwendung der Formel im Sinn einer Abschaffung aller Herrschaftsverhältnisse (z. B. Vorgesetzte – Untergebene, Unternehmenseigentümer/-leitung – Arbeitnehmer) oder revolutionärer Neugestaltung. Sie sorgten sich um eine drohende Auflösung einer von ihnen befürworteten Ordnung in Wirtschaft, Gesellschaft und Familie.

Konservative traten dagegen ein, eine Unterscheidung zwischen Politischem und Nichtpolitischem, wie sie es sahen, völlig einzuebnen und mit Freiheitspathos Emanzipationsprozesse überall voranzutreiben. Nach ihrer Auffassung war eine Demokratisierung aller Lebensbereiche werde wünschenswert noch sinnvoll möglich. Eine natürliche Ungleichheit (z. B. Eltern - Kinder, Lehrer – Schüler) werde nicht beachtet.

In Büchern über diese Zeit stehen Erläuterungen, z. B.:

Arnulf Baring (in Zusammenarbeit mit Manfred Görtemaker), Machtwechsel : die Ära Brandt-Scheel. Stuttgart : Deutsche Verlags-Anstalt, 1982. ISBN 3-421-06095-9

danke sehr gute Antwort :)

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Demokratie funktioniert aber nicht in allen BEreichen gut: Bundeswehr? Was wäre wenn in jeder Firma die Arbeiter/Angestellten über die GEschäftspolitik bestimmen?

Es war weniger der Ausspruch der Anstoß erregt hat als seine Inkompetenz in Wirtschafts und Finanzfragen.

Bei einer Demokratie wählt das Volk ,und je mehr das Volk zu sagen hat um so weniger macht haben die Parteien.

klingt logisch ^^

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