Medizinrecht Fehldiagnose Chiropraktiker - Lohnt sich der Gang zum Anwalt überhaupt

3 Antworten

Für eine solche Behandlung wirst du kaum eine "Garantie" erwarten können. Das Geld für den Anwalt kannst du dir sparen.

Zur Beantwortung der Frage nach Schadenersatz steht das schuldhafte Handeln im Vordergrund, d.h, hätte der Chiropraktiker aufgrund seiner Ausbildung wissen müssen, dass er einen Fehler macht? Dazu ist nun wichtig zu wissen, welchem Beruf der Chiropraktiker nachgeht. Chiropraktiker ist nämlich weder ein eigenständiger Beruf noch eine geschützte Bezeichnung. Jeder darf sich so nennen, aber nur drei Berufsgruppen dürfen auch Patienten behandeln: Ärzte, Physiotherapeuten und Heilpraktiker.

  1. Wenn der betreffende Chiropraktiker Arzt ist, wird immer das zur Tätigkeit gehörende Facharztwissen zugrunde gelegt, in diesem Fall also das eines Orthopäden. Somit hätte der Arzt diverse orthopädische Leitlinien missachtet und könnte mit hoher Wahrscheinlichkeit erfolgreich auf Schmerzensgeld bzw. Schadenersatz verklagt werden.

  2. Wäre der betreffende Chiropraktiker Physiotherapeut, hätte er in erster Linie gegen das Heilpraktikergesetz verstoßen, da er ohne Arzt zu sein selbständig eine Diagnose gestellt und eine Therapie eingeleitet hat. Das wäre in erster Linie strafrechtlioch relevant, könnte bei einer Verurteilung aber auch zu einem Schmerzensgeldanspruch führen.

  3. Ist der Chiropraktiker dagegen Heilpraktiker, wird von ihm kein Fachwissen verlangt. Somit hast du in eine Behandlung durch einen medizinischen Laien eingewilligt und trägst dafür wohl selbst die Verantwortung. Die Gerichte haben in solchen Fällen den Geschädigten bislang nur selten ein Schmerzensgeld zugebilligt, und meist auch nur dann, wenn der Heilpraktiker gegen geltende Gesetze verstoßen hat.

Ich denke, diese Frage wird Dir nur ein medizinischer Sachverständiger beantworten können. Sicher gehört zu der Prognose mehr dazu, als Du hier geschrieben hast. Wenn auch ein medizinischer Sachverständiger zu dem Urteil kommt, dass Du falsch behandelt worden bist, dann könntest Du mit diesem Gutachten versuchen, Dein Geld zurückzubekommen. Nur eines solltest Du bedenken, das Gutachten wird Dich viel Geld kosten und einen Anwalt brauchst Du auch, der kostet möglicherweise auch Dein Geld, es sei denn Deine Rechtschutzversicherung übernimmt die Kosten. Wissen solltest Du auch, dass der Amtsrichter - auch wenn Du Recht bekommen solltest - immer versuchen wird, einen Vergleich herbeizuführen. Vielleicht sieht der Vergleich, den man Dir am Ende vorschlägt so aus, dass Du einen Teil Deiner Behandlungskosten wieder zurückbekommst. Dein Anteil an den Gerichtskosten und Deine Anwaltskosten eventuell Deine Rechtschutzversicherung übernimmt aber auf den Kosten des Gutachtens könntest Du vielleicht sitzenbleiben. Dann hast Du zwar gewonnen, aber immer noch drauf gezahlt. Leider ist es gängige Praxis, dass in den Zivilgerichtsprozessen selten ein Urteil gesprochen wird, sondern immer versucht wird, dass die Parteien sich vergleichen. Die Richter mögen nicht so gern Urteilsbegründungen schreiben, weil sie unter Umständen anfechtbar sein könnten. Das Risiko besteht bei einem Vergleich nicht. Und wenn Du dann am Ende einem Vergleich nicht zustimmst, sondern ein Urteil verlangst, ist der Richter schlecht auf Dich zu sprechen und das könnte sich auch negativ auf das dann erzwungene Urteil auswirken.

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