Medizinischer Notfall im Flieger

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11 Antworten

Hallo,

die FB sind in Erster - und Letzter Hilfe ausgebildet. Es gibt mindestens einen "First Aid Kit" an Bord (einen erweiterten Erste-Hilfe-Kasten), der den Flugbegleitern zur Verfügung steht, meistens sogar mehrere, abhängig von der Anzahl der Sitzplätze.

Und zur Unterstützung der Ärzte gibt es noch einen sog. "Doctor's Kit" an Bord, der nur durch einen Arzt geöffnet werden darf, weil er medizinische Instrumente enthält. Dies ist aber nur bei 82 % der europäischen Airlines der Fall.

Nach einer Umfrage der Lufthansa ist bei rund 70 % aller Flüge ein Arzt (egal, welcher Fachrichtung) an Bord. LH ermuntert Ärzte sogar, sich bei ihr registrieren zu lassen.

Sollte festgestellt werden, dass ein Passagier "sofort" eingehender ärztlicher Hilfe bedarf, wird auch der nächste Airport angeflogen, der eine gute Versorgung sicherstellen kann - und für das Flugzeug überhaupt geeignet ist. Die Hilfe hat also dann absoluten Vorrang.

Man muss aber auch sehen, dass es bei Langstreckenflügen unter Umständen nicht mehr reicht. Mitten über dem Südatlantik auf dem Weg nach Buenos Aires oder über dem Hindukusch bleiben keine oder nicht viele Auswahlmöglichkeiten.

Hier ein paar Daten (aus 5.040 Suchergebnissen habe ich nur eins ausgewählt):

"Rund 2.500 Menschen sterben in der Folge jedes Jahr während eines Fluges – in drei Vierteln der Fälle aufgrund eines akuten Herz-Kreislauf-Versagens. Rein statistisch bedeutet das einen Todesfall bei jährlich 40 Millionen Fluggästen – Tendenz steigend.

Zu medizinischen Zwischenfällen ohne Todesfolge kommt es weitaus öfter: Unterschiedliche Studien gehen inzwischen von acht bis 48 Zwischenfällen auf eine Million Flug-Passagiere aus.

Mangelhafte Dokumentation: Valide Daten über die Häufigkeit und Schwere von medizinischen Zwischenfällen gibt es jedoch nicht. Bei vielen Fluggesellschaften existiert keine entsprechende Dokumentationspflicht. So werden weltweit nur 17 Prozent der Notfälle erfasst.

Zu einem funktionellen medizinischen Zwischenfall hingegen – die Flugbegleiter leisteten Hilfe, ein Arzt wurde ausgerufen, eine langsame Besserung stellte sich ein – kam es bei einem von rund 5 000 Passagieren."

(Quelle: Deutsches Ärzteblatt - Notfallmedizin im Flugzeug: Erste Hilfe über den Wolken - Dtsch Arztebl 2005)

klar, bei ernsten Problemen wird man für medizinische Notfälle auch gucken, wo man schnellstmöglich landen kann. Aber gerade bei kurzen Flügen ist es oftmals sinnvoller, einfach planmäßig weiterzufliegen, und zu veranlassen, daß bei der Destination entsprechende Versorgung bereitgestellt ist. Ansonsten muß man ja erst klären, welcher Flughafen für den Flieger geeignet ist und sich dann dort anmelden, klären, ob man da landen kann und dann dorthin rettungskräfte beordern... Für die anderen Passagiere bedeutet das nur eine starke Verspätung und womöglich werden die Anschlußflüge verpaßt. Daher wird man schon abwägen, ob ein Notstop auf einem anderen Flughafen sinnvoll ist. Manchmal ist es auch gar nicht so gut, wenn der Pilot dann zu schnell zur Landung ansetzt. Der starke Druckunterschied kann auch schaden, wenn es ihm schon nicht gut geht. Dann lieber erst mal seinen Körper stabilisieren (mit Sauerstoff und irgendwelchen Notfallmedikamenten). Daß dies an Bord ist und daß die Kabinencrew geschult ist, entsprechend zu handeln, hat sich ja gezeigt. Ggf. fragt man auch einfach mal durch, ob zufällig ein Arzt an Bord ist. Und erstaunlicher Weise ist das tatsächlich fast immer der Fall.

Das Flugpersonal ist soweit ausgebildet, dass es die Erstversorgung durchführen kann. Wenn es erforderlich sein sollte, wird auch ein ungeplanter Zwischenstopp auf dem nächsten Flughafen eingelegt, damit der Patient so schnell wie möglich ind Krankenhaus kommt. Wenn das Flugzeug landet, steht bereits das Rettungsteam am Flughafen in Bereitschaft und kann sofort den Patienten übernehmen.

Die Flugrouten werden in der Regel so gewählt, dass innerhalb von einer Stunde ein Flughafen erreichbar ist.

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@gri1su

Ja klar. Deshalb sind im Atlantik auch jede Menge Flugzeugträger stationiert, auf denen sogar ein Airbus 380 landen könnte :-)

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@gri1su

Und man sollte schon lesen können: IN DER REGEL.......

Dass die eine Stunde nicht immer und überall eingehalten werden kann, sollte eigentlich auch Jedem klar sein.

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@gri1su

Auf der Nordatlantikroute kommt nur Kevlavik in Frage, sonst nichts. Sooo viele Inseln gibt es nicht in Atlantik und wenn, dann haben nicht alle einen Flughafen. Diese Problematik betrifft nicht nur die Atlantikrouten, sondern alle Flugrouten über dünn besiedeltem Gebiet (Pazifik, Indischer Ozean, Polarroute, usw.)

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Bei Flugzeugen in der Größenordnung, wie sie über dem Atlantik verkehren, ist in dem Großteil aller Fälle ein Arzt mit an Bord, zudem haben die Stewardessen auch medizinische Ausbildungen und können Erste Hilfe leisten.

Der Pilot wird, sollte es sich um eine beginnende Geburt oder ein schweren medizinischen Notfall handeln, auf dem nächstgelegenen Flughafen landen und dort auch einen Arzt ordern.

Eine Geburt im Flieger gab es einmal wirklich. In den 70er Jahren. Die Frau war glaube ich im 7.oder 8.monat. Sie flog von Belgrad nach Sydney und sie konnte es nicht mehr aushalten. Die Stewardess hat sie sofort auf einige leere Plätze in der Bussiness class gebracht und die haben ihr geholfen. So eine Situation kann man nur schwer vorher "üben"... Aber die Besatzung ist im Notfall für alles vorbereitet.

Die Wideroe-Airline hatte auch schon mal eine Geburt in der Luft, hierbei hat ein Pilot am Startflughafen kurzerhand alle Passagiere rausgeworfen, damit er die schwangere Frau ins über 120km entfernte Krankenhaus bringen konnte. Im Endanflug hat die Frau dann ihr Kind zu Welt gebracht, seit dem trägt das Flugzeug auch den Namen des Kindes :D

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Meine Geschichte ist aber vom jugoslawischen "JAT-Yugoslav Airlines". Das Kind heißt JATko :)

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In solchen Fällen sind die Flugbegleiter in Erster Hilfe ausgebildet... Statistisch ist in jedem Flug ein Arzt unter den Passagieren...

Für solche unwahrscheinlichen Fälle sind ein paar Dinge an Bord, die im Notfall helfen. Auf Langstreckenflügen sind die Flugzeuge auch so groß, dass sich mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Arzt oder medizinisches Fachpersonal unter den Passagieren befindet. Grund zur Sorge gibt es da also nicht. Auch eine Notlandung ist möglich, denn selbst bei USA-Flügen befindet sich das Flugzeug nicht all zu lange über dem Ozean, da in der Regel über den Norden geflogen wird und so über Grönland schon bald der Norden der USA oder Kanada erreicht wird.

Was die Fehlgeburt betrifft: Hochschwangere Frauen fliegen eher nicht durch die Gegend, schon gar nicht in die USA.

Notfälle passieren relativ selten - noch seltener im Flugzeug.

Die Stewardessen sind Ausgebildet für solche Notfälle und haben auch jedes Equipment mit an Bord. Im großen Notfall kann man Notlanden in 5-10 min indem der Pilot auf einer Notfallfrequenz Mayday ruft und erklärt was los ist, müssen alle anderen Flugzeuge warten und das Flugzeug kann landen.

Wenn so etwas passiert, muss man etwas tun.

Das sind Situationen, wo Menschen sich melden und handeln müssen.

Wenn akuter Handlungsbedarf herrscht, wird der nächste Flughafen angeflogen.

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