Mauerbau (Berichterstattung BRD / DDR)

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Die offizielle Darstellung in der DDR war folgende:

Bis zur Sicherung der Staatsgrenze kamen über die offene Grenze, insbesondere aus Westberlin, ständig Agenten und Provokateure westlicher Geheimdienste, Menschenschleuserorganisationen und Sabotagebanden mit dem Auftrag, den friedlichen Aufbau der DDR-Wirtschaft und den fortschreitenden Aufbau des Sozialismus zu stören, Sabotageakte zu unternehmen, staatsfeindliche Meinungen zu verbreiten, Arbeitskräfte abzuwerben usw. Dagegen musste die DDR sich wirksam wehren, und zwar indem sie die Staatsgrenze unter zuverlässige Kontrolle nahm, also ein unkontrolliertes Ein- und Ausreisen verhinderte. Das passierte, indem die Grenze mittels Mauer dicht gemacht wurde. Die Mauer hieß aber nicht Mauer, sondern entsprechend ihrer offiziellen Begründung, die auf die Abwehr westlicher Sabotage- und Störaktionen zielte, "antifaschistischer Schutzwall".

Das liest sich z.B. so:

"Diese Aktion traf die herrschenden Kreise der USA, der BRD und anderer NATO-Staaten völlig überraschend. Die aggressivsten Kräfte der BRD hatten schon eine 'Siegesparade' in der Straße Unter den Linden geplant, ähnlich denen, die nach den Eroberungsfeldzügen des faschistischen deutschen Imperialismus abgehalten worden waren. ... Die Maßnahmen am 13. August 1961 waren eine gemeinsame politische Aktion der Staaten des Warschauer Vertrages, die die aggressiven imperialistischen Kräfte in der BRD und anderen NATO-Staaten zügelte und den Frieden in Europa rettete." Geschichte der SED, Berlin 1978, S. 417 f.

Oder:

"Die imperialistische 'Politik der Stärke' gegenüber der DDR scheiterte endgültig am 13. August 1961. In Abstimmung mit der UdSSR und den anderen Partnern des Warschauer Vertrages wurde die bis dahin offene Grenze zu Westberlin unter zuverlässige Kontrolle genommen. Die Absicht der aggressiven NATO-Kräfte, die DDR zu überrollen, wurde durchkreuzt. Das war für den Imperialismus der BRD die schwerste Niederlage seit der Gründung der DDR.

Die Maßnahmen vom 13. August 1961 setzten der ökonomischen Ausplünderung der DDR durch den Imperialismus der BRD ein Ende. Damit wurde eine wichtige Voraussetzung für einen kontinuierlichen Aufschwung der Volkswirtschaft geschaffen. Die sozialistische Staats- und Gesellschaftsordnung der DDR konnte sich nun unter günstigeren Bedingungen entwickeln." Lehrbuch Geschichte, Berlin 1979, S. 163

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Sehr hilfreiche Antwort, Danke schön.

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@TwistIt

Sehr gute Darstellung! Aufgefallen ist uns bei einem Foto vom Brandenburger Tor am 13.08.61 schon frühzeitig, dass die Kampftruppen, die die Staatsgrenze der DDR gegen "westliche Provokateure" sichern sollten, die Waffen und den entschlossenen Blick nicht gen Westen, sondern gen Osten richteten.

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@Claud18

Das glaube ich wiederum nicht.

Auf allen Fotos, die ich kenne, die Kampfgruppen mit dem Brandenburger Tor im Hintergrund zeigen, sieht man die Quadriga von hinten. Da die aber auf dem Tor mit dem Gesicht nach Osten steht, schauen die Kämpfer logischerweise nach Westen.

Hier zum Beispiel:

http://www.weltum.de/weltum/galerien/bild.php?img_id=2648

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Versuche mal anfolgende Filme zu gelangen:

1) "Die Berliner Mauer von 1961"

2) aus dem Landesarchiv Berlin: "Die Berliner Mauer 1961-1989" Ausgewählt und erläutert von Jochen Theile und Volker Viergutz.

Der erste Film ist äußerst interessant, da er nur wenige Wochen und Monate nach dem Bau der Berliner Mauer gedreht wurde. Er spiegelt die westdeutsche bzw. westberliner Sichtweise wider.

Dann kann ich dir noch folgende CD empfehlen (gibt es vielleicht in der Bibliothek):Ralph Gerstenberg, Joachim Neumann, Günter Malchow: "Die Berliner Mauer. Dicht gemacht und aufgesprengt" Argon-verlag, ISBN: 978-3-86610-470-9. Das ist ein Feature zur Berliner Mauer, inszeniert mit Musik, O-Tönen von Zeitzeugen und vielen Sprechern; diese Dokumentation macht die Geschichte der deutschen Teilung sehr gut erlebbar.

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