Mathematik und Informatik

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4 Antworten

Hallo,

Kann man daher pauschal sagen, dass Informatik insgesamt anwendungsorientierter ist und Mathe größtenteils theoretisch geprägt ist ?

Ja, kann man so sagen. Allerdings sollte einem Klarwerden, dass "anwendungsorientierter" im Bezug auf Mathematik nicht sehr viel heißt. Auch ein Informatikstudium wird in sehr vielen Gebieten sehr weit in sehr trockene Theorie vorstoßen. Ja, die Mathematik mag das teilweise noch weiter treiben und in den meisten Gebieten der Informatik wird man wohl noch irgendwo im Hintergrund haben, mit welchem "realen" Problem das Ganze zu tun hat, dennoch sollte man nicht meinen, ein Informatikstudium bestehe nur aus Programmieren und dem Lösen praktischer Probleme.

Ich durfte in alle 3 erwähnten Studiengänge ein wenig reinschauen (Mathematik und Informatik jeweils die Anfängervorlesungen, in Physik bin ich an der Bachelorarbeit). Alle drei sind deutlich theoretischer als ich es mir vorgestellt habe, trotz gründlicher Vorbereitung.

Mir persönlich wäre die reine Mathematik zu sehr entkoppelt von der realen Welt, so faszinierend sie auch ist. Um an ihr Spaß zu haben, muss man schon sehr dazu veranlagt sein (was man in der Schule mMn nicht sicher sagen kann).

Die Informatik ist in vielen Fällen deutlich realitätsnäher. Sei es Softwareentwicklung, Kennenlernen der Grundlagen der Rechnerarchitektur oder was auch immer - vieles lässt sich direkt auf reale Probleme zurückführen. Aber auch hier gibt es viele viele sehr theoretische Teile - Ich durfte vor allem Zeug zu formalen Sprachen etc. lernen, Bekannte die Informatik studieren erzählen begeistert von allen möglichen Theorien zu Graphen und etlichen anderen Dingen. Zusätzlich bekommt man natürlich die Grundlagen der Mathematik auch mit.

Insgesamt würde ich deiner Einschätzung also zustimmen - Mathematik ist noch ein gutes Stück theoretischer und abgehobener - aber geh für den Moment davon aus, dass deine jetzige Vorstellung vom "Abgehobenheitsgrad" im Mathematikstudiengang eher auf Informatik zutrifft und Mathematik noch ein ganzes Stück weiter liegt ;)

mfg
Ennte

Danke, für die gute Antwort ! Ich denke, dass ich mich einfach nochmals in die entsprechenden Vorlesungen setzen sollte. War Mitte letzten Jahres schonmal in einer Informatik und Mathevorlesung. Da kam ich jeweils in Zweitsemester-Vorlesungen reingetorkelt und während man in der Mathe-Vorlesung, war glaub Lineare Algebra, irgendetwas mit verschiedenen Ebenen und mehreren Dimensionen, einfach mit einem "?!" dasaß, konnte man in der Informatikvorlesung (Automatentheorie) sogar noch einiges kapieren und grob verstehen, um was es eigentlich geht.

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Kenn nen Kumpel der Bioinformatik studiert, die Bioinformatik brauchen die Mathematik wohl besonders für viele Formate.... jpg, etc., alles was komprimiert wird. Da rechnet man dann e-Funktionen mit Matrizen aus etc... Gibt für diese Formate halt rechenvorschriften.

Im Mathematik machst du viel mit Beweisen und Zahlkörper usw.

Danke erstmal; das man in Mathe viel beweist ist mir wohl bewusst, aber das macht man ja auch in Informatik, zumindest am Anfang ?, da man ja dort auch viel mit den Grundlagen in Mathe zu tun hat. Interessieren würde mich, wie das in den höheren Semestern in Informatik, sowohl auch in Mathematik aussieht.

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@JNash

hmm dazu kann ich dir leider nichts sagen :-/ der Kollege hat grad erst sein 1. Semester hinter sich gebracht..

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Informatik ist im Grunde sowas wie angewandte Mathematik. Mein Matheprof. hat das irgendwann mal (natürlich etwas übertrieben) auf den Punkt gebracht: Gib einem Mathematiker ein Problem und er wird dir nach ein bisschen Überlegen sagen "Es existiert eine Lösung". Wie die Lösung dann aussieht und wie man sie technisch anwendet, das müssen sich dann die Informatiker und Ingenieure überlegen.

Danke ;-), diese Formulierung erinnert mich an nen guten Witz über Mathematiker, der mit einem Ingenieur und einem Physiker in einer Dachwohnung sitzt, dann aber das Haus von unten anfängt zu brennen. Vielleicht kennst du ihn ja.

Also ist Mathematik dahingehend eher theoretisch, während in Informatik dies nur gestreift wird (theoretische Informatik) und eben verstärkt auf die Praxis eingegangen wird.

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@JNash

Jup. Ist immer ein bisschen schwierig, die Studiengänge miteinander zu vergleichen. Im Grunde ist Mathe einfach sehr abstrakt und wirkt (im ersten Moment) realitätsfern. Informatik ist auch abstrakt, aber man kriegt "echte" Ergebnisse, mit denen man praktisch was anfangen kann.

Letztendlich ist die Mathematik die Grundlage für die Informatik. Im Mathestudium beschäftigt man sich mit abstrakten Objekten. In der Informatik überlegt man sich dann, wie man mit diesen abstrakten Objekten reale Probleme lösen kann.

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@HerrSchabernack

Ich würde das noch ein wenig relativieren:

In der Informatik überlegt man dann, wie man mit diesen abstrakten Objekten weniger abstrakte Probleme lösen kann, deren Lösungen dann irgendwann für reale Probleme verwendet werden können.

Auch ein Informatikstudium ist sehr theoretisch!

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Nun... ich habe bis jetzt noch nicht erlebt das Informatiker 11 dimensionale Würfel berechnen mussten. Von daher gehe ich davon aus das ein Mathestudium um einiges trockener ist.

Also im Sinne, dass man nicht wirklich weiß, für was man sowas brauchen sollte ?

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@JNash

So ziemlich. Nachdem mein Kumpel am Anfang des 2. Semesters den mehrdimensionalen Würfel bekommen hat, hat er noch gesagt 'Wer weiß wozu mans braucht?'. Nachdem sie 6-8 Wochen später bei der 11 Dimension des Würfels angelangt waren ohne das ein Ende in sicht war hat er das Studium geschmissen und ein anderes, 'Sinnvolleres' angefangen.

Mathematiker mögen 11 Dimensionale Würfel brauchen (für was auch immer) aber für Normalsterbliche und praktisch veranlagte Menschen ist das doch eine Spur zu viel des Guten.

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@Ismaiel

welcher Mathematiker beschäftigt sich mit 11 Dimensionalen Sachen? Können Mathematiker überhaupt soweit zählen :D?

Normalerweise gehts eher so: Eindimensional, 2-Dimensional, vllt noch 3-Dimensional, n-Dimensional. Ob n dann 11, 34 oder 3251914 ist, ist meistens egal (gut, für konkrete Anwendungsaufgaben vllt interessant... aber welcher Sadist lässt Studenten was mit 11 Dimensionen rechnen oO?)

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@Ennte

Nun es gibt einige Exemplare sadistischer Professoren. Nicht nur im mathematischen Bereich.

Aber Namen nennen werde ich hier nicht. ;)

Das kriegt man entweder früh genug mit oder erst so spät im Studium das man da sowieso irgendwie durch muss. Vor der Berwerbung mit den Studierenden reden wär natürlich auch ein guter Weg um herauszufinden auf was (oder besser auf wen) man sich da einlässt.

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@Ismaiel

Vieldimensionale Würfel haben sehr konkrete Anwendungen in der Informatik (ohne Spaß). Wenn du etwa im Data Mining große Mengen an Informationen bearbeitest, heißen die Datenstrukturen z. B. in SAP nicht zufällig "Infocubes", also Informationswürfel. Dann mal konkret auszurechnen, welche Konsequenzen eine Erhöhung der Dimensionszahlen hat, ist schon sehr sinnvoll - und sehr angewandt. Mag sein, dass das im Studium deines Kumpels um was anderes ging, aber als Beispiel für die "Praxisferne" der Mathematik taugt das überhaupt gar nicht. Im Gegenteil, da wird ja mit konkreten Zahlen gerechnet... pfui, wie angewandt!

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@FataMorgana2010

Ach ja - und konkret die Betrachtung von 11-dimensionalen Räumen ist auch für die Physik alles andere als beliebig - 11 Dimensionen ist ein Grenzfall für bestimmte Formen der Stringtheorie. Wahrscheinlich hat der Prof in irgendeinem Nebensatz das auch gesagt und dann die Aufgabe gestellt, das mal zu berechnen - nicht aus Sadismus, sondern um ein Gefühl für das Problem zu bekommen. Also wieder: Kein Fall für besondere Praxisferne der Mathematiker.

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@FataMorgana2010

Was gäbe es dann z.B. für einen Fall für die Praxisferne ? Würde mich allgemein interessieren. Ich will damit jetzt nicht erreichen, dass ich Mathematik als rein theoretisch abtun will.

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