Marxismus heute?!

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Im Grunde ist das die Frage, was ist denn das Klassenmodell von Marx! Ich versuche es ganz kurz.

Durch die im Grundgesetz festgelegt Garantie des Eigentums ergeben sich 2 Klassen von Menschen: Die einen, die Eigentum (gemeint ist Eigenum an Produktionsmitteln, das sind Kapital, Grund und Boden, Rohstoffe, Maschinen, Produktionsstätten....usw) haben und denen, dieses Eigentum nicht besitzen und arbeiten müssen, um ihre eingene Existenz zu bestreiten. Dabei erhalten und vermehren sie das Eigentum der Besitzenden für Lohn. Und sie erhalten dabei auch die bestehenden gesellschaftlichen Verhältnisse. Alle Zwischenverhältnisse lassen sich letztendlich darauf zurückführen. Es findet also nicht nur eine Ausbeutung der Armen und Arbeitslosen statt, sondern die ganze Ökonomie beruht auf diesem Verhältnis, das mit "Ausbeutung" gekennzeichnet wurde.

Was ist denn unter diesem angeblichen marxschen Klassenmodell zu verstehen? Moderne Soziologen konstruieren immerzu neue "Schichtenmodelle", die sie über die vorgefundene Gesellschaft stülpen, etwa nach dem Motto: 5% der Bevölkerung nenne ich untere Unterschicht, 10% nenne ich Unterschicht, 10% Oberschicht und 5% obere Oberschicht. Den Rest teile ich in obere, mittlere und untere Mittelschicht ein. Über die zu beschreibende Gesellschaft hat der Soziologe damit gar nichts ausgesagt mit seinen willkürlichen Schichtenbenennungen. Gelegentlich suchen sich solche wirren Grübler auch noch vergebliche Anleihen beim selbst erfundenen sog. "Klassenmodell" von Karl Marx.

Marx ergrübelte sich kein "Klassenmodell", um es über die Gesellschaft zu stülpen. Er analysierte stattdessen die kapitalistische Ökonomie. Dabei kam er schwerlich umhin, die vorgefundenen ökonomischen Subjekte und deren Handlungen zu beschreiben. Im Kapitalismus werden bekanntlich immerzu Waren produziert, also Gebrauchswerte zum Zwecke des Tausches. Das bewerkstelligen Leute, die ihre Arbeitskraft verkaufen an solche Leute, die über die Produktionsmittel verfügen. An diesen beiden Verhältnissen zu den Produktionsmitteln von Einkäufern und Verkäufern von Arbeitskraft hat sich bis heute nichts geändert. Den Kapitalismus ohne Arbeiter und Unternehmer zu beschreiben wäre so sinnlos wie die Beschreibung des Gottesgnadentums ohne Adel und Leibeigene, der antiken Ökonomie ohne Sklavenhalter und Sklaven oder das Wetter ohne Wolken.

Nun zur Frage, ob sich das Klassenmodell von Marx auf die heutige Gesellschaft in Deutschland beziehen lassen könnte? Die Frage ist so sinnlos wie die Frage, ob sich der Ritterstand auf das Mittelalter beziehen lassen könnte, oder ob sich der Regen auf das Wetter beziehen lassen könnte. Hier handelt es sich schließlich um Bezüge, die den Erkenntnis-Gegenständen immanent sind, und nicht als beliebiges „Erklärungsmodell“ an diese heran getragen werden, wie bei den soziologischen Schichtenmodellen. Bei diesen kruden geistigen Ergüssen kann man schon die makabre Frage stellen, ob sie dazu taugen, Leuten das Interesse am Studium des „Kapitals“ auszutreiben. Was kann man denn sonst damit anfangen?

Das Klassenmodell von Marx ist auf den Kapitalismus, also die heutige Gesellschaftsform bezogen.

Der einzige Unzerschied zu damals, als die Arbeiterklasse den größten Teil des Proletariats ausmachte, ist dass das Proletariat heute auch sehr gebildete Berufe wie Naturwissenschaftler, Ingenieure, Marketingfachleute - ja sogar Betriegsleiter und Manager umfasst - die auch die Wirtschaft und Gesellschaft ohne Kapital managen können.

http://www.youtube.com/watch?v=BrGHj0YANRY

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