Marx Zitat falsch?

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7 Antworten

ich sage, dass die Leute selbst Schuld sind und es keine Ausbeutung ist, wenn sie sich so ausnehmen lassen.

Und ich würde dir sofort zustimmen, wenn diese Leute eine Wahl hätten:

  • Gehe ich "ausbeutungs-frei" arbeiten?
  • Oder lasse ich mich lieber ausbeuten?

Sobald sie diese Entscheidung völlig frei treffen können, ist dein Argument: "Selbst Schuld!" absolut richtig. 

Bis dahin ist es jedoch die Ausnutzung von Zwängen ... und damit Ausbeutung.

kann ich doch nichts dafür, wennn die Putzfrauen nicht schon früher sich in der Schule angestrengt haben.

Warum ist aus dir eigentlich kein Nobel-Preis-Träger mit einem IQ von 150+ geworden? Deiner These nach bist du ja nur zu faul dafür.

Oder könnte es sein, dass nicht jeder Mensch zum Unternehmer, Manager, Nobel-Preis-Träger geboren ist. Könnte es sein, dass ihm einige Sachen schwerer als andere fallen?

Dieses Zitat von Marx ist nicht differenziert und falsch.

Das Zitat wird nicht "falsch", nur weil du es nicht verstehen möchtest/kannst. 

Marx setzt einfach voraus, dass 100% der erbrachten Leistung auch einen Gegenwert von 100%; und nicht einen Gegenwert von, sagen wir, 60% + Mehrwert, erzeugen. Und in seinem Gerechtigkeitsempfinden soll derjenige die Gegenwerte kassieren, der die Leistung erbracht hat.

Um nur ein Beispiel zu nennen, an dem man es besonders plastisch erkennen kann: Mark Zuckerberg, also der "Besitzer" von Facebook besitzt derzeit etwa 44,6 Mrd Dollar. Rechnet man das auf seine Arbeitszeit um und geht davon aus, dass dieser Mann 24 Stunden am Tag, 7 Tage in der Woche, 52 Wochen im Jahr ohne die geringste Pause (nicht mal zum Pinkeln oder Essen) gearbeitet hat, dann hat er 

pro Stunde etwa 27.000 Dollar verdient.

Das ist das durchschnittliche Dreiviertel-Jahresgehalt eines us-amerikanischen Arbeiters. 

Ist seine Arbeit wirklich so viel wert? Hat er wirklich PRO STUNDE so viele Werte geschaffen, wie jeder einzelne Durchschnitts-Amerikaner IN EINEM DREIVIERTEL JAHR?

Marx suchte eine Antwort auf diese Frage. Und er fand sie u. a. in diesem (verkürzten) Zitat: Nicht Zuckerberg hat das Geld mit eigener Hände Arbeit verdient; sondern andere haben (unfreiwillig) von ihrem Anteil an ihn abgeben müssen. Und das wiederum fand Marx bemerkenswert und falsch. Denn in einer gerechten Gesellschaft sollte jeder bekommen, was er erarbeitet; und nicht, was er anderen heimlich oder mit Druck respektive Erpressung aus der Tasche zieht.

(Zugegeben, Zuckerberg ist ein schwieriges Beispiel, weil Marx die Schaffung immaterieller Werte nicht wirklich berücksichtigt; und weil solche immateriellen Werte nicht wirklich gemessen werden können. Aber es ist ausgesprochen plakativ und leicht nachzuvollziehen. Du musst es also nur noch in den Materialismus befördern.)

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Bei Vollbeschäftigung wären die Leute selbst schuld dran, dass sie sich ausbeuten lassen, das kann schon sein, doch in solchern Zeiten leben wir nicht.

Warum hat nur diese verflixte Putzfrau sich in der Schule nicht genügend angestrent? die hiesige Schule ist nun nicht gerade der Ort, wo sich alle angesprochen fühlen, vom Wohlbefinden will ich erst garnicht reden. Dann wäre auch noch das Elternhaus zu bedenken, wo die Bedeutung der Schulbildung noch lang nicht herausgestrichen wird. Ja selbst wenn, beengende Wohnverhältnisse bei großer Kinderschar regt nun nicht gwerade zu dem eher unerfreulichen Lernen an.

Marx liegt natürlich richtig mit seiner Bewertung, schließlich hat er die Welt der Arbeit wissenschaftlich ergründet und bis jetzt haben sich verdammt viele bürgerliche Wissenschaftler abgestemapelt ihn zu wiederlegen, doch vergeblich, sie alle scheiterten. Mittlerweile versucht ess erst garnicht Irgendwer, sondern er wird meist mit einem Schweigen übergangen.

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Das Zitat ist ja nur ein Teil der Kapitalismusanalyse von Marx, die ein großartiges Beispiel für wissenschaftliches Arbeiten ist und von kaum einem Volks- oder Betriebswirtschaftler ernsthaft angezweifelt wird.

Übersetzt und langatmig ausgedrückt steht in dem zitierten Satz ja nur:

Jeder, der mit seiner Produktivkraft ein Produkt herstellt oder veredelnd bearbeitet, stattet das Ergebnis dieser Arbeit mit einem Mehrwert aus.
Diesen Mehrwert betrachtet Marx als das originäre Eigentum des Schaffenden, das ihm als Abhängigen ungefragt vorenthalten und nur zum Teil in Form von Entlohnung nach Abzug notwendiger Produktionskosten rückerstattet wird.
Der Rest des Mehrwerts wird dazu verwendet, durch Zinsen und Zinseszinsen eine messbare Menge materiellen Reichtums zu erzeugen.
Und da sich aber der gesamte Mehrwert aufgrund ursprünglich erbrachter und ebenso messbarer Arbeitszeit generiert, besteht ein direkter ursächlicher Zusammenhang zwischen ihr und auch dieser messbaren Menge zusätzlich gebildeten Reichtums, nicht nur dem ursprünglichen Mehrwert allein.
D.h. sämtliche Erträge, die aus diesem Teil des Mehrwerts gebildet werden, bleiben ebenfalls auch weiterhin Teil des Mehrwerts und damit ebenso Eigentum desjenigen, der den ursprünglichen Mehrwert geschaffen hat, da ihm (s.o.) dieser Teil ohne seine Zustimmung vorenthalten wird.

Ich für meinen Teil kann daran nichts Undifferenziertes oder Falsches finden.
Genauso funktioniert Kapitalismus.
Die Putzhilfe aus Deinem Beispiel wird dem Kunden von der Reinigungsfirma für 15,- €/Std in Rechnung gestellt, die Reinigungsfirma bezahlt davon 11,50 € an die Leiharbeitsfirma und sie selbst erhält 8,50 € pro Stunde.
Nach Abzug aller notwendigen Kosten verbleiben sowohl bei der Reinigungs- als auch bei der Leiharbeitsfirma Gewinne.
Die sind der Mehrwert, den diese Putzhilfe geschaffen hat.

Marx' Kapitalismuskritik muss zwar vor dem Hintergrund der Industrialisierung und der massenhaften Verelendung der Arbeiterschaft betrachtet werden, sie funktioniert aber auch bezogen auf den Dienstleistungssektor.

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Kommentar von dompfeifer
14.05.2016, 14:30

Einwand! Der geschaffene Wert incl. Mehrwert ist nicht  "das originäre Eigentum des Schaffenden", oder gar Objekt einer solchen "Betrachtung" durch Marx, sondern schlicht Eigentum des Einkäufers der Arbeitskraft (Produktionsmittelbesitzer).  

Die Eigentumsbildung ist als kulturelle Errungenschaft erst das Ergebnis der ökonomischen Ausbeutung (Mehrproduktbildung). Das Eigentum am Arbeitsprodukt unterstellt eine Produktion zum Zwecke des Warentausches. Bei einer Produktion zum Zwecke kollektiver Bedürfnisbefriedigung haben Eigentumsansprüche keine Grundlage.

Bei der heutigen Naturbeherrschung würden zur Befriedigung aller Bedürfnisse pro Individuum kaum 10 Wochenstunden eingesetzt. Die Eigentumsbildung (Produktionsmittel und Arbeitsprodukte) führt zum gewaltsamen Ausschluss vom überschäumenden kapitalistischen Reichtum, also zum Mangel an Lebensmitteln und zur Notwendigkeit des Verkaufs der Arbeitskraft. Dieser Gedankengang lässt in vielen Köpfen die Vision aufkommen, ohne staatliche Gewalt seien die Menschen von Natur aus dazu verurteilt, aus kollektiver Faulheit zu verhungern, geradeso als wäre nicht auch die Faulheit eine (spiegelbildliche) Errungenschaft des Kapitalismus. Das ist aber ein weiter führendes Thema.


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Der Satz bezieht sich hier auf die Natur des Mehrwertes, d.h. der Differenz zwischen dem Wert der produzierten Ware und dem Wert der dazu verausgabten Arbeitskraft, der sich im Lohn ausdrückt. Hier geht es um die Analyse des Kapitalismus und keinesfalls um irgendwelche Schuldzuweisungen. Die Ausbeutungsrate ist hier als ökonomisches Zahlenverhältnis zu verstehen. Wenn Du das wie hier in eine moralische Kategorie verwandelst, kann natürlich nur Unsinn heraus kommen:

Hier tust Du gerade so, als entspringe das praktische Erfordernis der Raumpflege mangelnder Schulbildung. Soll der Schmutz liegen bleiben, wenn sich alle Schüler anstrengen? 

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Kommentar von Pudelcolada
14.05.2016, 13:40

Oder so. Es lässt sich auch einfach auf den Punkt bringen, danke.

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"Und ich sage, dass die Leute selbst Schuld sind und es keine Ausbeutung ist."

Du moralisierst die Frage der Mehrwerterzeugung und -aneignung.
Ich empfehle, den Begriff "Ausbeutung", sofern er von Marx übernommen wird,
so unemotional, wie es irgend geht, zu verstehen und zu verwenden - etwa so, wie man von der Ausbeutung der Ressourcen eines Bergwerks spricht.

Wenn der Gegenwert der geleisteten Arbeit stets komplett ausbezahlt würde,
wäre die Akkumulation von Kapital, der Aufbau von Unternehmen, schlicht unmöglich.

Die Variante, dass der Wert der Arbeitsleistung nicht komplett bezahlt wird, aber dennoch keine Ausbeutung vorliegt, ist gegeben, wenn der Arbeiter gleichzeitig Unternehmer ist, also im ein-Mann-Betrieb oder in der Arbeiterkooperative, bei der die Arbeiter auch anteilige Eigentümer des Unternehmens sind.
Es gibt reformkapitalistische Mischformen, z. B., wenn Arbeiter zu Teil-Aktionären ihres Betriebes (gemacht) werden.

Solange es Privateigentum an den sog. "Produktionsmitteln" gibt, ist "Ausbeutung" - mit oder ohne Marx - unvermeidlich. Revolutionäre Experimente
in Richtung "Arbeiterselbstverwaltung" (Spanien 1936 ff./ Jugoslawien) können m. E. als gescheitert betrachtet werden.

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Kommentar von Pudelcolada
14.05.2016, 01:03

Naja, die spanischen Arbeiterräte hatten ja nun so gar keine Gelegenheit, ihre Wirtschaftlichkeit im Alltag zu beweisen.
Sie sind also weniger an sich selbst oder ihrer Untauglichkeit gescheitert, sondern an Gewehrkugeln.

Genossenschaftliche Betriebe sind nicht zwangsläufig zum Scheitern verurteilt, meine ich.

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Ich halte von Marx generell wenig. Man kann ja viel auf den Kapitalismus schimpfen, aber der Gesamtwohlstand ist heute überall in der Bevölkerung besser als er in jedem kommunistischen Land mal war. 

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Kommentar von TomasHobbes
13.05.2016, 21:18

Lang lebe der Kapitalismus. 

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Kommentar von vonHayek
13.05.2016, 21:19

Richtig. Marx war ein Ideologe.

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Kommentar von Pudelcolada
14.05.2016, 00:55

@ Shors 1985: Blöde Nachfrage: Hast Du was von Marx gelesen?

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Kommentar von Unsinkable2
14.05.2016, 01:20

... aber der Gesamtwohlstand ist heute überall in der Bevölkerung besser als er in jedem kommunistischen Land mal war.

Allzu weit bist du aus Deutschland aber noch nie herausgekommen, oder?!

Erkläre das mal der rund 1 Million offiziellen Obdachlosen (verschiedene Organisationen schätzen den tatsächlichen Stand auf irgendwas zwischen 2 und 5 Millionen) in den USA, die teilweise schon froh sind, wenn sie mal nicht zwei Tage am Stück hungern oder frieren müssen.

Und ich nehme an, nicht einmal du glaubst, dass die nur deshalb, weil du dir einen dritten Fernseher in die Wohnung stellst, ein satteres Gefühl im Bauch haben.

Aber vielleicht wirst du etwas anders darüber denken, wenn du eines Tages in Rente gehst, und dich - wie etwa 48% aller lohnabhängig Beschäftigten in Deutschland - bei der "Grundsicherung" wiederfindest, falls es sie dann noch gibt.

Am Ende stellst du vielleicht sogar noch fest, dass "satt & trocken schlafen" schon eine Errungenschaft ist, die sich auch mit Zweit-Auto und Fernurlaub nur sehr bedingt aufwiegen lässt...

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Ja, das ist falsch. 

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