Martin Luther Buch Wege des Glaubens Seite 148?

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3 Antworten

Luther selber schrieb:

Ich liebte den gerechten, die Sünder strafenden Gott nicht, im Gegenteil, ich hasste ihn sogar. Wenn ich auch als Mönch untadelig lebte, fühlte ich mich vor Gott doch als Sünder, und mein Gewissen quälte mich sehr. Ich wagte nicht zu hoffen, dass ich Gott durch meine Genugtuung versöhnen könnte. Und wenn ich mich auch nicht in Lästerung gegen Gott empörte, so murrte ich doch heim­lich gewaltig gegen ihn: Als ob es noch nicht genug wäre, dass die elenden und durch die Erbsünde ewig verlorenen Sünder durch das Gesetz der zehn Gebote mit jeder Art von Unglück beladen sind. Musste denn Gott auch noch durch das Evangelium Jammer auf Jammer häufen und uns auch durch das Evangelium seine Gerechtigkeit und seinen Zorn androhen? So wütete ich wild und mit ver­wirrtem Gewissen, jedoch klopfte ich rücksichtslos bei Paulus an dieser Stelle an; ich dürstete glühend zu wissen, was Paulus wolle.

Da erbarmte sich Gott meiner. Tag und Nacht war ich in tiefe Gedanken versunken, bis ich endlich den Zusammenhang der Worte beachtete: „Die Gerechtigkeit Gottes wird in ihm (im Evangelium) offenbart, wie geschrieben steht: Der Gerechte lebt aus dem Glauben.“

Da fing ich an, die Gerechtigkeit Gottes als die Gerechtigkeit zu verstehen, durch die der Gerechte als durch Gottes Geschenk lebt, nämlich durch den Glauben, und fing an zu begreifen, dass dies der Sinn sei:
durch das Evangelium wird die Gerechtigkeit Gottes offenbart, nämlich die passive, durch welche uns der barmherzige Gott durch den Glauben rechtfertigt, wie geschrieben steht: „Der Gerechte lebt aus dem Glauben“. Da fühlte ich mich wie ganz und gar neu geboren, und durch offene Tore trat ich in das Paradies selbst ein. Da zeigte mir die ganze Schrift ein völlig anderes Gesicht.

Hab ich mir mal abgespeichert, und eben noch ne Internet-Quelle erixquickt:

https://www.hamburgprojekt.de/content/31-oktober-reformationstag

Das sollte eigentlich deine Frage beantworten.

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Es ist nach Luthers Ansicht die Befreiung von der Last der Selbstbefreiung durch allerlei gute Werke und Zeremonien. Du brauchst also nach dieser Lehre nicht vielmehr tun als bloß zu glauben.

Dies steht im Gegensatz zu der damals im Mittelalter verbreiteten Meinung man müsse bestimmte Werke tun, wie Wachen, Fasten, Beten usw., um vor Gott gerecht da stehen zu können und dem Fegefeuer zu entgehen.

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Luther wäre an den Torturen seines Klosterlebens gestorben, wenn er dieses Rechtfertigungserlebniss nicht gehabt hätte. Er wurde nicht nur innerlich frei, sondern konnte sich auch von diesem Klosterleben befreien. Dadurch konnte er wenn auch anfangs ungewollt die Glocken der Reformation läuten.

Diese Befreiung machte ihn auch fähig 1525 Katharina von Bora zu heiraten, das war für die damalige Zeit eine ungeheure Provokation.

Von einem toten Mönch wie Br. Martinus hätte die Welt damals nichts gehabt.

Dieses Turmerlebnis von Martin Luther (isoliert nur als Rückzug auf das Innerliche der Person Luther) muß im Kontext (Zusammenhang) auf die Folgen der Reformation gesehen werden. Für die Gewissenfreiheit war das der Quantensprung des 16. Jahrhunderts.

LA

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