Marquise von O... - In welchen Szenen zeigt sich Kleists Charakter?

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2 Antworten

Alle Werke aller Autoren sind autobiographisch geprägt. Gerade deshalb kommt es nicht darauf an, das Autobographische jeweils zu ent-decken, sondern gerade darum, mit welchen Mitteln der Autor sein Leben (Unbewusstes einbegriffen) so gestaltet, dass das Ergebnis jeden ansprechen kann, ohne dass man sein Leben kennen muss.

Demnach finde ich diese Frage unsinnig, versuche aber trotzdem dir zu helfen.

Kleist war von der Idee des Selbstmordes wie besessen. In der Marquise von O... versucht der Graf,  indirekt Selbstmord zu begehen, indem er im Krieg sterben will.

achwiegutdass 01.12.2016, 21:24

Herzlichen Dank fürs Sternchen ! :)

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Da würde ich persönlich die Finger von lassen - gerade im LK solltet Ihr doch den Erzähler als vermittelnde Instanz zwischen Autor und Leser kennengelernt haben.


Sollte euer Lehrer / eure Lehrerin trotzdem auf einer Stellungnahme eurerseits beharren (was zeigen würde, dass er / sie nicht den Hauch einer Ahnung hat), würde ich das Problem ansprechen, darauf verweisen, dass Rückschlüsse eher (bzw.: wenn - dann) auf der Meta-Ebene zulässig sind (etwa: Themenwahl, Schreibstil usw.), dafür Beispiele bringen und vielleicht am Ende (und immer unter starkem Vorbehalt) auf konkrete Handlungsabschnitte der Marquise eingehen.

Gracestyen 01.12.2016, 20:21

Ich verstehe deine Einwände, aber soweit wir gelernt haben, und was ich auch definitiv nachvollziehen kann, sind Kleists Werke alle in gewisser Weise autobiografisch geprägt.

Deshalb meine Frage, inwiefern kann man Kleists Sprache und die Charaktere auf sein Leben beziehen?

Bitte keine Beleidigungen gegen meinen Tutor, einer der besten Menschen, die ich bis jetzt kennen lernen durfte :D

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JonathanTeatime 02.12.2016, 21:59
@Gracestyen

Okay, war unsachlich von mir. Dafür meine Entschuldigung - für die Formulierung, nicht für den Inhalt (!!!).

Das Problem ist die bei einer solchen Herangehensweise in der Regel entstehende Verkürzung. Eine solche Aufgabe sollte nicht gestellt werden, ohne die damit verbundenen Probleme zu thematisieren. Und ist man sich der Problematik erst einmal bewusst, wird es doch recht schwer, eine Antwort zu finden.

Im Endeffekt muss man Rückschlüsse auf das Seelenleben aus einem ästhetischen Werk ziehen - und platt formuliert: Mozart war nicht immer fröhlich, wenn er in Dur komponierte.

Einfacher wird es natürlich, wenn es Äußerungen der Autoren in Bezug auf biographische Einflüsse gibt - das sind ja quasi Lizenzen, die wahrscheinlich dazu führen, dass man Parallelen zwischen erschaffener und tatsächlicher Welt herzustellen versucht.

Die Aussage, dass alle Werke aller Autoren irgendwie biographisch geprägt sind, stimmt natürlich - eben irgendwie. Wie allen Theorien, die alles erklären, würde ich solchen Pauschalen in der Regel skeptisch begegnen.

Da lohnt sich eine Analyse dahingehend, welche unterschiedlichen Möglichkeiten der biographischen Prägung (bewusst und unbewusst!) es gibt, welche Indizien für welche Prägung sprechen und und und. Zunächst also sollte methodisch sauber garbeitet werden. Und dann das auf einen Autoren anwenden, ohne auch nur ansatzweise die notwendige Tiefe erreichen zu können (trotz LK!)... Das wird, denke ich, über weite Strecken spekulativ ausfallen müssen.

Ein weiterer Punkt ist, das einzelne Werke in der Regel punktuell sind und das ganze Leben eines Autoren als Vergleichgröße heranzuziehen vielleicht auch nicht zu rechtfertigen ist.

Naja, am Ende landet man halt bei jedem Kafka-Text beim Vaterkomplex. Und dann hat man den Salat.

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