man sagt ja immer schwarz-weiß Fernseher haben keine Auflösung stimmt das?

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3 Antworten

Theoretisch sind Röhrenbildschirme relativ unabhängig von einer Auflösung. Ein Farbgerät hat immerhin schon mal eine Lochmaske um die roten, grünen und blauen Leuchtschichten zu separieren. Die gibt theoretisch eine Auflösung vor, die aber auch unter- oder überabgetastet werden kann (letzteres mit dem Effekt von Unschärfe und Moiré). Ein Schwarzweißgerät hat nicht mal die Lochmaske. Der Strahl tastet Bildfläche, ob mit oder ohne Lochmaske, ja analog ab und kann daher nahezu beliebig feinfühlig die Leuchtschicht abtasten.

Allerdings hat auch die Phosphorschicht im Schwarzweißfernseher eine gewisse Körnung und der Elektronenstrahl kann auch nicht unendlich fein justiert werden. Dazu ist seine Fähigkeit, sich an Signaländerungen anzupassen, nur auf eine gewisse höchste Frequenz limitiert, also ein Tiefpass.

Lässt man die Ansteuerung mal außenvor und befähigt eine Schwarzweiß-Röhre jedes eingehende Signal beliebig hoher Auflösungen (Zeilenauflösung, Frequenz der Schwarz-Weiß-Wechsel) abzutasten, sind ihre Fähigkeiten da erreicht, wo Körnung der Phosphorschicht, Focussierung des Kathodenstrahls und Tiefpass-Grenzfrequenz des Kathodenstrahls erreicht sind und es dadurch unscharf wird.

Das Vermögen, Schwarz-Weiß-Wechsel trennscharf innerhalb einer ortskontinuierlich abgetasteten Zeile darzustellen bevor die Grenzfrequenz erreicht wird, ist sozusagen die Auflösung der Röhre, bemessen in Linien pro Zeile (Linien sind immer der Indikator für analoge Auflösung bevor der Tiefpass erbarmungslos zuschlägt, z.B. auch bei Videorekordern - in manchen technischen Daten von VHS-Rekordern liest man 240 Zeilen Auflösung, was aber falsch ist - hier wurde das englische Wort "Line" falsch übersetzt, mit Zeile statt Linie, VHS-Rekorder machen die volle PAL-Zeilenzahl, also 625 mit 576 aktiven, aber nur mit 240 Linien pro Zeile).

Die Anzahl der Zeilen ist ein ortsdiskreter Wert, da ja immer wieder in eine neue Zeile gesprungen werden muss. Die theoretische Limitierung liegt beim Auflösungsvermögen des Kathodenstrahls oder der Phosphor-Körnung bevor hier Linien ineinander verschwimmen.

Daher ist die Auflösung in Zeilen zumindest schon mal real bezifferbar nämlich ausgehend davon, was das Gerät an Zeilenanzahlen akzeptiert, da das Verfahren immer eine ortsdiskrete Abtastung ist. Innerhalb einer ortskontinuierlichen Zeile ist vermutlich der Tiefpass des Kathodenstrahls der limitierende Faktor, der eine Linien-Auflösung vorgibt.

Ausnahme sind Vektordarstellungen wie in Oszilloskopen oder der Spielekonsole Vectrex. Hier gibt es keine Zeilen durch die Ansteuerung und das Auflösungsvermögen wird durch die Phosphor-Körnung und (sofern nicht eh wie bei Oszilloskopen auf Dauer-Voll) die Trägheit des Kathodenstrahls limitiert. Hier käme mehr noch die Trägheit der Ablenkspulen zum Tragen. Aber mit Vektoransteuerung kann man keine Vollbilder bauen.

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volker79 08.10.2017, 10:25

Ergänzend noch die Parameter die bei einer Röhre wichtig sind: Bildwiederholrate (Vertikalfrequenz), Horizontalfrequenz und Videobandbreite.

Die Horizontalfrequenz errechnet aus der Bildwiederholrate mal die Anzahl der Zeilen plus einem Extra (meist pauschal auf 10% beziffert) für die Austastlücke in der der Elektronenstrahl wieder zurückfährt. Ein Computermonitor der 1024*768 mit 70 Hz darstellt, kommt auf 768*70*1,1 = 59136 Hz Horizontalfrequenz. Also ca. 60KHz. Wird dieser Bereich überschritten, ist die Ablenkspule zu träge oder kann im Extremfall sogar (die Spule selbst und/oder die vorgeschaltete Ablenkeinheit) durchbrennen (Spulen haben eine Hochpasscharakteristik und entwickeln bei hohen Frequenzen ein Kurzschlussverhalten).

Die Videobandbreite ist die Anzahl der Bildpunkte die man pro Zeile darstellen will mal die Anzahl der Zeilen mal die Bildwiederholrate plus 10% für die Austastlücke. Bei 1024x768 bei 70Hz sind das 1024*768*70*1,1=60555264 Hz, also etwa 60MHz. Die Videobandbreite gibt die Trägheit des Kathodenstrahls an, bevor er in den Tiefpass rennt und Helligkeitswechsel nicht mehr sauber zu trennen vermag. Ein Monitor mit 70Hz Bildwiederholrate, 60KHz Horizontalfrequenz aber unter 60MHz Videobandbreite kann die 1024*768/70Hz immer noch darstellen, vermag aber nicht mehr zwei einzelne Bildpunkte zu trennen, da der Strahl zu träge ist. Das ist das Verhalten was ich in der Antwort mit dem Tiefpass des Kathodenstrahls meinte. Es wird unscharf, da die analoge Zeilenauflösung zu gering ist. Geht man z.B. auf 60Hz runter, liegt man evtl. wieder innerhalb der Videobandbreite und es wird schärfer, flimmert aber mehr. Da der Verlauf einer Zeile ortskontinuierlich ist, kann man z.B. auch 2048*768/70Hz darstellen, also die Zeilenauflösung verdoppeln. Damit das aber auf der Scheibe richtig ankommt, bräuchte der Kathodenstrahl schon 120MHz Bandbreite. Bei einer Farbröhre wäre hierfür evtl. die Lochmaske zu grob und es käme zu Unschärfen und Moirés (zwei Helligkeitswechsel überlagern sich auf den gleichen Farbpixeln), bei Schwarz-Weiß ginge das sogar noch, wenn die Bandbreite mitmacht.

Die digitale Nutzauflösung bei PAL-Fernsehen wird übrigens auf 720x576 beziffert, egal ob 4:3 oder 16:9. Bei Computern rechnet man der Einfachheit halber in Quadratpixeln, also 4:3 und 1024x768 -> 1024/4*3=768. Bei Fernsehern hat man sich aufgrund der analogen Zeile darauf verständigt, die maximale Bandbreite eines PAL-Signals zu nehmen und diese so abzutasten, dass nichts verloren geht, aber auch so, dass man nicht zu viel aufzeichnet (wäre nur Platzverschwendung). Mehr als 720 Pixel pro Zeile bekäme die vorgesehene analoge Bandbreite nicht wiedergegeben, bevor es verwäscht. Die Pixel sind rechteckig, bei 4:3 also etwas breiter, bei 16:9 (Anamorph) sogar viel breiter als ein Quadrat. Bei der Wiedergabe auf einer Röhre wird das Ganze automatisch kompensiert indem der Elektronenstrahl in richtiger Geschwindigkeit läuft, bei Wiedergabe auf einem Flachbildschirm muss hochgerechnet werden auf 788 Pixel für 4:3 (der Bildausschnitt von 720 ist etwas breiter als 4:3 - der genaue 4:3-Ausschnitt ist 702 Pixel breit bzw. in der EDV-Welt wegen Teilbarkeit durch 8 für Kompression 704) bzw. 1048 (ebenfalls etwas breiter als 16:9) bei 16:9.

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volker79 08.10.2017, 16:30
@volker79

In dem Kommentar hat sich noch ein kleiner Fehler eingeschlichen, war scheinbar zu früh am Morgen um Kondensator und Spule auseinanderhalten zu können ;-) Die Ablenkspule wird, wie jede andere Spule, bei hohen Frequenzen kein Kurzschluss sondern hochohmig. Dennoch mit Nebeneffekten dass bei zu hohen Frequenzen Spule oder Ablenkeinheit durchbrennen können.

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Doch, haben sie.

Deine Aussage könnte sich auf zwei verschiedene Technologien beziehen, die aber beide nichts mit schwarz-weiß zu tun haben.

1. Röhrenmonitore. Diese haben nur eine vertikale Auflösung, nämlich die Zeilen, in denen sie das Bild darstellen. Das selbe gilt für sämtliche analog-elektrische Videosignale.

2. Klassisches analoges Kino. Ein Film hat keine Auflösung

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Thor1889 07.10.2017, 13:49

Ist die Körnung eines Films nicht quasi die Auflösung?

Vgl hier:

https://de.wikipedia.org/wiki/Aufl%C3%B6sung_(Fotografie)#Analoges_Aufl.C3.B6sungsverm.C3.B6gen

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Peppie85 07.10.2017, 14:24
@kindgottes92

jedenfalls nicht so einfach... denn im duschnitt ist der see nur einen meter tief, die kuh ist aber trotzdem ertrunken :-D

lg, Anna

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Wer ist hier "man"? Mir ist diese falsche Behauptung noch nie untergekommen.

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