Mama mit Borderline

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6 Antworten

Hallo, deine Frage klingt ein wenig wie ein Hilferuf. Du hast es satt! Und das ist vollkommen in Ordnung, wenn es so ist. In deiner Situation geht es meiner Ansicht nach nicht um moralische Werte wie z.B. Familienzusammenhalt und es geht schon gar nicht darum, dass du (als 15 Jährige) etwas tun musst, damit es deiner Mutter besser geht.
Normalerweise müsste sie für dich da sein - leider kann sie es nicht wegen ihrer Erkrankung - das bedeutet aber umgekehrt nicht, dass du deswegen für sie da sein musst. Denn das ist als 15 Jährige nicht deine Aufgabe. Das wäre schon für einen erwachsenen Lebenspartner eine große Aufgabe. Du brauchst dir deswegen also überhaupt keine Gedanken zu machen, dass du dich evtl. schuldig machst oder etwas in dieser Richtung. Du kannst nur nach deinem Bauchgefühl handeln.

Du erzählst, dass sie immer seltsamer wird, es kann sein, dass sie dich nicht mehr richtig wahrnimmt. Das "Seltsame" kann evtl. an Nebenwirkungen von Medikamenten liegen, die ihren wachen Verstand beeinträchtigen. Manche Medikamente verändern genau wie Alkohol auf Dauer die Persönlichkeit. Aber warum sie so ist, das ist glaube ich nicht das Thema. Es kommt mir so vor, als ob du in einer Art Falle sitzt, aus der es kein Entrinnen zu geben scheint. Ich kenne die Situation von vielen anderen "Kindern" von einem BL-Elternteil.

Aus deiner Erzählung entnehme ich, dass es früher einmal eine sehr schöne Zeit gab, wo sie dir sehr viel bedeutet hat. Das ist die positive Seite von BL-Müttern, dass sie sehr liebevoll in vielen Dingen sein können. Was sie jedoch auch mit ihrem Kind oftmals tun, ist es in eine langanhaltende Symbiose zu verwickeln, die nicht mehr gut für das Kind ist, das inzwischen ein Alter hat, wo die Mutter eher die Selbständigkeit im Denken und Handeln unterstützen sollte. Anstattdessen wird das Kind von der Mutter vereinnahmt. Es kann die normalen Ablösungsschritte nicht so gut vollziehen, wie es aber wichtig ist, um eine Selbststeuerung im Leben zu entwickeln. Dadurch, dass du vermutlich in deiner Situation keine natürliche Abgrenzung zu deiner Mutter entwickeln konntest und dich auch vor dem Schock schon in einer Rolle vermutlich gesehen hast für sie da sein zu müssen, bist du praktisch über die Jahre in eine Verantwortung gekommen, die eine klare Überforderung für dein Alter dargestellt hat. Das "Problem" ist jetzt, dass deine Psyche gelernt hat, du musst für deine Mutter da sein, weil sie sonst sterben könnte. Einst war es für dich selbst lebenswichtig, ihr zu helfen, weil du vermutlich eine unbewusste Angst hattest, wenn du ihr nicht hilfst und sie stirbt, dann musst du auch sterben. Als Kind denkt man noch so. Dieses Beziehungsmuster ist es jetzt, was dir bei deinem - völlig nachvollziehbaren Wunsch nach Befreiung von ihr - im Weg steht. Das heißt, es wird in dir arbeiten, wenn du eine radikale Befreiung durchziehen würdest. Du würdest es nicht aushalten und es würde dich erst recht beschäftigen, wie es ihr geht. Deswegen würde ich dir empfehlen, den Kontakt aufrechtzuerhalten, aber die Abstände so groß zu halten, dass es dich nicht zu sehr beeinträchtigt. Es kann gut sein, dass sie sich an größere Abstände auch gewöhnt und es ihr noch nicht einmal schlecht damit gehen muss. Und nur eine allgemeine Info: Psychisch Kranke Menschen brauchen sehr stark gefestigte Ansprechpartner, d.h. wenn es dich schon innerlich so mitnimmt wäre - jetzt nur mal kurz aus Ihrer Perspektive - es für sie nicht hilfreich. Es ist gut, dass sie in der akuten Phase, in der sie gerade zu sein scheint sich auf professionelle Menschen wie Ärzte, Psychologen stützen kann. Liebe Grüße, Anova121

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Kommentar von isabelle86
30.08.2012, 21:01

ich finde deinen komentar ganz ganz toll sehr sachlich und gut verständlich, aber er macht mir auch eine schweine angst! ich bin selbst borderlinerin und mutter eines 4 jährigen sohnes und versuche krampfhaft (bin erst nach der geburt erkrankt) für ihn ein normaler mensch zu sein und ihn vor meinem zweiten ich zu schützen. ich weis nicht ob es mir immer gelingt. habe ihn vorsorglich mal vom kinderpsychiologen durchchecken lassen, der sagt alles ok, aber ehrlich gesagt -ich hoffe ihr versteht die bedeutung-wünschte ich mir eher erkrankt zu sein so dass ich mich gegen ein kind entscheiden hätte können. aus dem grund ein kind vor solch einer belastung eine bordi-mutter zu haben zu schützen!!!! mein sohn liebt mich abgöttig und ist durch mich keiner gefahr oder einer schlechten kindheit ausgesetzt doch er muss mich häufig weinen sehen und ich kann ihm nicht erklären warum, dann sagt er immer " mama-ich kümmere mich um dich und beschütze dich" mir hilft es dann aber ihm schadet es....ein trauriger teufelskreis a

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Es gibt für Angehörige psychisch Erkrankter Selbsthilfegruppen. Die findet man in gewisser Weise online, wie mit dem Link von mokamoka, oder aber auch ganz real. Jede schwere Erkrankung, ob physisch oder psychisch, ist für die Angehörigen sehr schwer und sie haben genauso ein Recht auf Hilfe. Und diese Hilfe bekommt man sehr gut in der Gemeinschaft einer Selbsthilfegruppe. Du bist nicht allein mit deinen Gedanken und Sorgen. Es gibt viele Angehörige und sie alle teilen in gewisser Weise dein Leid.

Wie sieht es denn mit dem Rest der Familie aus? Kannst du mit denen reden?

Ob du den Kontakt gänzlich abbrichst musst du letztendlich selber entscheiden. Aber du musst deine Gedanken bis zur Entscheidung nicht allein denken. Ich könnte es verstehen, ich kann mir aber auch vorstellen, was das für deine Mutter bedeutet. Wichtig sind hierbei glaube ich 2 Aspekte:

  1. Es ist wichtig, dass du dich und deine Psyche schützt. Wenn dich der Kontakt sehr stark belastet, dann kann ein Rückzug das einzig Sinnvolle sein.
  2. Kontaktabbruch heißt ja nicht, "nie wieder Kontakt haben". Das kann auch ein Rückzug und Distanzieren auf Zeit sein mit einem erneuten Annährend und Kennenlernen zu einem späteren Zeitpunkt

Ich möchte dich wirklich bitten: hol dir Hilfe. Sei es online in einem Forum, sei es in einer Selbsthilfegruppe, sei es von mir aus auch in einer religiösen Gemeinschaft (wenn du gläubig sein solltest), sei es in der Familie, beim Sozialpsychiatrischen Dienst deiner Stadt... REDE! Du musst deine Gedanken nicht mit dir allein rumtragen. Wir sind soziale Wesen und es ist wichtig für die Psyche im Austausch mit anderen zu stehen. Du wirst sehen, wenn du Erfahrungen und Meinungen anderer Angehöriger gehört hast, wird es dir besser gehen, weil du merkst, dass du nicht allein bist und dass es da draußen viele Menschen gibt, die dich verstehen.

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Ich weiß dazu nicht wirklich einen Rat. Das musst du mit dir und deinem Gewissen ausmachen. Ich kann nur erzählen dass meine ältere Schwester auch schwer psychisch krank ist und dass ich den Kontakt mit ihr total abgebrochen habe, da ich in ihrer Gegenwart um mein Leben fürchten musste. Manchmal wenn ich an sie denke ist es immer noch hart, weil ich denke, ich hab sie im Stich gelassen.

Nun ist es mit einer Mutter sicher noch vielfach schlimmer. Du wirst dich also entscheiden müssen. Guck doch mal hier, ob du da Antworten und Hilfe für dich findest: http://www.borderline-angehoerige.net/

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Kommentar von Nachtflug
29.08.2012, 22:01

Kontakt mit betroffenen Angehörigen aufzunehmen, ist eine gute Idee. Da kann man viel erfahren und sich austauschen. Ein sehr hilfreicher Link.

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Borderline ist eine Erkrankung, die kaum jemand verstehen kann. Der psychisch Kranke versteht sich ja selbst nicht. Eine Therapie ist auch für Psychologen schwierig und dauert sehr lange.

Du bist erst 15, aber Du machst Dir Gedanken. Vielleicht kannst Du versuchen, ein Gespräch mit dem behandlelnden Psychologen zu führen, damit er Dir halbwegs erklärt, was in Deiner Mutter vorgeht und wie Du damit umgehen sollst?

Lasse Dir doch eine Überweisung von Deinem Hausarzt geben, weil Du selbst psychische Probleme dadurch bekommst. Ein Versuch wäre es wert. Denn man darf Dich nicht mit Deinen Sorgen und Ängsten hängen lassen.

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Wow das ist schlimm

aber ich würde sie trotzdem so oft wie möglich besuchen und ihr beistehen. Stell dir vor sie stirbt wirklich und du hast sie davor lange nicht mehr besucht und würdest nicht mehr an sie gedacht haben. Du würdest dich schuldig fühlen...

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Du kannst eine Selbsthilfegruppe für Angehörige besuchen und dort wirst Du sehr viel lernen können, denn Du bist nicht allein!

Z. B. :

http://www.borderline-netzwerk.info/angehoerige.htm

Du versuchst Dich selbst vor Schmerzen zu schützen.

Das kann ich auch sehr nach vollziehen!

Doch dadurch, dass Du Dich jetzt von Deiner Mutter entfernst,...... kann es sein, ,...... dass Du Dir später Schuldgefühle machst und diese werden Dich mit Sicherheit auch sehr belasten!

In solchen Angehörigengruppen ist schon sehr vielen geholfen worden!

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