Mag mir jemand wahrlich depressive Musikstücke nennen?

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15 Antworten

Obzwar ich das, was Du kraftlos, träg oder gefühllos, gleichsam acediös nennst, in der Musik nicht zu finden vermag, da denn der Hingang zur Musik immerwie Bewegung ist - d.h. eine Schwermut zwar, die ohne ihre irdische Süße nicht mehr zu leiden imstande wäre und deren Bestreben es nicht ist, tot zu sein, sondern Ruinen atmen zu können - verstehe ich jedoch, wie andere wohl, wonach Du auf der Suche bist.

Es sei dennoch gesagt, dass, was dem Betrübtsein dadurch keinen Ablass zu bereiten wagt, indem es genossen wird, weder zu leben aufhören möchte noch zu sterben - liegt in ihr (der Melancholie) doch schließlich ihre Verborgenheiten zu behüten, ist sie in der Erde die, welche nach den Göttern gräbt. Wie von Unschuld wir nicht jene heißen, die sie beteuern, sondern die es nicht verstehen zu trösten, ist, der sich suhlt und weidet schließlich noch Lebensgeist genug, sich eines gewissen Erhaltes halber bedauern zu müssen - wäre das Melacholische also kraftlos, wäre fernerhin alles, was uns demütige Werke ausstrahlen, in ein spur- und regloses Nichts, ja in ein Ungeborenes übergegangen.

Ähnlich einem Vorredner nun, empfehle ich zuvörderst das Adagio aus Khachaturians Ballett Gayaneh

wie auch Bartóks 85 Stücke umfassendes Kinderalbum (Gyermekeknek), welches die Pianistin Etelka Freund hier so herrlich kompilierte

weiters nenne ich Anatolij Liadovs Opus 11 No. 1

Aram Khachaturians Bilder der Kindheit/Kinderalben No. I & II

Rachmaninovs Opus 23 No. 1

den Master Song des kürzlich verschiedenen Liedermacher-Lyrikers Leonard Cohen



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Kommentar von earnest
25.11.2016, 18:34

Obzwar ich das, was du schreibst, zweifelsohne nicht alles verstehe, finde ich deine Musikauswahl nichtsdestotrotz überzeugend.

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Kommentar von Irgendjemand32
27.11.2016, 05:02

Nun, dies ist ja das faszinierende an der Musik. Nur ein einzelner Ton, welcher für sich ganz und gar alleine sei, wäre ohne jegliche nennenswerte Affektion. Erst durch das hinzufügen weiterer Noten kommt ein Ergebnis Zustande, welches (wie du es schon ganz recht beschrieben hast) apodiktisch ein Gefühl (Bewegung) vermittelt. Gerade deswegen spreche ich hier ganz bewusst von einem unüblichen Phänomen der Musik, da dieses schon antikosmisch scheint.

Z.E meine ich Stücke, welche bewusst von Dissonanzen geprägt sind, und nicht nur, um bloß als „akzeptierter Fehler“ einer wieder gut gebrachten Ordnung zu gelten. Dabei meine ich auch nicht die zahlreichen kleingeistigen Werke des Impressionismus. Sondern z.B das Ende des zweiten Satzes, von Beethovens siebter Sonate. Genau hier lässt sich dieses Empfinden, welches dem asketischem am nächsten kommen könnte, wiederfinden.

So befürwortete schon Goethe den Freitod, wie auch Henry Purcells „Cold Song“ die Sehnsucht des kalten Todes verlangt. Ja, sogar das Nichtsein dieser Welt wird von einem gewissen Schopenhauer bevorzugt.

Jedoch danke ich dir nahezu gleichermaßen für deine musikalischen Empfehlungen und philosophischen Anregungen.  

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http://nordicwannabe.com/2015/03/titelsong-musik-die-bruecke-choir-of-young-believers-hollow-talk

Die Titelmusik von „Die Brücke – Transit in den Tod“ stammt vom Choir Of Young Believers und heisst „Hollow Talk“. Hierbei handelt es sich um ein Projekt des dänischen Gitarristen, Songwriters und Sängers  Jannis Noya Makrigiannis. Seine Band besteht aus wechselnden Musikern, die er sich jeweils zusammensucht. Hauptsächlich besteht der Choir Of Young Believers also aus Makrigiannis selbst. Das Kollektiv um den umtriebigen Frontmann hat in Dänemark bereits mehrere Nummer 1-Hits gelandet und machte sich in der Vergangenheit vor allem mit Folk-Melodien, gepaart mit polyphonen Gesängen und Orchestersounds einen Namen. So eben auch mit der Single „Hollow Talk“, die es nach der Nutzung in der Serie wohl zu europaweiter Bekanntheit geschafft hat .

Hier bei uns könnt ihr euch den Song jetzt natürlich kostenlos anhören.

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Möchtest du nur Hinweise auf sogenannte Klassik? Für welche Musikrichtung interessierst du dich? Manche mögen

Volksmusik
Schlager aus den 50ger/60ger/70ger ...
Hardrock
Hip-Hop und Rap
Techno
mittelalterliche Musik
klassische Musik
Weltmusik
‎Heavy Metal · ‎Death Metal · ‎Thrash Metal · ‎Black Metal
Folkmusik ...

Stücke, die tief und langsam gespielt werden, Momente der Stille und der Leere ausdrücken und in denen Momente der Hoffnung unbeantwortet bleiben, gibt es in vielen Musikrichtungen.

Mein Mann liebt G. Mahler. Ich mag viele Chansons und Lieder von Leonard Cohen, der leider vor kurzem verstorben ist.

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Kommentar von Irgendjemand32
23.11.2016, 06:02

Tatsächlich respektiere und höre ich nahezu jedes Genre (sogar Hip-Hop). Depressiver Schlager scheint mir jedoch zu obskur... 

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Bei Dmitri Dmitrijewitsch Schostakowitsch solltest du auch fündig werden. Nachfolgend mal als ein Paradebeispiel der 1. Satz/Adagio/Der Palastplatz aus seiner Sinfonie Nr. 11/Das Jahr 1905:

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Das finsterste Pop Projekt das mir meiner Meinung nach untergekommen ist, ist Anke Hachfelds "Milu" Projekt. Hier nur ein Song. Hingegen sind weite Teile des Dark Wave und des erweiterten Gothic Bereichs - heute gerne mit Elementen aus dem Black Metal angereichert wie z.B. Anna von Hausswolff Da fehlt aber m.E. häufig die totale Ausweglosigkeit, es ist zwar düster, manchmal schaurig, aber doch auch erhebend - auch wenn die Songs finstere Inhalte und Titel haben wie "Funeral for my future children" Diese Musik holt einen in finsteren Momenten ab und stabilisiert die Stimmung eher - dazu würde ich auch etwa Deine Lakaien wie auch Dead Can Dance zählen und viele andere.

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Da kann ich dir das Cellokonzert Nr. 1, Es-Dur, Op. 107 von Dmitri Dmitrijewitsch Schostakowitsch sehr empfehlen. Wenn dir der 1. und 3. Satz zu schnell sind - da du es ja langsam haben möchtest - möchte ich an dieser Stelle das Augenmerk auf den 2. Satz (Moderato) legen, der mir deiner Erwartung entsprechend erscheint. Gerade die Passage mit dem Flageolett des Cellos und den Leierkasten-Klängen dazu finde ich sehr passend.

Das ist die - meiner Meinung nach - beste Aufnahme...

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Interessante Frage. Depressive Musik - das nimmt natürlich jeder recht unterschiedlich wahr - kommt auch auf die Tagesform an und hängt auch davon ab, was man mit dem jeweiligen Stück verbindet. Für mich haben z.B. einige Songs von Nirvana durchaus suizidales Potential - insbesondere die Live-Scheibe "From the Muddy Banks.." Manchmal geht's mir aber auch bei meinen eigenen Klavierimprovisationen recht schlecht. :-)

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Kommentar von Hegemon
24.11.2016, 01:05

Ansonsten können mir ganz gut auf 's Gemüt schlagen:

Schostakowitsch 7. Sinfonie https://www.youtube.com/watch?v=KnwasHk94Os

Kathleen Ferrier, Du bist die Ruh https://www.youtube.com/watch?v=f\_IS6sg\_0Nw

Mendelssohn-Barth., Streichq. Nr. 6, 2. Satz https://www.youtube.com/watch?v=7sXVDm2DLjU

Schuman, Abschied (Waldszenen) https://www.youtube.com/watch?v=\_N4w-GANf7c

Bruckner, 7. Adagio https://www.youtube.com/watch?v=yjJprIS4zQE

Mahler 5. Adagietto https://www.youtube.com/watch?v=P8LZ43LA2nY

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Ich weiß ja nicht ob das was für Dich ist, aber hör Dir doch mal ein paar Sachen von Bohren & der Club of Gore an.

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Kommentar von Irgendjemand32
23.11.2016, 06:12

Ja, diese Musik kenne ich bereits, und ich höre sie liebend gern.

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Höre leonard cohan, alt aber immer noch wunderschön schwermütig bis zum herzstillstand. 

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Kommentar von earnest
23.11.2016, 09:02

-Leonard Cohen

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Hallo,

Aram Khatchaturians Adagio aus der Suite Gayane, das Stanley Kubrick für 2001 verwendet hat.

Viel depressiver geht's nicht mehr.  

Herzliche Grüße,

Willy

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Dies vielleicht?
Das Adagio von Albinoni

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Kommentar von earnest
23.11.2016, 10:24

Diese traurigen Stücke sind so schön, dass es traurig wäre, sie nicht zu hören.

Das trifft auch auf diesen Ohrwurm zu.

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Hallo irgendjemand32,

ich empfehle dir Salvia Palth (das war ein neuseeländisches lo-fi Projekt, benannt Sylvia Plath), vor allem das Lied "I was all over her". Du findest es auf Youtube und bandcamp.

Liebe Grüße,

Ella

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Das hier ist für mich so ein Stück:

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Kommentar von earnest
23.11.2016, 09:01

Aber schön...

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Kommentar von latricolore
23.11.2016, 10:09

Sehr schön!

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Da möchte ich dir gleich eine ganze Oper anbieten - Purcell: Dido und Aeneas.

Viel depressiver geht's wohl nicht. Aber viel schöner auch nicht. Das ist Schmerz, in den man sich so richtig reinsetzen kann. Über eine Stunde lang. 

Danach geht's einem sicher wieder besser.

Gruß, earnest

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Kommentar von earnest
25.11.2016, 20:29

Ich bin im Nachhinein nicht so recht glücklich mit dem Wort "depressiv"; ich würde in einer Reihe von Fällen zum Beispiel "traurig" oder "melancholisch" bevorzugen. Oder auch "schwermütig".

Das gilt auch für Passagen von "Dido & Aeneas".

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