Macht Reichtum glücklich: Aristoteles, Epikur & Seneca?

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1 Antwort

Die Vorstellungen zum Thema "glücklich" waren in der Antike an die dort vorherrschenden gesellschaftlichen Verhältnisse gebunden und darum im Grunde in der Zielsetzung gleich. In der Frage der Umsetzung gibt es Unterschiede. In der Antike waren die Menschen großenteils auf sich selbst gestellt, keine Sozialgesetze und allgemeine Vorsorge für Gesundheit oder Schulen - d.h. es gab Elementarschulen - Epikurs Vater war sowas wie ein Grundschullehrer. Epikur ist darum unter den Genannten (Aristoteles, Seneca oder Aristipp) eine Ausnahme, weil er nicht einer wirklich reichen Familie entstammte.

Dennoch, das Ziel aller, glücklich zu sein, war die Frage, wie kann ich ein eigenständiges, erfülltes und gelingendes Leben hinbekommen. Aristoteles und Aristipp waren da ehrlich: Aristoteles war der Meinung, dass man schon gewisse Grundvoraussetzungen haben muss wie Gesundheit (was damals mit Körpertraining verbunden war in den Gymnasien, die eher Fitnessstudios waren als Schulen), wie Reichtum und gute Verbindungen in wirtschaftlich gesicherte Kreise. Die Tugenden, die man im Mittelmaß verfolgen sollte, würden heute manchem Schweißperlen erschreckender Anstrengung auf die Stirn treiben. Da war Fleiß gefordert, ständige Übung und Mäßigung. Er selbst war ja nicht nur der Erzieher von Alexander dem Großen, was bedeutete, dass er im makedonischen Königshaus aus und einging. Er war ein unheimlich fleißiger wissenschaftlicher Sammler von Fakten.

Aristipp stammte aus dem Adel und hatte gute Kontakte zu seinesgleichen, auch zu regierenden Despoten (Tyrannen genannt). Aristipp war der erste Lebemensch, der als Sokratesschüler wohl eine Theorie zum "Surfen auf den Glückswellen des Lebens" entwickelt hat. Immerhin ist er der erste, dessen Tochter, von ihm ausgebildet, als erste Philosophin bekannt wurde. Er lehrte die Kunst des Schmarotzens, ohne sich dabei käuflich zu machen, was bereits einen bestimmten Menschentyp voraussetzt. Das kann nicht jeder.

Seneca stammte auch aus höheren Kreisen und war nicht von ungefähr der Erzieher und Nutznießer des Kaisers Nero. Unter Ausnutzung dieser Beziehungen war er zu einem sehr, sehr reichen Mann geworden, der theoretisch den Verzicht predigte. Diese Verlogenheit ist ja in der Weltgeschichte nicht selten. Für ihn kamen seine letzten Weisheiten zu spät. Er hatte Neros Gunst verspielt und den Befehl, sich selbst zu entleiben. Ob man das ein gelungenes Leben nennen kann? Die Zeiten, in denen er in Geld und Macht geschwommen ist, sicher, aber was ist das wert, betrachtet man das Ende.

Epikur war zeit seines Lebens ein fleißiger Arbeiter. Er hat zwei Philosophenschulen gegründet, Schüler und Sponsoren gesammelt, um seine letzte große Schule, den Garten in Athen finanzieren zu können. Er war einer der fleißigsten Schreiber und man kann den Hass auf seine Philosophie von seiten der Idealisten und Christen allein daran erkennen, dass von ca 400 Büchern und sehr, sehr vielen Briefen zur Anleitung seiner Schüler nur ganze drei Briefe durch Glück "überlebt" haben. Glück war auch für ihn ein gelingendes Leben, doch dem stehen einige Schlingfallen im Wege.

Die erste Schlingfalle sind vielfältige, unbegründete Ängste, die von den Mächtigen ausgenutzt werden, um uns wie Marionetten zu dirigieren. Die nächste sind unrealistische Hoffnungen, meist aus den Ängsten gespeist gekoppelt mit falschen Versprechungen. In seiner falschen Sehnsucht nach Glück verfällt dann der Mensch als nächstes gerne der Gier, weil er glaubt z.B. durch mehr Macht oder mehr Reichtum oder mehr Ruhm unverletzlich und sicher zu werden. Epikurs Gegenrezept ist einmal Aufklärung zu den Fragen, wie Natur und Gesellschaft funktionieren (diesbezüglich steht er Aristoteles nahe). Genauso wichtig ist ihm die Pflege von Freundschaften Gleichgesinnter, um sich gegenseitig mehr Sicherheit zu geben, sich in aufklärerischer Bestrebung auszutauschen. Seneca hat sich in Einsicht in sein verpfuschtes Leben später immer mehr dem Epikureismus geöffnet, aber da war es bereits zu spät, da hatte er schon mehr Feinde als Freunde.

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