Mache ich mich strafbar wenn ich "nichts tue" wenn sich jemand umbringen will?

15 Antworten

Das Recht ist in dem Falle sehr verworren und ich möchte an der Stelle betonen, kein Jurist zu sein. Im Zweifelsfall kann entsprechend nur der fachlich kompetente Jurist, anhand einer realen Situation, eine handfeste Beurteilung stellen. 

Was hier zur Diskussion steht wäre zum einen der §216 StGb "Tötung auf Verlangen [durch Unterlassen]" und dieser ist zu Beginn wahrlich sehr verwirrend.
Zum einen ist für diesen Straftatbestand relevant, in welcher Beziehung der Suizident und der Betroffene stehen. Das Recht spricht hierbei davon, dass man Garant des Selbstmörders sein müsse.
Ein Garant ist, zur Klärung, jemand der in einer engen Beziehung zu dem Suizidenten steht - beispielsweise ein nahstehendes Familienmitglied oder Menschen denen Schutzbefohlene anvertraut wurden. Diese Stellung als Garant lässt sich jedoch auch auf anderem Wege erweben. 
Dabei spielt die Ingerenz eine entscheidende Rolle - besorge ich also einer Person, der ich rechtlich gegenüber keine Garantstellung innehabe, ein tödliches Gift, so ändert sich meine Stellung und ich bin rechtlich in der Pflicht darauffolgende Schäden durch eben jenes abzuwenden. 

Innerhalb der eigentlichen Handlung ist es nun wichtig, bei dem die Tatherrschaft, welche Handlung vorgenommen wird beziehungsweise welche Tat obliegt allein ihr, liegt. Nehmen wir also mal ein Beispielfall:

"Deine Freundin möchte sich das Leben nehmen und ihr befindet euch bei ihr in der Wohnung. Du hast ihr ein tödliches Gift besorgt und stellst es auf den Tisch*. Deine Freundin nimmt das Gift vom Tisch und schluckt es**. [...]"

Bis hierhin ist folgendes passiert. Bei * hast du, dadurch das du das Gift besorgt hast, die Garantstellung durch die Ingerenz inne. Bei ** liegt die die Tatherrschaft noch bei deiner Freundin, denn diese hat bewusst und in eigener Entscheidung das Gift zu sich genommen. Bis hierhin kannst du nicht belangt werden. 

"[...] Deine Freundin kippt nach wenigen Minuten regungslos seitlich auf das Bett***."

Bei *** ändert sich die Situation allerdings. Die Tatherrschaft geht auf dich über, da deine Freundin keinen Einfluss mehr auf die Situation üben kann und nicht mehr in der Lage ist, zu handeln. An dieser Stelle, aufgrund deiner Garantstellung durch Ingerenz, bist du zum Handeln verpflichtet - tust du es nicht, so kannst du für die "Tötung auf Verlangen durch Unterlassen" belangt werden. 

Kurz gesagt: Du kannst ungestraft ihr das Gift geben, es auch vorher noch mit einem Getränken anmischen, es ihr in die Hand reichen, ihr beim trinken zuschauen. Erst ab dem Zeitpunkt machst du dich strafbar, wenn das Gift wirkt, sie Handlungsunfähig wird und du nicht eingreifst.

Bei der "Unterlassenen Hilfeleistung" nach §323c StGb sieht es ähnlich aus.
An dieser Stelle wird jedoch der Unglücksfall diskutiert und hier sind sich auch die Juristen nicht ganz einig, ab wann dieser nun Eintritt. Im Allgemeinen ist es jedoch geregelt wie auch bei der "Tötung auf Verlagen durch Unterlassen"  - heißt der Unglücksfall tritt nach der Handlung ein. 

In diesem Falle muss die Hilfe also erst geleistet werden, wenn die Tatherrschaft vom Suizidenten abfällt und diese wird dann automatisch auf alle umliegenden übertragen - die sind ab diesen Zeitpunkt zur Hilfe verpflichtet und machen sich sonst der "Unterlassenen Hilfeleistung" Strafbar. 

Wenn man entsprechend gerade nicht am Ort der Tat ist beziehungsweise nicht einmal genau weiß, was dort gerade passiert und ob etwas passiert, macht man sich nur schwerlich strafbar. Allerdings gibt es nebst den rechtlichen Aspekten auch stets die moralische und ethische Perspektive, mit der man auf so eine Situation schauen sollte. 

Wenn deine Freundin dementsprechend vor hat sich das Leben zu nehmen und du die Situation so einschätzt, dass ihre Eltern ihr helfen könnten, so informiere diese über die aktuelle Situation und kläre sie auf - im Zweifel mit der Bitte, nicht deinen Namen zu nennen. Schlussendlich geht es hier um ein junges Leben und viele Suizide werden anschließend, sofern sie nicht geglückt sind, von den Suizidenten als schwerer Fehler bereut.

Es steht immer der Grundsatz:

Der Suizident möchte nicht sterben, glaubt aber er müsse es. 

Unabhängig vom Recht - wenn du jemanden das Leben retten kannst und dich dabei nicht selbst in Gefahr bringst, dann tue dies. 

Ich wünsche dir alles Gute auf deinem weiteren Wege. 

Liebe Grüße.

Das kann man so nicht pauschal beantworten, da es von vielen Faktoren abhängig ist.

Für die Zeit vor dem Suizid würde ich - besonders in deinem Fall - keinesfalls von unterlassener Hilfeleistung sprechen, da du Ihr Mut zusprichst, sie in ihrer Lage unterstützt und von der Selbsttötung abhältst. (rechtlich besteht dazu keine Verpflichtung, sofern sie wirklich lebensmüde ist, denn dann spricht man juristisch von keinem sog. "Unglücksfall").

Vom Tatbestand der unterlassenen Hilfeleistung würde man dann sprechen, wenn deine Freundin den Suizid ausführt, du neben ihr stehst und nichts unternimmt, denn rein theoretisch könnte es sein, dass sie im Zustand der Handlungsunfähigkeit bereits ihren Willen zum Selbstmord geändert hat und doch noch weiterleben möchte. Ab diesem Zeitpunkt spricht man rechtlich von einem Unglücksfall und du bist verpflichtet, ihr deine Hilfe anzubieten bzw. entsprechende herbeizuholen (bspw. für Reanimationsversuche). Begeht sie den Selbstmord heimlich und bist nicht in ihrer Nähe, so kannst du ihr natürlich auch nicht helfen.

Die Beihilfe wäre dann strafbar, wenn du den Selbstmord für sie übernimmst , indem du sie z.b. erschießt. Dann wäre dies eine "Tötung auf Verlangen". Dies steht natürlich unter Strafe. Eine seelische Beihilfe bzw. "materielle" Beihilfe in Form der Organisation von Utensilien bzw. der Vorbereitung des Freitods (Strang, Giftspritze etc.) wäre hingegen nicht strafbar. Hintergrund ist, dass der echte Selbstmord per se nicht bestraft werden kann und damit kann die fehlende Strafbarkeit der Haupttat auch keine strafbare Beihilfe nach sich ziehen.

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Bitte informiere dich - z.B. in Gesetzbüchern - über die rechtlichen Details, wenn du willst, denn GF.net ist keine Rechtsberatung & zudem kommt es - wie so immer - auf den Einzelfall an.

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Beachte auch, dass deine Freundin dringend psychologische Betreuung benötigt, wenn sie von Selbstmord spricht, auch wenn ich vermute, dass deine Freund vielmehr einen Weckruf praktiziert, als wirklich ernst zu sein (sprich: um Aufmerksamkeit bittet). Normalerweise wird ein Selbstmord in realen Fällen nicht kommuniziert.

Auch die Telefonseelsorge könnte hier hilfreich für sie sein.

Kurze Antwort: Eher nicht strafbar

Die einzige Straftat die in Betracht käme wäre in der Tat eine unterlassene Hilfeleistung gem. § 323c StGB. Hiernach macht sich derjenige strafbar, der bei Unglücksfällen keine Hilfe leistet obwohl dies möglich und zumutbar ist.

Der BGH geht zwar davon aus, dass ein Suizid ein Unglücksfall sein kann. Allerdings verneint er die Zumutbarkeit bei einem frei verantwortlichen Suizid.

Wenn ein Bekannter den Suizid schon länger plant und dies gerade keine spontane Entscheidung ist, würde ich davon ausgehen, dass er in der Regel frei verantwortlich handelt, sodass die unterlassene Hilfeleistung nicht strafbar wäre.

Dies kann man selbstverständlich auch anders beurteilen. Nicht nur deshalb ist es in derartigen Fällen immer sinnvoll, als Freund / Freundin aktiv zu werden und sich die Hilfe zu kümmern!

Eine "Beihilfe zum Mord" wäre in diesem Fall jedoch nicht möglich. Die Strafbarkeit des Gehilfen richtet sich nämlich immer nach der des Haupttäters. Da der Suizid nicht strafbar ist, kann auch die Beihilfe hierzu nicht strafbar sein.

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