Lohnt es sich über den Sinn des Lebens nachzudenken?

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Ich hatte einmal einen Traum. Darin fragte mich ein höheres Wesen, ob ich meinte, daß das Leben sinnvoll sei. Und als ich das bejahte, fragte es nach, warum ich das meinte. Und ich antwortete: "Weil es Bier gibt." Und danach wachte ich gleich (weshalb ich mich auch noch daran erinnern konnte) vor Schreck auf, weil ich diese Antwort zu banal fand. Aber als ich dann im Wachzustand darüber nachdachte, fand ich, daß diese Antwort keineswegs banal war. Denn beim Stichwort Bier dachte ich etwa an Biergärten und besonders an einen längeren München-Aufenthalt, was ich alles mit purer Lebensfreude assoziierte. Ich denke, darum geht es zumindest auch - nämlich das Leben zu genießen. Und das tut jeder zwangsläufig auf seinem ihm eigenen angeborenen Niveau. Für mich gehört die ständige Reflexion dazu, denn ohne Perspektive geht es nicht. Ja, wäre ich eine Kuh, dann genügte mir auch das Grasfressen. Aber ich bin nun mal keine. Und ich bin auch kein Mensch, der eine banale Antwort ohne weiteres akzeptierte.

Das kann man gar nicht selbst entscheiden. Wenn jemand ein eher grüblerischer Typ ist, bleibt ihm nichts anderes übrig als nachzudenken. Andere wiederum leben gerne in den Tag hinein und würden sich den Tag nicht durch viel Nachdenken verderben wollen.

Ich meine ja! Oder willst du ständig mit dem Gedanken leben, dass dein Leben wie das der Tiere völlig sinnlos ist? Der Nazi- Reichsmarschall Göring soll am Ende der Naziherrschaft gesagt haben: "Hauptsache mal 12 Jahre anständig gelebt!" Willst du auch diesen Standpunkt eines Nihilisten teilen. Was bedeutet eine solche nihilistische Existenz? Sicher lebt und genießt der Nihilist auf einer etwas höheren Ebene, als die Tiere ihr Dasein fristen; aber im Grunde machst du das Gleiche: Du isst (frisst) wie die Tiere, um kurz zu überleben, du pflanzt dich fort, wie die Tiere (weil es halt der Trieb in dir so will), du kämpfst um einen guten Platz im Rudel, wie die Tiere (bei uns Menschen heißt das: Rangordnung der Gesellschaft; du genießt hier vielleicht Macht oder das "Besser-dastehen als andere"); du fühlst dich - wenn nicht Krankheiten, Gebrechen an deinen Kräften zehren - sauwohl, wie die Tiere (bei uns: Urlaubsfreuden genießen, mal ins Theater gehen, Buch lesen, sich in der - hoffentlich nicht zerrütteten - Familie verwirklichen etc.) usw. usw. Eigentlich könntest du all das auch sein lassen und Harakiri machen, denn der Tod ist dir - nach deinem äußerst flüchtigen, tierähnlichen Dasein - sowieso gewiss! - Wer aber an Gott glaubt, kann sich überlegen, was die Existenz auf der Erde für einen Sinn haben könnte. Wenn man mal die Perspektive wechselt und unsere irdische Existenz aus dem Weltraum betrachtet: diese leuchtende Erdkugel, schwebend in der nachtschwarzen Einsamkeit des Alls, oder unser Sonnensystem, inmitten eines Seitenarms der Galaxie "Milchstraße" oder inmitten der Milliarden anderer Galaxien, außerdem dieses „Abgeschnitten-sein“ von allem Wissen, was vor unserer Geburt war, was nach unserem flüchtigen Hiersein kommt, was dieses riesenhafte Weltall eigentliche bedeuten soll - dann überkommt einen (mich jedenfalls) das Gefühl des Verbannt-seins auf diese Erdkugel. Die Frage nach dem Sinn unserer "weltenverlorenen" Existenz müsste eigentlich jeden überkommen, auch der Gedanke, dass da noch etwas Höheres ist, vor dem wir Ehrfurcht haben sollten, wir winzigen Staubmoleküle auf dem Staubkorn Erde. Bewusst wird uns durch einen solchen "Perspektivwechsel" auch die Lächerlichkeit unserer winzigen Existenz, im Vergleich zu der Wichtigkeit, die wir uns ständig in unserem Leben anmaßen. – Was aber ist der Sinn unseres Daseins? Hier geben dir die Religionen eine Auskunft. Wem das nicht genügt, wer also mit Religionen nichts am Hut hat, dem bleibt nur übrig, mit Hilfe seiner Vernunft einen denkbaren Sinn des Lebens zu ermitteln. Denn die Vernunft haben wir bestimmt nicht bekommen, auf dass wir sie „am Garderobenhaken abhängen“ und nur noch vernunftfrei vor und hinleben. Viele Philosophen haben sich schon über den Sinn unseres Lebens Gedanken gemacht. Da sollte der Nicht-Religiöse mal nachlesen (z.B. bei Platon, Kant u.a.). - Der Atheist allerdings kann nur wie Göring sagen: Hauptsache mal 60 oder 70 Jahre anständig gelebt! Mehr wird ihm nicht einfallen (eine solche Einstellung ist für mich einfach grauenhaft!) – Ich gebe zu, in der Jugend denkt man an all diese Fragen nicht, man meint, das Leben dauert ewig. Deshalb ist Philosophie mehr etwas für die Älteren. Wie heißt es so schön? Als David kam ins Alter, da sang er nur noch Psalter! Oder: In der Jugend denkt man sehr an die Liebe, im Alter liebt man sehr das Denken!

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