Lohnt es sich eine Ausbildung an einer privaten Flugschule zu machen?

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3 Antworten

Könnt ihr mir einen Rat geben?

Ja, lass' es! Auf absehbare Zeit ist der Markt überlaufen, sowohl mit "Rookies", als auch mit "Ready Entries". 

Was nützt es Dir, Geld in eine Ausbildung zu stecken, ohne zu wissen, ob und wo Du nach zwei Jahren landen wirst. 

Es ist ja nicht nur das Geld, das weg ist, sondern eine Lizenz ohne Typerating gibt es nicht. Du musst also Dein Rating erhalten und wie soll das auf Dauer (Simulatorstunden und Nachweis von drei Starts und Landung innerhalb von jeweils 90 Tagen) funktionieren? Und was machst Du, wenn Du fluguntauglich wirst? Das Medical gilt ja immer nur für 12 Monate. 

Hättest Du schon eine Anstellung, könntest Du evtl. im Unternehmen unterkommen, aber ohne Festanstellung fluguntauglich werden ... 

Dass man bei der Bw in erster Linie Soldat ist, in zweiter Offizier und erst an dritter Stelle die Fliegerei steht, sollte sich eigentlich schon seit Jahren herumgesprochen haben. Die Bundeswehr sucht keine Piloten, sondern Offiziere, die auch fliegen. 

Da ist nichts mit der Eroberung des Himmels, sondern erst einmal machst Du die militärische Grundausbildung wie alle anderen Soldaten auch. 

Es gibt aber drei Wege ins Cockpit: Als Truppenoffizier a) mit oder b) ohne Studium oder c) als Offizier des militärfachlichen Dienstes (auch ohne Studium). Steht aber genauer in der Bw-Broschüre. 

Bleiben noch die ausländischen Airlines. Du bist ja nicht auf DE beschränkt. Schau Dir einfach die Seiten der entsprechenden Airlines an, aber bevorzugt nur die, welche über eine angeschlossene Schule eine "ab-initio"-Ausbildung anbieten. 

flyNIKI, BA, edelweiss, SWISS, Emirates: Es gibt genug. Oder Du steigst in die Business-Fliegerei ein mit privater Ausbildung und Rating auf Cessna, Learjet, Falcon usw. 

guest131 02.05.2016, 17:06

Danke vorab für deine sehr ausführliche Information! Dass man bei der Bw in erster Linie Soldat und erst in zweiter oder wie du schreibst sogar erst in dritter Linie Pilot ist habe ich auch gehört, aber es wäre halt eine Möglichkeit, vor allem weil die Bw anscheinend mehr oder weniger alles finanziert. Das mit den  ausländischen Airlines werde ich mal machen und mich da mal "durchwurschteln" :D

Das mit der Business-Fliegerei klingt auch hochgradig interessant muss ich sagen! Aber wie liefe denn das ab? Du schreibst auch von einer privaten Ausbildung, muss man die dann auch aus eigener Tasche zahlen und wie teuer wäre das? Und wo würde ich mich danach bewerben?

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ramay1418 02.05.2016, 18:01
@guest131

HI, 

1) die Ausbildung der Militärpiloten zahlt der Bund, also der Steuerzahler, also auch ich anteilmäßig. Dafür wird erwartet, dass a) nur die geeignetsten zu Ausbildung zugelassen werden und b) die sich dafür im Gegenzug für mindestens 16 Jahre verpflichten. 

Und ein Gehalt gibt es auch noch und noch ein kostenloses Studium obendrauf. Was will man mehr? OK, man muss dann auch bereit sein, den Willen der politischen und militärischen Führung um- und durchzusetzen; aber das muss jeder Soldat. 

2) Machst Du Deine Ausbildung an einer "privaten" Flugschule (gilt eigentlich für alle Flugschulen, da Airlines genaugenommen keine fliegerische Grundausbildung durchführen dürfen), brauchst Du a) eine liebende Oma oder b) ein gut gefülltes Sparschwein, denn Du musst die Kosten tatsächlich selbst tragen. 

Es gibt also niemanden, der evtl. in Vorlage tritt - obwohl das bisher auch wohl nur bei LH der Fall war; aber das wird sich mit dem neuen Ausbildungskonzept sicher ändern. 

Erst mit einer Lizenz und einem eingetragenen Typerating kannst Du Dich dann bewerben, z. B. bei VW oder Bauhaus in Mannheim, die beide über eigene Flugzeuge verfügen. Oder Du schaust mal bei DCA rein - Daimler-Chrysler Aviation -  oder bei Atlas-Air Service. 

Kann es auch Helikopter sein, wären Wiking Helikopter Service in Wilhelmshaven 

http://www.wiking-helikopter.de/de/

oder Rettungsdienste wie ADAC (die haben auch Flächenflugzeuge für den Krankenrücktransport) oder die DRF vielleicht interessant. 

Dann fällt mir noch Bristow Helicopters in Abderdeen, Schottland, ein, welche die Versorgung der UK-Bohrinseln durchführen. 

http://www.bristowgroup.com

Ähnliches gibt es auch in Norwegen. 

Überall könntest Du mit einer EASA-Lizenz anfangen, falls es Stellenangebote geben sollte, obwohl viele Firmen meistens schon einige Hundert oder Tausend Flugstunden voraussetzen - und evtl. noch das Muster vorschreiben. Hier beißt sich dann die Katze in den Schwanz. Woher Flugstunden bekommen und auf welchem Muster? OK, wichtig ist erst einmal, überhaupt ein Rating für ein Hochleistungsflugzeug oder einen Turbinenhubschrauber zu haben. 

Da ist noch eine Menge Recherche angesagt. 

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guest131 02.05.2016, 20:32
@ramay1418

Ok das mit der Bundeswehr muss ich mir noch mal anschauen obwohl es, wenn es denn klappt, eher zweite bzw. letzte Option wäre aufgrund der Sachen die du genannt hast, also dass das Fliegen eher zweitrangig ist.

Die ganzen Sachen, die du aufgezählt hast, klingen auch richtig nice! Gerade das mit der Bohrinsel, das wäre auch etwas, das ich sehr sehr gerne machen würde, wenn es möglich ist bzw. möglich werden kann. Also ergo kann ich mir natürlich auch vorstellen, Hubschrauberpilot zu werden ;)

Jetzt stellen sich mir halt nur noch zwei Fragen: Wie könnte ich das finanzieren? Von den beiden gennanten Optionen fällt die mit dem gut gefüllten Sparschwein, zumindest bei mir selber, schon mal raus. Das mit der Oma ist auch schwierig, weil wir hier im Falle einer Ausbildung ja nicht von ein "paar" Tausend Euro sprechen sondern von mehreren 10 Tausend Euro(Ich glaube bei Air Berlin bspw. beträgt der Selbstkostenanteil(!) 70.000-80.000€,die tatsächlichen Ausbildungskosten belaufen sich glaube ich auf 120.000€). Ich habe jetzt letztens eine Doku gesehen von jemandem, der bei der LH in den Einstellungstest rausgeflogen ist und über einen Kredit bzw. ein Darlehen eine Ausbildung gemacht hat und dann bei Condor eingestellt wurde. Wäre so ein Kredit bei mir auch möglich? Müsste ich sowas über meine Eltern machen, die der Bank möglicherweise Sicherheiten gewähren können oder könnte auch ich das selber machen? Ich als Abiturient, der noch nicht auf eigenen Beinen steht und noch kein Geld verdient?

Zweite Frage, die du möglicherweise mit deiner ersten Antwort schon beantwortet hast, wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit nach meiner Ausbildung eingestellt zu werden? Ist ja jetzt völlig egal womit(Cessna,Learjet, Jumbo oder Hubschrauber) und bei wem(Airlines, ADAC, DCA), obwohl ich natürlich das wählen würde was am aussichtsreichten ist. Du meintest ja der Markt wird auch in Zukunft überlaufen sein mit Neulingen und auch Erfahrenen, aber eine klitzekleine Chance in irgendeiner Sparte, ist mir erst mal egal wo, muss es doch geben?

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ramay1418 02.05.2016, 22:39
@guest131

Ich kann weder zur Finanzierung noch zur Wahrscheinlichkeit einer Festanstellung etwas sagen. Alles wäre Kaffeesatzleserei, also eher etwas für Esoteriker. 

Niemand weiß, wie sich die Luftfahrt entwickelt. Die Experten gehen von einer Steigerung aus, aber dann haben ja die schon ausgebildeten Flugschüler eher eine Chance. Alleine bei LH befinden sich mehrere Hundert im Holding, die aktuell keinen Vertrag bekommen. 

Da die Ausbildung rund 24 Monate +/- dauert und Du noch Dein Abitur machen musst, kannst Du mal von drei bis vier Jahren ausgehen, bevor Du vor der Wahl eines Arbeitgebers stehst. Allerdings muss Du Dich vorher schon festlegen, ob es Hubi oder Fläche sein soll. 

Evtl. gibt es noch die Möglichkeit, bei Emirates zu schulen, wenn es denn Linienpilot sein soll. Sie haben ja eine eigene Flight-Academy und bilden nach EASA-Regeln aus. 

Hier: http://www.emiratesflighttrainingacademy.com/facilities

und hier: http://www.emiratesaviationservices.com

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guest131 03.05.2016, 00:11
@ramay1418

Ich glaube das mit dem Abiturient hast du falsch verstanden ;) wie ich eingangs geschrieben habe, habe ich mein Abitur schon :)

Die ganzen fernöstlichen Airlines wären natürlich auch eine Möglichkeit, aber ich denke das wäre natürlich auch mit Kosten verbunden und die ganze Ausbildung scheint auch auf Englisch zu ein, so steht es zumindest auf der Seite. Mir ist natürlich klar, dass Englisch die Sprache der Fliegerei ist, aber eine ganze Ausbildung auf Englisch zu managen als nicht-native-speaker wird eher schwierig. Weißt du denn wie es da mit der Flugschule aussieht? Weil auf der Seite sind nur Modellbilder der Flugschule abgebildet und unter "The Programme" steht, dass die theoretische Ausbildung Ende 2016 beginnen wird und die praktische 2017.

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ramay1418 03.05.2016, 07:34
@guest131

Hi, das mit dem Abitur habe ich überlesen, sorry. Nein, ich kenne die ausländischen Procedures überhaupt nicht. 

Als ehemaliger Teamleiter "Flight Crew Licensing" einer deutschen Airline hatten mein Team und ich genug damit zu tun, unseren Fliegern eine Lizenz zu besorgen und sicherzustellen, dass alle vom Gesetzgeber (der EU und deutschen Verordnungen) geforderten Nachweise jederzeit nachvollziehbar dokumentiert wurden. 

Ich weiß natürlich, wo ich gerade mal nachschauen kann und welche Informationen ich suchen muss, aber eingehende Kenntnisse über Nicht-EU-Regelungen (sprich, nationales Recht) habe ich nicht. 

Und dass der Unterricht auf Englisch stattfindet, ist bei einer Lehrgangsbelegung mit Teilnehmern aus unterschiedlichen Ländern der einzig gangbare Weg. Im späteren Fliegerleben ist es bei gemischten Crews ja auch nicht anders. 

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guest131 05.05.2016, 03:46
@ramay1418

Hm ok, aber um noch mal auf meine eigentliche Frage zurückzukommen: ob es sich lohnt eine Ausbildung an einer Flugschule zu machen kannst du mir auch nicht sagen, weil man einfach nicht voraussagen kann wie sich die Luftfahrt in den nächsten Jahren entwickelt?

Wenn ich es aber machen möchte, muss ich mir überlegen wie ich es finanziere und wo ich Flugerfahrung herbekomme? 

Weißt du auch zufällig wie das aussieht bei den verschiedenen möglichen Arbeitgebern?Also ob es jetzt bspw. beim ADAC wahrscheinlicher ist mit weniger Flugstunden eingestellt zu werden als bei einer Airline? 

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ramay1418 05.05.2016, 09:28
@guest131

Richtig! Zur Entwicklung musst Du einfach mal die Presse verfolgen, gerade die Luftfahrtzeitschriften, Airlineinfos und Daten vom BDL. Bei einer Flugschule musst Du die Kosten tragen, ohne ein Finanzierungsmodell eines potenziellen Arbeitgebers. Bekommst Du keinen Job, ist die Kohle weg, so einfach ist das. 

Der ADAC darf keine fliegerische Grundausbildung machen, da er nicht als ATO (Approved Training Organization), sondern, wie AB oder LH auch, als TRTO (Type Rating and Training Organization) zugelassen ist. Das bedeutet, dass ein Typerating durchgeführt werden, also ein Pilot umgeschult werden darf. Beim ADAC also z. B. von Bell UH1-D auf die EC-135 oder auch von einem Heli mit Kolbenmotor auf Turbinenhubschrauber. 

Aber nach EU-Recht muss die Grundausbildung an einer Flugschule rechtlich, kaufmännisch und managementmäßig völlig vom Flugbetrieb getrennt sein. Ich weiß, dass es nicht ganz richtig ist, wenn ich sage, LH macht eine Pilotenausbildung, aber solche Feinheiten sind für eine erste Info, denke ich, uninteressant. 

Daraus folgt, dass der ADAC praktisch nur "REs" einstellt und sie umschult. Und für eine Einstellung gilt: 

"Eine Übernahme oder Vorfinanzierung der Ausbildungskosten seitens des ADAC ist nicht möglich. 

Voraussetzung für eine Bewerbung als ADAC Hubschrauberpilot ist eine Lizenz als Berufshubschrauberführer sowie 1.500 Stunden Flugerfahrung als verantwortlicher Luftfahrzeugführer auf Hubschraubern. Als Co-Pilot beträgt die Einstellungsvoraussetzung derzeit 500 Stunden Gesamtflugerfahrung auf Hubschraubern." 

Es hilft nichts: Du musst Dich bei jedem Anbieter selbst erkundigen, da die firmeneigenen Voraussetzungen immer unterschiedlich sind. Nur die gesetzlichen Vorgaben sind in der EU und allen anderen EASA-Staaten gleich. 

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guest131 05.05.2016, 17:57
@ramay1418

Ok, aber vielen Dank dir für deine ausführliche Hilfe und Antwort! Dadurch habe ich jetzt deutlich mehr Wissen und Informationen als vorher! ;)

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Du hast Dir doch die Antwort eigentlich selbst schon gegeben. 

Für die Flugschule lohnt es sich. Für Dich nicht.

Wo möchtest Du denn nach Abschluss der Ausbildung arbeiten, wenn Du jetzt schon weißt,  dass der Bedarf bei den Airlines gedeckt ist?

Es gibt genug erfahrene Piloten mit 8000 Flugstunden im Flugbuch, die nen Job suchen. 

guest131 02.05.2016, 16:38

Momentan scheint er gedeckt zu sein oder nicht? Ich hab auch  gelesen, dass der Bedarf an Piloten in den nächsten Jahren wieder steigen wird und dass die Situation in De nicht immer so bleiben wird wie sie momentan ist. Da wurde was von einem Vergleich mit dem Auf und Ab der Konjunktur geschrieben. Und ich muss oder möchte mich ja auch nicht unbedingt jetzt und sofort bewerben und als Pilot arbeiten. Wie gesagt, ich habe gerade erst mein Abi gemacht und kann mir auch vorstellen erst mal ein Studium oder eine Ausbildung zu machen und mich vielleicht später zu bewerben. Meinst du das ist realistisch? Und zu der Frage wo ich nach der Ausbildung arbeiten möchte, ich habe auch gesehen, dass Versandfirmen wie DHL auch ready-entry-Piloten suchen, meinst du sowas wäre möglich?

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Also das Air Berlin ab nächstes Jahr Lehrgänge anbietet ist mir neu 

Also ich würde die Private Flugschule nehmen da man wenn man da alles abgeschlossen hat mehr bzw alle Airline auf der Welt sozusagen zur. Auswahl hat und man sich bei jeder bewerben kann 

guest131 02.05.2016, 19:53

Air Berlin hat mir in einer Mail geschrieben, dass auch dieses Jahr schon Lehrgänge laufen, die auch alle belegt sind

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