Liberalismus oder Sozialismus. Zu welchem der beiden würdet ihr euch positionieren und warum?

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8 Antworten

Liberalismus oder Sozialismus.

Liberalismus ist eine "Gesellschafts-Ordnung der Reichen". Hier ist (je nach Ausprägung des Liberalismus unterschiedlich stark; aber grundsätzlich IMMER) immer der Reichere und Mächtigere im Vorteil. 

Beispielhaft für die zahllosen "Fehler in der Matrix" geht der Liberalismus von geradezu märchenhaften Vorstellungen ideal-typischer Menschen und ideal-typischen Handelns aus. So ist beispielsweise der Glaube an einen "selbst nivellierenden 'freien' Markt" ein wesentlicher Bestandteil aller liberaler Ideologien. 

In der Praxis neigen Märkte aber nicht zur Nivellierung, sondern verhalten sich wie Schwerkraft-Senken: Je größer die Masse, desto größer die Anziehungskraft, desto schneller die Akkumulation ... bis zu einer gewaltigen Explosion, die ungeheure Flurschäden im weiten Umkreis anrichtet. Dabei leiden vor allem die Kleinen. Denn die überlebenden Großen saugen kraft ihrer Überlegenheit blitzschnell auf, was da zersplittert am Boden liegt: Der Ex-Konkurrent ebenso, wie die mittelständischen und kleinen Unternehmen, die in dessen Umfeld starben.

Das ist nicht "Theorie", sondern hat sich in Jahrhunderten - zuletzt im Rahmen der aktuellen Krise 2007 bis heute - immer und immer wieder bestätigt. Doch das hält die Anhänger dieser Ideologie nicht davon ab, ihre Utopien zu träumen.

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Unbeachtet der "emotionalen Argumente" ist der Sozialismus hingegen eine gesamt-gesellschaftliche Notwendigkeit; so dass er früher oder später eingeführt werden wird, wenn sich die Menschheit nicht vorher selbst vernichtet. (Im Angesicht des Klimawandels und der sich wieder rapide ausbreitenden Kriegsbereitschaft in aller Welt hat sie aber gute Chancen, dass sie es nicht mehr erleben muss.)

Beispielhaft sei etwa genannt, dass die Menschheit heute aggressiven Raubbau mit der Natur betreibt. Der Kapitalismus, als zentraler Motor, forciert und erzwingt notwendigerweise das "Und-nach-mir-die-Sintflut!"-Denken. Nehmen wir etwa den Raubbau in den Regenwäldern. Aufforstung ist hinderlich und kostet Geld. Also wird sie nicht betrieben. Und da Holz ziemlich langsam wächst (selbst hochproduktive Wälder haben Zyklen von 60 - 150 Jahren; Regenwälder brauchen, einschlägigen Behauptungen zufolge, runde 200+ Jahre), ist es auch nicht einmal im Ansatz lukrativ. (Wer will schon "nur alle 200 Jahre" Gewinn machen?)

In diesem Sinne wird man über kurz oder lang neue Methoden finden müssen, will man sich nicht selbst den Boden unter den Füßen wegziehen. Und eine dieser ZWINGENDEN Methoden ist eine (global) gesteuerte Wirtschaft, eine "Plan-Wirtschaft". 

Oder nehmen wir beispielhaft die "Rationalisierung in der Wirtschaft". Noch vor kaum 100 Jahren arbeiteten in vielen Fabriken Großvater, Vater und Sohn gleichzeitig. Und mit ihnen viele Tausend weitere Leute, die auf diese Weise ihr "täglich Brot" verdienten. 

In den gleichen Fabriken arbeiten heute noch wenige Tausend, manchmal sogar nur noch wenige Hundert Leute. Den Rest erledigen Maschinen (und zunehmend Roboter). Volkswagen träumte schon mal von der "vollautomatischen Automobil-Fabrik", in der nicht mehr einige Hundert Leute arbeiten, sondern nur noch einige Dutzend Ingenieure. 

Das heißt: Wir steuern auf eine Wirtschaft zu, die immer weniger Bedarf an "menschlicher Arbeit" hat. Es gibt Studien, die von "weniger als 20 Prozent", also weniger als 1 von 5 Menschen, die noch arbeiten gehen müssen, ausgehen. 

Dann ist nicht mehr "jeder 5. arbeitslos", sondern umgekehrt: Dann hat noch jeder 5. überhaupt die Chance auf ein eigenes Einkommen. Der Rest, also 80+ Prozent, ist arbeitslos.

Auch hier wird es Lösungen geben müssen, will man die "überschüssigen Menschen" nicht nach dem SPD-Prinzip entsorgen. ("Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen." Franz Müntefering Ex-Chef der SPD)

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Lange Rede, kurzer Sinn: Man kann sich dazu stellen, wie man will. Es ist ein vollkommen logischer Schritt, dass es einer ganz neuen Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung bedarf, um die Probleme der Zukunft lösen zu können.

Dennoch kann ich es verstehen: Als man darüber diskutierte, die Sklavenhalter-Gesellschaft durch eine Gesellschaft der freien Bürger zu ersetzen, entsetzte das große Teile der Bevölkerung (auch die Sklaven selbst) sehr: 

Wer sollte denn für die Sklaven sorgen, wenn nicht ihre Herren? Wer sollte ihnen ein Bett geben? Wer sollte ihnen das tägliche Essen geben? Und wer sollte sich um den Arzt kümmern, wenn sie krank würden?

Nein, viele Leute hielten es für völlig ausgeschlossen, dass es eine andere als die Sklavenhalter-Gesellschaft geben könne. Das wäre zutiefst unmenschlich und falsch. 

... Tja, und die Geschichte zeigt: Irgendwie ging es doch weiter. Sklaverei ist nicht nur uncool. Es funktioniert auch tatsächlich: Es braucht keine Sklavenhalter. 

Und so entwickelten wir uns weiter: Von der Sklaverei zur Leibeigenschaft. Von der Leibeigenschaft zur Fronarbeit. Von der Fronarbeit zum Lohnsklaven. Und vom Lohnsklaven in eine Behelfskrücke von "sozialer Marktwirtschaft", die überzählige Menschen nicht mehr verhungern lässt.

... Und wieder stehen Probleme an, die gesellschaftliche Neubetrachtung brauchen: Die Zahl der Arbeitslosen und der Leute, die von ihrem Einkommen nicht mehr leben können, wächst stetig. Man braucht neue Ansätze. Genauso, wie man den Raubbau an der Natur nicht mehr allzu lange fortschreiten lassen kann. Auch hier denkt man bereits verkrampft über "Klima-Rettungs-Maßnahmen" nach. 

Doch man hat aktuell keine Lösungen für all die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Probleme. Trotz vielen Jahrzehnten des Nachdenkens und Ausprobierens. Und die Ideen gehen den Leuten auch so ganz allmählich aus. Beispielhaft sei die aktuelle Krise, die im Jahr 2007 begann, genannt: Als Bankenkrise begonnen wurde sie zur Wirtschaftskrise und dann zur Staatsfinanzenkrise. So hält sie bis heute an; und ein Ende ist nicht abzusehen. Im Gegenteil: Nächstes Jahr feiert sie ihr 10-jähriges Jubiläum. Und sie gedeiht dabei prächtig. 

aliciaRT99 30.11.2016, 15:29

Sehr gute Antwort! Danke!

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Da Liberalismus inzwischen zu einem Schimpfwort wurde, zu einer Politkeule der Linken (siehe Unsinkable2) und die ursprüngliche Bedeutung wohl ganz verschütt gegangen ist, muss ich wohl eher mal den ursprünglich (durchaus idealistisch gedachten) Liberalismus erst mal wieder ausgraben. Der ursprüngliche Liberalismus (z.B. Hume, Smith oder Mill) hat weder etwas mit Egoismus zu tun noch mit Macht der Reichen. Interessant, dass da in der Negativaufzählung nie mit "Macht der Reichen" auch "Macht der Parteibonzen" genannt wird.

Worum geht es? Der Mensch ist ein gesellschaftliches Wesen und auf eine funktionierende Gruppe, Gesellschaft oder Staat angewiesen. Eine Gesellschaft kann jedoch ihren Wohlstand, die maximalen Möglichkeiten für alle nur dann erreichen, wenn es ihr gelingt, die Fähigkeiten der einzelnen Individuen fruchtbar zu machen. Trotz der Einsicht, auf eine gut funktionierende Gesellschaft angewiesen zu sein, streben die Individuen immer auch nach individueller Selbstverwirklichung. Sie brauchen eine "lange Leine", um ihre Fähigkeiten zu erkunden und einzubringen. Dieses Verhältnis: Individuum - Gesellschaft ist seit eh und jeh ein Spannungsverhältnis.

Die Vorstellung des Liberalismus ist, den Individuen möglichst viel Freiheit der Selbstverwirklichung zu lassen, aber gleichzeitig auf Einsicht zu pochen, dass wir als Gesellschaft aufeinander angewiesen sind. Der Staat soll alle notwendigen Regelungen treffen können, die ein gutes und faires Funktionieren im Interesse aller gewährleisten, aber nicht die individuelle Freiheit und Selbstentfaltung in Überreglementierung ersticken. Dahinter steht das Menschenbild, dass Menschen verschieden sind, mit unterschiedlichen Fähigkeiten ausgestattet und nicht gleich. Gleichmacherei nivelliert immer nach unten auf das niedrigste Niveau. Das konnte man im real existierenden Sozialismus gut sehen, wenn man nicht ideologisch blind war.

Das interessante an Marx ist ja, dass er später im Idealfall im Kommunismus eigentlich eine Gesellschaft anstrebt, in der sich die Individuen verwirklichen können. Auf dem Weg dahin allerdings ist jede Indivitualität kurz und klein zertrümmert worden, verwirklichen Parteibonzen ihre Vorstellung von Welterlösung auf diktatorischem Weg. In Russland und China haben sie sich nach Scheitern des Sozialismus dreist das Volkskapital angeeignet. Mein Eindruck ist, dass das Ideal des Liberalismus genauso wenig wie Marxens Kommunismus zu verwirklichen ist. Schaue ich mir die reale Welt an, sind wir auf dem Weg zu mehr Zentralverwaltung, allerdings nicht demokratisch, sondern von Politik-, Wirtschafts- und Medieneliten gesteuert und ob aus USA, Europa oder China, letztlich verstehen sich die Herrschaften, wenn auch bei kleinen Meinungsverschiedenheiten, weil eigentlich jeder gerne alleine die Herrschaft ausüben würde.


Unsinkable2 29.11.2016, 23:27

Interessant, dass da in der Negativaufzählung nie mit "Macht der Reichen" auch "Macht der Parteibonzen" genannt wird.

Dir sind nicht einmal fundamentale politische Grundlagen geläufig, aber du hast eine Meinung...

... wenn es ihr gelingt, die Fähigkeiten der einzelnen Individuen fruchtbar zu machen.

Und das erreichen "liberale Gesellschaften" in aller Welt, indem sie öffentliche Schulen VORSÄTZLICH UNTERFINANZIEREN und zugleich (teure) private Schulen für die finanzkräftigen Eliten aufbauen. Schulen, die sich alle unterhalb des Durchschnitts - das sind, falls du nachrechnen willst, 50 Prozent der Menschen - nicht leisten können.

Der Liberalismus, der dir vorschwebt, soll also "die Fähigkeiten der einzelnen Individuen - aber NUR DER WOHLHABENDEN - 'fruchtbar' machen." Zugleich hält er 50+ Prozent der Gesellschaft von eben dieser "Fruchtbar-Machung" ab. (Tatsächlich sind es runde 90 Prozent der Gesellschaft, die von dieser Art der "Fruchtbar-Machung" nicht oder nur in geringem Maße profitieren können ... UND SOLLEN.)

berkersheim, deine "Argumente" waren auch schon mal besser. Geht's dir nicht gut? Wurde dein Account entführt?

Die Vorstellung des Liberalismus ist, den Individuen möglichst viel Freiheit der Selbstverwirklichung zu lassen ...

Oh ja, die Obdachlosen, Arbeitslosen, Geringverdiener ... das sind alles nur völlig verblödete Nichtsnutze. Darunter ist nie ein Maler, Geiger oder sonstein Talent. 

Beweis? Sie kaufen sich keine Instrumente und Geräte, um sich selbst zu verwirklichen. Und das, obwohl sie doch schier unendlich Zeit und Freiheit dazu haben. Stattdessen sitzen sie zu Hause vor der Glotze und genießen ihre "Freiheit" bei RTL 2...

Ach berkersheim, wie wäre es, wenn du wenigstens ansatzweise Logik verwenden würdest?

Um sich selbst verwirklichen zu können, braucht der Mensch zwei wesentliche Dinge: Bildung und das Wissen, worin er gut ist. 

Doch dazu muss er sich ausprobieren können. Und wer schon daran scheitert, einfachen Musikunterricht nehmen zu können, weil der Lohn derartiges nicht zulässt, der wird nie erfahren, ob er ein begnadeter Musiker wäre und seine "Selbstverwirklichung" darin fände...

Stattdessen ist das Ziel des Liberalismus, die Selbstverwirklichung auf der Arbeit: "Diene deinem Herren, dann geschieht dir Lob und Anerkennung!"

Gleichmacherei nivelliert immer nach unten auf das niedrigste Niveau. Das konnte man im real existierenden Sozialismus gut sehen, wenn man nicht ideologisch blind war. 

Du wirfst anderen ideologische Blindheit vor, berkersheim?

Welche Chancen hat denn ein Kind eines Hartz-IV-Empfängers, sich selbst zu verwirklichen? Wie hoch ist die Chance eines Arbeiterkindes, nach der Schule einen erfolgreichen "Karriere-Weg" im Spitzenmanagement anzutreten? 

Oder kennst du noch nicht einmal diese Statistiken; geschweige denn relevante Studien, berkersheim?

Bevor man überhaupt zum "Liberalismus" kommt, sollte es IN JEDER Gesellschaft möglich sein, durch die Schichten wandern zu können. Doch nicht einmal diese fundamentalste aller Voraussetzungen funktioniert. 

Oh, warte! Es funktioniert. Nach unten. Denn nach unten geht es "vollautomatisch". In Deutschland mittlerweile schon innerhalb eines einzigen Jahres. (Daran haben übrigens die Liberalen einen wesentlichen Anteil. ... Oder willst du mir jetzt erklären, Liberalismus würde ja funktionieren, doch leider gibt's halt keine vernünftigen Liberalen auf diesem Planeten?)

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Ein Liberalismus, der auf solch fundamentalen Schwächen basiert, ist eine billige Utopie für naiv-religiöse Geister. Nett zu lesen, nett in der Theorie ... doch leider überhaupt nicht praxistauglich; weil es an vielem scheitert. Allen voran die Tatsache, dass Liberalismus ein rein theoretisches Konstrukt ist...

In Russland und China haben sie sich nach Scheitern des Sozialismus dreist das Volkskapital angeeignet.

Wie bemerkenswert es da ist, dass die schlimmsten von ihnen gute Freunde "des Westens" sind, nicht wahr?!

Chodorkowski, der nach seiner Verurteilung (unter anderem wegen Steuerhinterziehung) ausgerechnet im Westen Unterschlupf fand und von Steinmeier persönlich vom Flughafen abgeholt wurde. (Nicht Kurnaz holte er ab, obwohl dessen einzige Schuld war "arabisch auszusehen". Aber bei Chodorkowski konnte Steinmeier gar nicht schnell genug sein, um sich von der Presse ablichen zu lassen, wie er half, den verurteilten Oligarchen aus den Fängen der Russen zu befreien.)

Oder wollen wir über Poroschenko reden? Ein Oligarch, der genau das tat, was du beanstandest. Doch alle Liberalen von Rang und Namen gaben sich die Klinke in die Hand, um mit ihm gesehen zu werden. Denn das ist "ein Mann", "ein Macher", einer, der den Leuten zeigt, wie man fleißig ist und damit Geld scheffelt.

Die Liberalen und Konservativen in der ganzen Welt machen Geschäfte mit Diktatoren und Oligarchen. Ihnen ist kein Geschäft zu schmutzig. solange die Kasse klingelt. 

... und du erzählst was von Moral, berkersheim?!

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berkersheim 29.11.2016, 23:53
@Unsinkable2

@Unsinkable2

Na, da hast Du mal Deinen ganzen Looserhass rausgelassen! Hoffentlich schläfst Du jetzt besser.

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Eine hoch politische und kontroverse Frage.

Ich selber folge in Teilen beiden Philosophien. Der Liberalismus sagt ja im Grunde nur, dass der Mensch seines eingenen Glückes Schmied ist. Die USA sind dazu das Beispiel Nummer eins. Wer hart arbeitet kann es bis ganz oben schaffen. Wer dabei jedoch auch auf der Strecke bleibt, hat eben Pech gehabt. Zudem gibt der Liberalismus ja auch das Grundrecht der freien Selbstentfaltung. Egal wie ein Mensch sich entscheidet zu leben, so soll er das tun.

Der Sozialismus hingegen lebt von der Empathie, Nächstenliebe und Wohlfahrt. Keiner soll zurück gelassen werden und das Wohl aller ist das höchste Ziel.

Willst du das nun als Vergleich der politischen Systeme, so würde ich klar zum Liberalismus tendieren, einzig und allein, da die menschliche Gier auf lange Sicht den Sozialismus immer untergraben wird. Beide Philosophien sind in ihrer Theorie nun einmal nichts anderes als Utopien.

Irgendwo dazwischen. Ich würde mich selbst als sozialliberal einstufen. Sozialismus und Liberalismus sind zwei ideologien die meiner Meinung nach zusammen besser agieren könnten.

Liberalismus: Sozialismus funktioniert mit Menschen nicht.
Im Liberalismus kann jeder seine Stärken ausleben. So wird das Potential jedes Menschen viel besser genutzt.

Der Sozialismus wäre angenehmer. Da wäre evtl weniger Neid vorhanden und man hätte einen größeren Zusammenhalt, so denke ich.

Weder noch.

Liberalismus.
Sozialismus ist unnatürlich und funktioniert nicht. Pure Dystopie

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