Leute, die das KZ Auschwitz besucht haben: wie seid ihr dahin gereist?

9 Antworten

Ich würde mit dem Zug fahren. Flug innerhalb Europas würde ich weder machen noch empfehlen. Es gibt nach Krakau (Kraków Glówny) von Berlin einen Nachtzug, oder man fährt tagsüber mittags gegen 1 von Berlin mit Umsteigen in Poznan oder Warschau, da ist man abends um 10 dort. Von Krakau nach Oswiecim (Auschwitz) fahren Lokalzüge in anderhalb Stunden, mit dem Bus geht es glaube ich besser. Man braucht einen ganzen Tag für die Gedenkstätte. Ich würde auf jeden Fall auch Krakau anschauen, wenn man schon mal da ist, es ist eine tolle Stadt.

Ich weiß zwar was du meinst aber einen innereuropäischen Flug generell auszuschließen... naja. Ich hätte keine Lust mit der Bahn nach Istanbul, Moskau oder z. b. Tromsö zu fahren ;). Da ist der Flieger doch gescheiter.

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@sebi1981

ich war schon mehrfach in Tromsø ohne Flieger und da ist Krakau wesentlich näher. In der Zeit, als ich Abi machte, da war es für alle möglichen Leute, die nach Moskau oder Istanbul oder Athen wollten, das normalste der Welt, mit dem Zug zu fahren.

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Ich war damals mit dem Auto dort, aber wir haben um die Ecke Urlaub gemacht und waren in 2 Std. dort... also eigentlich... ohne Baustellen... naja, egal.

Bei so einer weiten Anfahrt würde ich den Trip teilen und vielleicht noch in Dresden/Görlitz einen Stop machen - sind sehr schöne Städte. Oder vielleicht noch Breslau/Worzlaw mitnehmen und auf jeden Fall (!) Krakau ansehen. Ein Urlaub, der sich lohnt!

Woher ich das weiß:eigene Erfahrung

Ich war dieses Jahr im Sommer dort. Ich habe einen Roadtrip gemacht, bei dem die erste große Etappe bewusst Krakau zusammen mit Auschwitz war, weiter ging es über Ungarn nach Rumänien und dort quer durch Transsilvanien und zurück über Prag. Sehr schöne Route.

Da ich in meinen über 40 Jahren Lebenserfahrung, auch als Schulexkursion, noch nie ein KZ besucht habe, war es mir sehr wichtig, dieses Erlebnis mitzunehmen. Unser Tourguide hat persönlichen Bezug, da sein Großvater im polnischen Widerstand war und in Auschwitz hingerichtet wurde. Er konnte sehr plastisch erklären, was dort passiert ist, schockierend (war zu erwarten) und lehrreich zugleich.

Zur Anfahrt, wenn du mit dem Auto hinfährst (sei es, dass du einen Roadtrip machst oder nach Krakau fliegst und dort einen Mietwagen nimmst): Auschwitz war eine Vernichtungsmaschine mit mehreren Konzentrationslagern. Eines reichte irgendwann nicht mehr, um den Wahnsinn in diesem industriellen Großformat weiter zu betreiben.

Du fährst nicht nach Birkenau! Birkenau ist Auschwitz II. Das Hauptlager war Auschwitz I, in Mitten eines Gewerbegebietes im heutigen Oswiecim. Dort fährst du hin, zahlst deinen Eintritt und startest die Tour. Ungeführte Touren sind in den späten Nachmittagsstunden möglich, aber ich empfehle definitiv eine Führung, weil es dann noch mal intensiver wird. Du betrittst erst Auschwitz I, in dem auch das berühmte Tor mit der Aufschrift "Arbeit macht frei" steht. Dort steht auch noch eine intakte Gaskammer mit Krematorium. Die Gruppe (bei einer geführten Tour, bei einer Individualtour musst du selbst fahren) wird dann mit einem Bus von Auschwitz I nach Auschwitz II Birkenau gebracht, wo die Tour dann weiter geht. Danach geht es mit dem Bus dann wieder zurück nach Oswiecim, wo die Tour startete und die Meisten dann auch ihre Autos parken. Birkenau wurde deutlich stärker zerstört, es steht aber immer noch einiges, inklusive des großen Eingangsportals, das du auch in Schindlers Liste prominent im Bild sehen kannst. Die Lager III bis V wurden vollständig zerstört und sind nicht Teil der Tour. Eine geführte Tour durch Auschwitz I und II inkl. Pause und Bustransfer dauert einen guten halben Tag, es empfiehlt sich, die Tour im Voraus zu buchen (die Schlange an den Kassen für Vorab-Bucher, wo nur noch die Tickets ausgegeben werden, ist deutlich kürzer als bei den normalen Kassen) und ca. 1 Stunde vorher da zu sein wegen der Sicherheitskontrolle am Eingang.

Wenn du schon mal gerade in der Ecke bist: Das nahegelegene Krakau ist eine wunderschöne Stadt und hat ebenfalls einen starken Bezug zur Judenverfolgung, dort findet sich auch der Rest des jüdischen Ghettos und das Museum im ehemaligen Büro der Fabrik von Oskar Schindler.

wir hatten auch einen privaten Tourguide. Das wurde uns beim Eingang empfohlen und das war auch sehr gut so. Und auch nicht sehr teuer.

Es war ein älterer Mann, der seine Rente aufbesserte und gut Deutsch sprach. Einmal habe ich mich allerdings aus Versehen daneben benommen. Wir waren zu fünft, mit ihm sechs und bei dem "Schaufenster" mit den Koffern blieben meine Freundin und ich hängen - weil wir die Aufschriften auf den Koffern lasen - während die anderen schon weitergingen. Plötzlich merkte ich das und rief laut: "Wo ist denn unser Führer." ... meine Freundin sagte nur hektisch: "Pssst. Die Leute hier können vermutlich kein Deutsch, aber "unser Führer" verstehen sie natürlich. " Oh ja.... danach achtete ich darauf, ihn nur noch als unseren Guide zu bezeichnen.

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@Dahika

Naja, ich finde nicht, dass du dich "daneben" benommen hast - das ist ja nunmal das Wort dafür.

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@Dahika

Dazu gibt es diesen Übersetzungs-Fail: Google mal "Burgbesichtigung nur mit Führer".

Führer ist nun mal das richtige Wort, deshalb finde ich auch, dass du dich eben nicht danebenbenommen hast, aber es hat halt gerade in dem Kontext eine miese Zweideutigkeit, weshalb ich auch in meiner Antwort akribisch drauf geachtet habe, "denglisch" zu schreiben und das englische Word Guide zu verwenden. Hat halt sein Geschmäckle und ich glaube deine Freundin hatte nicht ganz unrecht, in dem Umfeld lieber nicht von Führer zu sprechen.

Anekdote dazu: Bekannte von meinen Eltern waren wohl mal in Italien und waren in einem Reiseführer am schmökern. Da stand dann auch "Führer Rom" relativ groß drauf. Ein alter Italiener, der wohl noch stolz unter Mussolini gedient hat, sah das und sagte: "ah, Führer! Heil!".

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Eine wirklich schön geschriebene Zusammenfassung, danke. Ich war bisher noch nicht in Auschwitz aber vielleicht werde ich das mal nachholen. Ist es nicht, falls es ok ist, wenn ich kritisch nachfrage, inzwischen zu einer Art morbiden Tourismus verkommen? Oder hattest du den Eindruck auf der Führung genügend Zeit zu haben und dass ihr nicht abgefertigt wurdet wie bei einer Führung durch Schloss Neuschwanstein.

Ich selbst war schon in Theresienstadt, Sachsenhausen, Buchenwald und bei Hamburg in einem, da aber als Schüler.

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@User325313

Die Führungen sind wirklich angemessen und es wird auch auf eine gewisse Etikette geachtet, beispielsweise ist in dem Raum mit dem Schaukasten, indem tonnenweise Haare, die den vergasten Juden abrasiert wurden und aus denen dann Mäntel für die Wehrmacht gewoben wurden, Fotografieren aus Respekt vor den Opfern verboten. Wie intensiv die Erklärungen sind, hängt sicher auch vom Tourguide ab, ich hatte Glück mit meinem, da er auch, trotz dass er noch ein ziemlicher Jungspund war, durch seinen Opa einen persönlichen Bezug hatte.

Ob das Ganze morbider Katastrophentourismus oder eine lehrreiche Erfahrung ist, die man, eine gewisse Nervenstärke vorausgesetzt, auch in einen ansonsten fröhlich gestimmten Urlaub einflechten kann, hängt sicher primär von der eigenen Mentalität ab.

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wir sind hingeflogen und waren drei Tage in Polen, davon zwei Tage in Krakau.. Wir hatten das Glück, den polnischen Freund einer Freundin, Darek hieß er, als Reisebegleiter zu haben. Er hatte ein Auto.

Den ersten Tag waren wir in Krakau, haben die Stadt besichtigt und auch das sog. jüdische Viertel.Wir haben zwei Synagogen besichtigt - und ich muss sagen, ich fand das sehr emotional aufwühlend. Einmal bin ich in Tränen ausgebrochen, und das ist mir in Auschwitz nicht passiert. Dafür war das Grauen dort einfach zu groß und zu unvorstellbar.

Dann fuhren wir am zweiten Tag mit dem Auto nach Auschwitz. Auschwitz liegt ca 50 km von Krakau entfernt. Keine Autobahn dorthin. Wir fuhren immer Eisenbahnschienen entlang. Das war ein sonderbares, bedrückendes Gefühl, weil wir dachten, dass auf diesen Schienen damals die Menschen in den Tod fuhren.

Es war Ende November und saukalt. Wir waren zu fünft in dem Auto - Passat - , aber zwei von uns kränkelten, darunter ich. Husten, Schnupfen, Heiserkeit, leichtes Fieber. Darum waren wir nur im dem Hauptlager und nicht in Birkenau gewesen. Aber auch das Hauptlager war heftig genug. Auf der Rückfahrt waren wir recht schweigsam. Und am Abend trafen wir uns mit anderen Polen in einer Kneipe und besoffen uns. (Keiner von uns ist Alkoholiker!)

Am nächsten Tag schlug unser polnischer Freund vor, nach Zakopane zu fahren. Und das war SCHÖN. Das absolute Gegenprogramm zu Auschwitz. Zakopane ist ein Skifahrerort, wo der Bär tanzt.

Beim lesen deiner Antwort habe ich Gänsehaut bekommen.... 🙁

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War damals mit meiner Stufe in Krakau.

Von dort aus dann mit einem Bus dorthin gefahren.

1000km wäre mir zu viel, flieg nach Krakau und von dort aus Auto/Bus.

Wie lange wart ihr insgesamt von Abfahrt bis zurück nach Hause und wie lange nur in Auschwitz?

Wir können nicht einschätzen, ob 1, 2 oder 3 Tage angemessen wären, weil wir auch nicht wissen, wie lange man für dort braucht, um alles zu sehen

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@AnneNette22

War ein Tagesausflug.

Mach ne Führung mit Guide, dauert ein paar Stunden, haste alles gesehen.

"So viel" gibt es nicht zu sehen, dass man dafür mehr als ein Tag einplanen muss.

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