letztens reportage über ryanair gesehen stimmt das alles?

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6 Antworten

Hallo,

wie so oft, berichten die Medien stellenweise Unsinn, weil die Redakteure viele Themen bearbeiten und ein Thema auch noch einigermaßen verstandlich in endlicher Zeit dem Zuschauer oder -hörer vermittlen müssen. Und der hat weder Zeit noch Lust, so vor seiner Reise an den Ballermann mit den Feinheiten der europäischen Luftfahrt auseinanderzusetzen. Wie tief da seitens der Medien bei der Recherche eingestiegen wird, kann ich nicht beurteilen.

Also versuchen wir mal, die Sache weniger polemisch und mehr durch - nachprüfbare - Fakten zu betrachten.

  • Die kürzere Bodenzeit liegt einfach daran, dass alle Prozesse so weit optimiert wurden, dass kaum noch Verbesserungen - oder nur marginal - möglich sind. Dazu gehört auch, dass die Flugbegleiter selbst Hand anlegen müssen beim Reinigen der Kabine. Man muss also nicht auf eine Reinigungscrew warten.

  • Das Anfliegen von weit von Stadtzentren entfernten Flughäfen reduziert die Slotgebühren spürbar, genauso wie der weniger dichte Verkehr die Wahrscheinlichkeit für Warteschleifen reduziert.

  • Optimierung des Boardings reduziert Bodenzeiten. Strenge Auslegung der Beförderungsbedingungen hält die (meisten) Passagiere von überflüssigen Diskussionen über Gewicht, Anzahl und Größe des Reisegepäcks ab. Hier gilt: Wer lesen kann, ist echt im Vorteil!

So, jetzt ein paar Infos aus dem operativen Bereich. Ein Teil stammt aus einem Bericht der FLUGREVUE 7/2014. Ich halte die Zeitschrift durchaus für seriös, da ich sie berufsbedingt, aber auch aus privatem Interesse, schon viele Jahre lese.

  • Der durchschnittliche Ticketpreis bei Ryanair liegt bei 48 Euro; im Branchendurchschnitt bei 160 Euro!

  • Ryanair unterliegt als irische Airline genauso den Regelungen der EU, EASA, FAA und anderen Stellen wie Lufthansa, Air Berlin, SWISS, Scandinavian oder Tyrolean auch.

  • Das Minimum-Fuel berechnet auch bei Ryanair kein Mensch mehr, sondern der Computer und auch der kennt die Vorschriften.

  • Mick Hickey, der Betriebsleiter, plant 2014 die Einstellung von rund 400 Copiloten, um die 180 neu bestellten B737 bereedern zu können. Ryanairpiloten werden auf sehr diszipliniertes Fliegen gedrillt.

  • Der Chefpilot, Ray Conway, sagte in einem Interview, dass 2013 99,987% aller Flüge mit mehr als dem Minimum-Fuel gestartet seinen. Zwar müssen die Piloten das schriftlich begründen, aber einen Anpfiff gäbe es deswegen nicht (und wohl auch keine Belohnung, aber das nachzuprüfen wird schwierig sein). Ryanair hat den Luftfahrtbehörden die Daten von 517.000 Flügen zur Prüfung eingereicht; ohne Beanstandung.

  • Ein Unterschreiten des Minimums, und sei es auch noch beim Ausrollen nach der Landung, gilt nämlich als "Schwere Störung", die meldepflichtig ist. Damit würde man sich mehr Ärger einhandeln (inkl. einer saftigen Geldbuße) als die Sache wert ist.

  • Piloten werden nur als "Ready Entries" eingestellt, müssen also schon eine Berufspilotenlizenz mit "Frozen ATPL" (ATTC - ATPL Theory Credit) mitbringen. Da fallen natürlich keine Ausbildungskosten mehr an, sondern es müssen nur noch Flugstunden (1.500) nachgewiesen und ein praktischer ATPL-Check gemacht werden, bevor es die Linienpilotenlizenz von der Behörde gibt. Und den Check müssen die Piloten vielleicht selbst bezahlten, aber das weiß ich nicht.

  • Die Hälfte der Piloten ist nicht festangestellt, sondern kommt über eine Vermittlungsagentur - zu günstigen Gehältern. Allerdings kann ein Copilot schon nach 4 bis 5 Jahren Kapitän werden, das ist in etwa die Hälfte der Zeit eines LH-Copiloten.

  • Es gab wohl Abwerbeaktionen von Norwegian und Emirates, die an den strikt nach Vorgaben fliegenden Piloten interessiert sind. Aber laut Mr. Conway liegt die Fluktuation bei unter 5%. Warum ist diese Zahl so niedrig?

  • Piloten haben feste Dienstpläne, keine (oder kaum) Nachtflüge und sind dafür abens wieder auf ihrer Homebase.

  • Und der Fairness halber muss man sagen, dass Ryanair in all den Jahren ihres Betriebs (29) keinen echten Flugunfall mit Verlust des Flugzeugs oder des Lebens von Passagieren zu beklagen hatte.

Michael O'Leary ist halt ein sehr auf Effizienz bedachter Geschäftsmann und ein knallharter Verhandlungspartner bei den Reisebüros, Flughäfen und Flugzeugherstellern (hier natürlich nur Boeing). Das kann man ihm vorwerfen - aber warum eigentlich? Und den Passagieren steht es ja frei, nicht mit Ryanair zu fliegen.

Vielleicht sind einige Zahlen geschönt oder doch hart an der Grenze zum Marketing, aber die lassen sich ja bei den Luftfahrtbehörden (unter anderen auch der IAA, der Irish Aviation Authority) nachprüfen. Das kannst Du ja mal machen und das Ergebnis hier einstellen.

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Kommentar von rudim1950
02.07.2014, 15:55

Danke für den Stern!

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JEDE Airline nimmt nur die allernötigste Menge an Sprit mit! Jeder Kilo an Bord verursacht das 3-8 fache seiner Menge an Kerosinverbrauch, außerdem verlängert sich so die benötigte Startstrecke. Bei Ryanair waren es 2 oder 3 Vorfälle, die besonders in Kritik geraten sind, weil Stimmen laut wurden, die sich fragten, was Billigflieger denn nun wirklich bedeutet.

Aber Ryanair spart nicht an der Sicherheit! Würde es ernsthafte Probleme mit der Airline geben, würden sie keine Überfluggenehmigung für den deutschen Luftraum erhalten und vor allem auch keine Landeerlaubnis.

Ryanair spart lediglich am Service, man bezahlt für wenig Geld nur den Flug, alles andere ist exklusive. Zudem ist die Bestuhlung besonders eng, und da selbst das Gepäck bis zu einer kleinen Grenze nicht mehr kostenlos ist, ist das Flugzeug ohnehin leichter trotz mehr Passagieren. Daher werden Ryanair-Flugzeuge von Natur aus auch weniger Kraftstoff brauchen als die Flugzeuge anderer Airlines.

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Ja, Ryanair plant für den Passagierwechsel (also die Zeit vom Ankommen und wieder wegfliegen) ungefähr eine halbe Stunde ein. Das spart natürlich auch Geld, sowohl bei der Arbeitszeit, als auch bei den Flughafen-Gebühren.

Gewartet werden müssen die Maschinen aber nach internationalen Normen. Und Sprit mitnehmen müssen sie auch so viel, wie die Bestimmungen es vorschreiben. Neulich saß ich in einem Flugzeug (nicht Ryanair), das schon dicht vor der Landung in Basel war, dann aber wieder aufstieg und nach Straßburg weiterflog und dort landete. Solche kleinen Umwege müssen natürlich drin sein. Allerdings nicht, wenn noch eine dreiviertel Stunde über dem Flughafen gekreist werden muss. Dann wird es irgendwann bei allen Fliegern knapp. Ich glaube nicht, dass irgendeine Fluglinie grundsätzlich deutlich mehr Sprit durch die Gegend fliegt, als vorgesehen ist.

Ob es Listen gibt und wie die beschaffen sind, weiß ich nicht. Aber interessieren würde mich mal, was Ryanair den Menschen anbietet, die im August ab Lübeck fliegen wollten, nun aber nicht können, weil R. den Flugbetrieb dort komplett einstellen wird. Weiß jemand was?

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Das stimmt schon alles, das ist eben eine Low-Cost-Airline. Denn am Flughafen werden teure Gebühren fällig, je länger die Maschine dort bleibt und durch Abzocke was das Gepäck angeht holen sie sich auch das Geld wieder rein. Und es stimmt, ab und zu muss Ryanair sogar notlanden, da sie so wenig Sprit an Bord haben, dass Sie es nicht bis zum Zielflughafen schaffen. Ist aber ganz normal, denn wenn es da schon Flüge ab 9€ gibt, muss ja an anderer Stelle gespart werden.

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bin auch schon mit ryianair geflogen und es verlief alles problemlos! okay kein essen und trinken an bord (nürnberg-london) aber das hält man aus! die stühle sind etwas enge als bei anderen aber das geht auch!! sicher ankommen und auf luxus verzichten dafür sparen = ryianiar, ansonsten buch einen teureren hersteller wenn du schnick schnack dazu brauchst!! aber sicherheit ist in europa das wichtigste!! ohne geht nichts!!!

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gehört schon, bestätigen nein. bin mit ryanair geflogen und es war alles in ordnung.

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