Lektionen gegen den Populismus - wer kann helfen?

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4 Antworten

Die einfachste Antwort auf die Frage wie man sich vor den sog. populistischen Thesen schützen kann, ist natürlich die sorfältige Recherche, d.h., dass man intensiv das Quellenstudium betreiben muss, um zu leidlich gesicherten Erkenntnissen zu kommen.

Doch genau hier liegt das Problem, vor dem im Grunde jeder seriös arbeitende Journalist steht: "Welche Quellen sind denn nun zuverlässig?" Und für den Privatmann kommt noch hinzu, dass er bei weitem nicht über die erforderliche Zeit verfügt, sich einem umfassenden Quellenstudium hinzugeben. Er muss notwenigerweise auf die verfügbaren Medien zurückgreifen. 

Und da eben die Mainstream-Medien heute in hohem Maße links-liberal regierungskonform gleichgeschaltet sind, was die Journalisten nicht allzu selten auch öffentlich zugeben, ist der Privatmensch bezüglich der Richtigkeit der ihm vorliegenden Informationen zutiefst verunsichert. Überall finden wir nur warnende Hinweise, was man nicht sagen dürfe, was man nicht einmal denken dürfe, wenn man nicht sozial diskriminiert oder geächtet werden will. Ein intellektuell sehr aktiver Bekannter mit kritischem Bewusstsein und großem Bedürfnis nach ungefilterter Information sagte mir unlängst, dass es ihm scheine, als sei die Nachrichtensituation zur Zeit bei uns nicht viel anders als in der ehemaligen DDR. Selbst in vielen Buchhandlungen hier in Berlin werden Bücher, die nicht der zulässigen politischen Meinung entsprechen, weder bestellt noch geliefert. Sie werden einfach als "nichtexistent" deklariert. 

Was nun die "Flüchtlinge" betrifft, übrigens ein Begriff, der im neu gewählten Berliner Parlament mit einem Angebrülltwerden von grünen Abgeordneten quittiert wird (man darf nur noch von "Schutzsuchenden" sprechen), ist die Sache besonders schwierig. Jede Aussage über diese Menschen aus einer dritten Quelle ist gefiltert, gereinigt und auf die politische Korrektheit hin umgestaltet. Eine Kassiererin wird nie riskieren zu behaupten, dass sie etwas Unrechtes gesehen hat, da sie in wenigen Tagen ihren Job los ist. Es bleiben also alles Vermutungen, Stimmungen, verunsicherte Gefühle und ein großes Unbehagen, was da noch auf uns zukommen wird. Die Menschen ducken sich weg und hoffen, dass es sich alles "irgendwie doch regeln wird". 

Ganz schlecht sind die Leute dran, die wie du mir erscheinst, in großer Redlichkeit nach den Fakten fragen wollen, und die dann nach ausgieber kritischer und offener Diskussion zu belastbaren Entscheidungen kommen wollen. Sie haben momentan im Grunde keine Möglichkeit ihr Bedürfnis zu befriedigen. Wer die massenhafte Zuwanderung von Menschen aus anderen Kulturen begrüßt und lediglich Fragen zu einer gelingenden Integration stellt, wird zu Wort kommen, ist akzeptiert und wird sozial getragen. Wer nicht so funktioniert, wird geächtet, diskriminiert und ausgeschlossen. So ist nun einmal die momentane Lage im Land.

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Kommentar von juste55
03.03.2017, 12:37

rolfmengert,

ich gehe mit dir größtenteils konform.

Diese Entwicklung(en) beobachte ich ebenfalls.

Interessant : den Begriff "Flüchtling" habe ich aus einer heutigen Tageszeitung :-)

Ja, ich versuche aufrichtig die Faktenlage zu sichten und spreche hier auch gar nicht davon, sie zu "beurteilen", denn ein "Urteil" möchte ich nicht fällen und kann ich auch gar nicht fällen!

Es kommt mir eher so vor, als wenn der "Trend" dahin geht, gar keine Entscheidungen mehr treffen zu wollen....es setzt sich eher durch, es sich bequem zu machen und nur das absolut Nötige zu tun....

Das hat wohl auch, und so komme ich auch auf die anfangs von dir geschilderten Tatsachen zurück, mit der Technisierung unseres Alltags zu tun: wenn ich über whats-app etwas verschicken kann, muß ich mich nicht zum Anderen bemühen...

Also alles hängt auch irgendwie mit allem zusammen und beeinflußt sich gegenseitig.

Bezüglich deiner letzten Sätze gehe ich auch in anderen Bereichen lieber von dem Ist-Zustand aus. Wenn ich krank werde, ist das mein Ist-Zustand, und ich muß mich nach Therapiemöglichkeiten umschauen.

In gewisser Weise kann man das Problem mit anderen Problemen vergleichen. Wir haben immer einen Ist-Zustand, den wir bewätigen müssen. Jetzt kommt es auf die Möglichkeiten und Willigkeiten an.

Und da hapert es. Der Mensch gibt nun mal nicht gerne von seinem Wohlstand ab bzw. hat immer Angst gehabt, daß ihm Entscheidendes weggenommen wird!

Mir sind Menschen immer ein Vorbild, die ganz einfach etwas tun, wenn es die Möglichkeit dazu gibt und auch nicht lange fragen (auch nicht sich selbst, wenn z.B. Ersparnisse drauf gehen oder ein Bett für einen Bedürftigen gräumt wird)


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Unsere Welt ist in den letzten Jahrzenten sehr viel komplexer geworden, wegen Globalisation im weitesten Sinne. Aber unsere Moeglichkeiten, uns zu informieren, haben da nicht mitgehalten, deshalb sind wir wie eh und je auf Mittelsmaenner wie Journalisten, Wissenschaftler und Politiker angewiesen.

Es ist Tatsache, dass wir alle eher Stories glauben, die in unser Weltbild passen, und einen blinden Fleck fuer die andere Seite haben. Das ist menschlich und daran kann nicht viel geaendert werden. Ich persoenlich versuche Respekt vor der anderen Seite zu haben, was mir aber zugegebenerweise schwerer und schwerer faellt. 

Das Problem wird aber um ein vielfaches groesser, wenn Journalisten Stories, die in ihr Weltbild passen, weniger skrutinisieren, als Stories "der anderen Seite". Und dass das passiert haben wir 2016 oft genug erlebt. Die Presse hat eine sehr grosse Verantwortung, steht aber auch unter enormem Druck, Shares und Likes zu produzieren, mit einem viel hoeheren Tempo als frueher.

Dagegen wuerde helfen, wenn Reaktionen von der politischen Meinung her ausgeglichener waeren: dann koennte sich Linke und Rechte gegenseitig kontrollieren und die Stories waeren ein Stueck naeher an der Wahrheit. Aber wahrscheinlich wuerde das weniger gut verkauft werden koennen, da das Publikum eben am liebsten etwas hoert, das die eigenen Meinung unterstuetzt - Teufelskreislauf.

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Ich halte in solchen Fällen zumindest psychologisch entgegen. Wer eine Meinung hat, kann sie auch begründen. Also frage ich nach der Quelle, nach eigenen Erfahrungen, und suche einen Kontext zu mir bekanntem Wissen.

Dies halte ich dann auch dagegen und liefere die Begründung gleich mit. Dann merkt man eigentlich ziemlich schnell, ob jemand von dem überzeugt ist was er sagt. Oder ob es eben doch nur um die berühmten Stammtischparolen oder ums rechthaben geht.

Bekomme ich etwas vernünftig erklärt, füge ich dieses in mein Weltbild ein und fertig. Es steht mir nicht zu, etwas in Frage zu stellen wenn mir nichts anderes dazu bekannt ist.

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Kommentar von juste55
03.03.2017, 11:42

Brunnenwasser,

das hört sich gut an .

Aber ich kann zunehmend in Diskussionen auch andere Verhaltensweisen beobachten.

Da geht e  eben immer häufiger  um Rechthaberei, Ablehnung nicht-populärer Meinungen und /oder mögliche eigene gute Selbstdarstellung und weniger um wirkliche Faktenlage.

Woran kann das liegen?

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Gute Frage, ich antworte im Moment nur, um mir die Frage zu merken.

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