Leistungsbilanzübershuss- Unklarheit

4 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Wenn Du Dir in der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung die Zahlungsbilanz anschaust, dann stehen die Exporte auf der Soll-Seite, weil sie auf der Habenseite eine Vermehrung der Forderungen bewirken. Speziell in der Zahlungsbilanz nennt man daher die Sollseite die Aktivaseite oder Kreditseite – d.h. genau umgekehrt wie in der üblichen Buchhaltung. Warenexport erhöht die Forderungen an das Ausland, zunächst evtl. als Kredit, dann als Zahlungseingang, der aber, da in ausländischer Währung letztlich bei der Deutschen Zentralbank eine Forderung an eine ausländische Zentralbank darstellt. In der Kapitalbilanz steht also dem Warenexport auf der Sollseite ein Kapitalexport oder eine Zunahme der zentralen Gold- und Devisenreserven auf der Habenseite gegenüber, der Kapitalimport erscheint auf der Sollseite ebenso wie die Abnahme der zentralen Gold- und Devisenreserven, denn Kapitalimporte bedeutet, dass Ausländer Forderungen an uns haben.

Wenn man von einem Überschuss in der Aktivaseite der Zahlungsbilanz spricht, meint man nicht wie üblich einen Überschuss der Habenseite, sondern einen Überschuss der Sollseite. Kapitalimport ist keine Zunahme der Geldmenge sondern eine Zunahme der Forderungen des Auslands an uns, weil wir dann hier Waren und Dienstleistungen bezahlen durch Abtreten von Forderungen, die uns das Ausland zur Verfügung stellt. Kapitalexport bedeutet, dass wir Forderungen Ausländern zur Verfügung stellen, mit denen sie Waren und Dienstleistungen bezahlen können. Das geschieht z.B. dann, wenn Exportüberschüsse noch nicht zu Zahlungen geführt haben sondern als Kredite laufen. Führen sie zu Zahlungen z.B. in Dollar, erhöht sich für Deutschland die Forderung an die USA-Zentralbank. Wird in DM (Euro lass ich mal weg, weil noch komplizierter über die EZB) gezahlt, vermindern sich die Devisenreserven.

Die angehängte Grafik habe ich aus Wikipedia "Leistungsbilanz" - obwohl es bei Wikipedia sehr gedrängt erklärt ist.

Leistungsbilanz - (Deutschland, Wirtschaft, Volkswirtschaft)

Also wieder die klassische " Forderungen gegen xy"-Interpretation.Diese Spitzfindigkeit scheint ja in Wiwi schwer in Mode zu sein.Danke dir vielmals.

0

Ich verstehe das so: Nehmen wir den Teil Handelsbilanz der Leistungsbilanz. Klar ist wohl, dass Devisen, also Geld, ins Inland strömt. Man spricht bei einem erheblichen Ungleichgewicht zugunsten des Exports ja auch von der Gefahr einer importierten Inflation. Also kann mit Kapital hier nur Sachkapital, also Güter, gemeint sein. Es kommt zu einem Ungleichgewicht zwischen Geld- und Gütermenge. In dem Zusammenhang ist ja auch beim magischen Viereck als ein Hauptziel das außenwirtschaftliche Gleichgewicht interessant. Ich bin gespannt auf weitere Stellungnahmen zu deiner Frage

Ich vermute dasselbige, danke für die Antwort

0

Ich versuch mal, dies in normalem verständlichem Deutshc zu beschreiben: Leistungsbilanzüberschuss ist da, wenn z.B. europäische Firmen mehr Waren bzw. Dienstleitungen u.a. an Firmen anderer Länder außerhalb der EU verkauft als umgekehrt. Dabei müssen diese ausländischen Firmen, um die Leistungen bezahlen zu können, Euro bei der europäischen Zentralbank kaufen. Dies tun sie dadurch, dass sie über Bankverbindungen, deren deutsche Seite die hereingegebenen Deviesen (Dollar, Pfund, Yen, Yuan....) in Euro "umtauscht". Bei einem Überschuss sammeln sich so fremde Devisen bei der EZB, die dann entweder als Devisenreserven gehalten werden, oder bei lukrativen Anlagemöglichkeiten wieder in die Ursprungsländer fließen, entweder als Produktionsinvestitionen oder auch sonstige Kapitalanlagen.

M.E. sind diese sich ansammelnde Devisenreserven keinen Forderungen and die anderen Staaten wie es zu Zeiten der festen Wechselkurse noch war, sondern der Leistungsbilanzüberschuss wirkt auf die Kurse der jeweiligen Devisen im Verhältnis zum Euro jeweils als Kurssteigerung für den Euro. Wesentlich dabei ist die Stärke der Konkurrenzfähigkeit der europäischen Ökonomie, die sich im Handelsbilanzüberschuss zeigt.

Hallo,

die hier getroffene Aussage über Devisenreserven waren mir klar, meine Frage bezog sich nur auf den Kapitalexport.Danke dir trotzdem .

0
@torgus100

Ja, ist wohl noch unvollständig: Durch diesen Leistungsbilanzüberschuss sammeln sich in eben diesem Staat Devisen an, wenn mit eben diesen Devisen nichts gemacht wird, sondern von dem jeweiligen Verdiener, einer Produktionsstätte oder Handelsfirma o.anderen. Dann wird das Kapital von eben diesen wieder angelegt im Land. Ergeben sich aber jetzt Möglichkeiten, z. B. in einem anderen Land Filialen dieser Firma zu eröffnen, oder gar ganz andere günstige Geschäftsgelegenheiten, die genutzt werden, dann muss der Investor dort in diesem Land z.B. Arbeitskräfte bezahlen, Läden kaufen, sie renovieren, usw. Dies kann er mit seiner Währung, dem Euro, nicht bewerkstelligen, da im fremden Land nun mal nur die Gewalt und auch die Währung eben diesen Landes gilt. Er lässt sich deshalb seine guten Euro von seiner Bank in z. B. Rubel umtauschen. Diese wiederum besorgt sie sich aus den Devisenreserven der EZB, früher der deutschen Bundesbank. Das nennt sich dann Kapitalexport! Dieser wirkt nun genau umgekehrt gegen die Höhe der Deviesenreserven, die ein Staat so ansammelt. Außerdem entschäft der Kapitalexport die Handelsbilanz, weil ja fremde Währung mit eigener nachgefragt wird.

0

Was möchtest Du wissen?