Leistungs- und Sozialprinzip

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Es geht hier um zwei verschiedene Auffassungen von Gerechtigkeit, genauer gesagt von Verteilungsgerechtigkeit. Über die Frage, wie der "Kuchen" des gesellschaftlichen Reichtums, aber auch die Last der zu tragenden Kosten und Pflichten auf die Einzelnen aufzuteilen sei, gibt es ja schon Meinungsverschiedenheiten, solange Menschen in Gemeinschaften leben.

Eine Auffassung ist die, daß jeder das bekommen soll, was seiner Leistung entspricht. Eine andere Auffassung ist die, daß jeder das bekommen soll, was seinen Bedürfnissen entspricht. Gegen jede von beiden Auffassungen lassen sich Einwände vorbringen. Nicht jeder kann gleich viel leisten. Manche sind schwächer als andere, alt, behindert oder krank. Sollen sie deshalb weniger bekommen? Andererseits kann der Stärkere fragen, was er denn davon hat, wenn er mehr leistet als der Schwächere, und was ihn denn motivieren soll, seine vollen Fähigkeiten einzusetzen, wenn andere das bekommen, was er erarbeitet. Die politischen Auseinandersetzungen zwischen den "linken" und "rechten" Kräften der Gesellschaft drehen sich zu einem guten Teil darum, einen Kompromiß zwischen diesen beiden Sichtweisen auszuhandeln. Auf jeder Seite gibt es entschiedene Anhänger, die den Vertretern der jeweils anderen Seite Dummheit oder böse Absichten unterstellen.

In der Wikipedia illustrieren die beiden Sichtweisen in etwa: (a) die Artikel "Leistungsgesellschaft" und "Leistungsgerechtigkeit", und (b) "Bedarfsgerechtigkeit", "Solidarität" und "Sozialstaat". Für die Gesamtthematik würde ich die Artikel "Gerechtigkeitstheorien", "Soziale Gerechtigkeit", "Verteilungsgerechtigkeit" lesen.

Ich sehe soeben erst, daß Deine Frage schon seit fast einem Jahr unbeantwortet dastand. Vielleicht nützt Dir die Antwort ja trotzdem noch. :-)

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