Leiharbeit prekär?

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5 Antworten

Besser als Dabbes kanns mans erst einmal nicht beschreiben!

Viele große Unternehmen lagern über Zeitarbeit einen großen Teil ihrer Personalverwaltung aus und stellen grundsätzlich nur über ZAF ein. Da gibt es entsprechende Rahmenverträge - und selbst, wenn sich Bewerber direkt bei der Firma bewerben, werden sie an die ZAF verwiesen.

Manche Unternehmen nutzen das als eine Art Probezeit. Es ist für diese natürlich einfacher, den Mitarbeiter (wenn er nicht passt) loszuwerden. Andererseits haben so auch Bewerber mit einem schlechten Werdegang eine super Chance. Viele der Kunden sehen nur ein Kurzprofil der ZAF und nicht die vielen arbeitslosen Zeiten und schlechten Arbeitszeugnisse. Auch das Alter und die Herkunft ist oft erst einmal nicht erkenntlich. So hat der Bewerber die Chance, sich vor Ort zu "beweisen" und wird nicht anhand der Bewerbungsmappe gleich aussortiert.

Natürlich gibt es auch in dieser Branche viele Ausbeuter. Genauso wie in "normalen" Unternehmen. Ich denke, hier ist es wie bei vielem anderen... in den Medien oder in Bewertungsportalen von Hotels oder bei Diskussionen über die Telekom... die Leute schreien nur dann, wenn was negativ ist. Seltener, wenn es gut lief.

skinnerbox 29.01.2013, 16:48

Auch dir vielen Dank! Als Ergänzung ein super Beitrag der mir sehr weitergeholfen hat! ;-)

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Hallo skinnerbox,

Leiharbeit ist nicht immer schlecht. Leider gibt es in dieser Branche zu viele schwarze Schafe und somit wird die komplette Zeitarbeit niedergemacht. (Sklavenhändler, Zuhälter....) Ich kann dir nur von meinen Erfahrungen schreiben und wie ich darüber denke.

Ich möchte zuerst mit Vorteilen beginnen: Leiharbeit ist für einige ein Sprungbrett, um z. B. fest von einem Unternehmen (Kunde) übernommen zu werden oder aus langjähriger Arbeitslosigkeit rauszukommen. Zudem muss ein Leiharbeiter sehr flexibel sein und sich schnell auf neue Aufgabengebiete einlassen können. Durch Einsätze in unterschiedlichen Unternehmen sammelt der Mitarbeiter Berufserfahrung und lernt viel dazu. Der Lohn für einen Helfer in der Entgeltgruppe 1 beträgt 8,19 €/Std. Das ist das Entgelt für Mitarbeiter ohne Ausbildung und besondere Kenntnisse. Dazu möchte ich hinzufügen, dass es Branchen gibt, die weit unter dieser Entgeltgruppe zahlen (Taxiunternehmen, Pflegebranche, Gaststätten um nur einige zu nennen). Ist man in einem seriösen Zeitarbeitsunternehmen beschäftigt, ist das im Prinzip eine gute Sache und auf jeden Fall besser wie die Arbeitslosigkeit! Viele Zeitarbeitsfirmen vermitteln inzwischen Mitarbeiter/Bewerber. Die ZAF kümmert sich um potenzielle Stellenangebote und bietet ihre Mitarbeiter/Bewerber an, vereinbart Vorstellungstermine mit den Kunden. Wenn sich beide Parteien einig sind, verlangt die ZAF vom Kunden (nicht vom Mitarbeiter oder Bewerber) eine Vermittlungsprovision.

Nun komme ich zu den Nachteilen: Leiharbeiter werden oft als Menschen "zweiter Klasse" bezeichnet. Es gibt Kunden (oder deren Angestellte), die das den Mitarbeiter sehr zu spüren lassen. Leider gibt es viele Zeitarbeitsunternehmen, die im wahrsten Sinne des Wortes ihre Mitarbeiter "ausbeuten". Da werden Kündigungen rückwirkend ausgesprochen oder die Mitarbeiter werden -mehr oder weniger- dazu gezwungen unbezahlte Urlaubsanträge zu unterschreiben, wenn kein Auftrag vorhanden ist. In solchen Fällen muss die ZAF ihren Mitarbeiter normal zahlen, ob er einen Einsatz hat oder nicht. Denn beide Parteien müssen ihren Vertrag erfüllen! Ein weiterer Nachteil ist natürlich, dass jede Wirtschaftskrise etc. die Zeitarbeit als erstes betrifft und somit die Mitarbeiter einer ZAF als erstes gehen dürfen. Meist ist es dann sehr schwierig einen Folgeauftrag zu bekommen und die Kündigung steht ins Haus.

Nun zu den Mitarbeitern: wie bereits oben erwähnt, sind Mitarbeiter von ZAF sehr flexibel und haben gute bis sehr gute Kenntnisse in ihrem Beruf. Es gibt tatsächlich Mitarbeiter die den ständigen Kundenwechsel begrüßen, andere hingegen arbeiten darauf hin übernommen zu werden und nutzen ihre Chancen. Leider gibt es unter den Mitarbeitern auch genügend "schwarze" Schafe. Unzuverlässigkeit steht an erster Stelle, besonders im Helferbereich. Und so wird von einer zur nächsten ZAF gewechselt und die sind dann alle ganz ganz böse! Inzwischen werden den Kunden für sehr wenig Geld Mitarbeiter aus Osteuropa angeboten und da jeder sparen will, ist die Nachfrage groß. Also denke ich persönlich, dass die Zeitarbeit in Zunkunft rückläufig sein wird.

Ich hoffe, dir damit einen kleinen Einblick in die Welt der Zeitarbeitsfirmen und Leiharbeiter gegeben zu haben und wünsche dir alles Gute!

skinnerbox 29.01.2013, 16:47

Vielen Dank zu dieser ausführlichen und wirklich konstruktiven Antwort!

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Leiharbeit war in den 90-zigern noch das als was es gedacht war, Auftragspitzen oder auch krankheitsbedingte Ausfälle abdecken. Unserer Regierung unter Schröder und Co ist es zu verdanken was daraus wurde. Ich habe seit 1998 Erfahrungen mit verschiedenen Zeitarbeitsunternehmen.Seit 2003 ist es kein normales Arbeitsverhältnis mehr, sondern mehr als prekär. Dabei wuß ich sagen, beim Kunden gab es keine Probleme in den meisten Firmen wurde ich genauso behandelt wie die festen Angestellten. (z.B.Erhalt von Benzingutscheinen und anderen finaziellen Zuwendungen) Ich kann auch über mangelnde Anerkennung meiner Arbeit beim Kunden nicht klagen. Jedoch zu denken über Leiharbeit in ein festes Angestelltenverhältnis beim Kunden zu kommen ist falsch, auch wenn es von Politik und Amt gerne behauptet wird. Ebenso falsch ist die Behauptung einiger Politiker Leiharbeiter sind vorwiegend Ungelernte. Nein, das Problem sehe ich in den Leiharbeitsfirmen selbst. Für die meisten Disponenten bist du Humankapital und kein Mensch der auch eine Würde hat. Wenn man dann noch als erfahrene Fachkraft das Pech hat einen Disponenten vorgesetzt zu bekommen der eigentlich keine Ahnung hat, ist Streit vorprogrammiert. Wenn du nicht springst wie die wollen, bist du ganz schnell weg vom Fenster. Heuern und Feuern gilt nach wie vor. Leider kommt man auf dem normalen Weg an fast keine offenen Stellen mehr, gute Ausbildung hin oder her. Im Zusammenhang private Arbeitsvermittler und Leiharbeitsfirmen wird noch mehr Schindluder mit den Leuten getrieben. Meiner Meinung nach gehört das Ganze Abgeschafft. Auch kann sich kein Mensch vorstellen was es für einen Leiharbeiter heißt immer auf den Sprung zu sein und nicht zu wissen, wie geht es weiter.

Tach,

das, was Schneehase u. Dabbes schreiben, ist wohl eher Wunschdenken und durch die rosa Brille betrachtet.

Die Realität sieht leider anders aus.

L3eiharbeit ist einn Instrument zum Lohndrücken und der Einschüchterung.

Die Vermittlungsquote liegt tatsächlich bei mageren 7 - 8 %.

Die Branche hat doch gar kein Interesse daran, Leiharbeiter in feste Arbeitsverhältnisse zu bringen.

Das wäre ja so, als würde ein Ölkonzern plötzlich Elektroautos vermarkten.

Feste Arbeitsverhältnisse würden der Zeitarbeitsbranche doch die Auftragsmöglichkeiten entziehen.

Ehrliche, bzw. seriöse Zeitarbeitsfirmen gibt es in "D" nicht.

Da die Geschäftsgrundlage der Zeitarbeit nur auf Lug u. Betrug basiert, könnte eine ehrliche Zeitarbeitsfirma unter den jetzigen Voraussetzungen gar nich existieren.

Stöber hier mal durch das Thema Zeitarbeit.

Da findest du reichlich Erfahrungsberichte.

Meine Antworten dazu bei anderen Fragen sind keinesfalls überzogen.

Grade jetzt hat mein Chef ne Ex-Leihkeule eingestellt.

Der hat ne Ausbildung, Berufserfahrung + mehrere gültige Schweißerprüfungen.

Den hat ne Leihbude für ca 10€/Std Brutto quer durch die Republik geschickt.

Wenn qualifizierte Leute mit Berufserfahrung so betrogen werden, dann kann ne Leihfirma den Malocher selbstverständlich billiger anbieten, als wenn der Unternehmer den selbst einstellt.

Ich glaube begründet sagen zu können, dass Hartz 4 besser ist, wie jede Art der Leiharbeit.

Du solltest dich auch mal mit den dubiosen Sdcheintarifen der Branche IGZ u.BZA beschäftigen.

Ich will jetzt hier nicht ausfühtlicher werden, dazu habe ich bei anderen Fragen reichlich geschrieben.

Hier mal wieder ein Link

http://www.leistenschneider.org/glossar.asp#

unter Tarifzwang gucken.

Das is n Link einer Zeitarbeitsfirma und beweist, wessen Imteressen die DGB-Gewerkschaften tatsächlich vertreten.

Schneehaserle 30.01.2013, 08:49

Den hat ne Leihbude für ca 10€/Std Brutto quer durch die Republik geschickt. ...

Wenn qualifizierte Leute mit Berufserfahrung so betrogen werden ...

Ist es nicht aber so, dass dieser Arbeiter einfach nicht schlau genug ist, auch mal bei anderen ZAF nachzufragen und sich zu bewerben? Es liegt doch an mir, wenn ich einen Vertrag für 10€ unterschreibe. Bei der Anzahl an ZAF kann ich mir doch den bestzahlenden raussuchen?

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Meinereiner67 30.01.2013, 23:12
@Schneehaserle

@Schneehase

Es liegt doch an mir, wenn ich einen Vertrag für 10€ unterschreibe.

leider sieht da die Wirklichkeit anders aus.

Es ist nachweisbar so, dass viele Leihbuden die arbeitsuchenden Bewerber erpressen.

Ich hab das selbst auch erleben dürfen.

Ausgeschrieben wird eine nicht wirklich existierende Stelle, z.B. für n Facharbeiter mit einschlägiger Berufserfahrung für einen Ort XY.

Da wird dann ein Arbeitsuchender vom Jobcenter hingeschickt.

Beim Vorstellungsgespräch stellt sich dann auf wundersame Weise heraus, dass die ausgeschriebene Tätigkeit nicht mehr vakant ist.

Dem Facharbeiter wird dann irgendetwas als Helfer an einer anderen, entfernten Ort angeboten. - Zum Helferlohn, ist ja klar.

Lehnt der Bewerber das dann ab, droht die Leihfirma ganz offen damit, dass man z.B. für ne Sanktion beim Jobcenter sorgen könne.

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Dabbes 30.01.2013, 16:00

Ehrliche, bzw. seriöse Zeitarbeitsfirmen gibt es in "D" nicht.

Meinereiner67, da muss ich dich enttäuschen - denn die gibt es! Branchenzuschläge sind z. B. bei uns gar kein Thema, da die Mitarbeiter teilweise sogar mehr wie das Stammpersonal verdienen. Wir freuen uns über jeden Mitarbeiter der übernommen wird. Was uns das bringt? Das Vertrauen unserer Mitarbeiter und Kunden, die bei Bedarf immer wieder gerne auf uns zukommen. Hartz IV ist besser als zu arbeiten, sich weiterzubilden, Chancen zu ergreifen? Außerdem werden Lücken im Lebenslauf geschlossen. Langzeitarbeitslose fallen meist gleich bei "normalen" Firmen durch das Raster. Wie Scneehaserl schreibt, gibt es in jeder Branche schwarze Schafe!

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jasonbrent 08.02.2013, 18:33
@Dabbes

Wenn es sowas noch gibt,dann nennt doch auch den Namen der Firma. Somit kann sich mancher arbeitstechnisch verbessern und es gibt dann doch ein kleines Sternchen in der ZA.

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Wenn es so ist dann gebt doch auch mal die Namen der Firmen bekannt. Somit kann sich der eine oder andere arbeitstechnisch verbesser.

lakeie 13.02.2013, 17:55

Namen von ehemaligen Arbeitgebern gibt man im Netz nicht bekannt, ich jedenfalls tue es nicht. Aber wenn man bissel sucht im Netz findet man die schwarzen Schafe.Lg

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