Leidet sie an Depressionen?

9 Antworten

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Selbstverletzendes Verhalten (SVV) ist eigentlich kein typisches Symptom einer Depression, kann in einigen Fällen jedoch vorkommen. Vielmehr ist es ein klassisches Symptom anderer psychischer Erkankungen wie z.B. Borderline. Eine fundierte Diagnose kann nur eine Fachperson (Psychiater oder Psychologe) erstellen und dies funktioniert nur im direkten Gespräch. Auch kann diese Fachperson eine geeignete Behandlung einleiten, denn mit SVV ist nicht zu spassen. Den Drang sich selbst zu verletzen kann sich bei ausbleibender professioneller Behandlung immer weiter steigern. Wichtig ist also, dass sie so bald wie möglich einen Psychiater aufsucht. Sie kann auch erst zum Hausarzt gehen, welcher sie bei ausreichdem Verdacht auf eine psychische Erkrankung an einen Psychiater überweist.

Noch zu den Depressionen: Damit es zu einer Diagnose Depression kommt, müssen bestimmte medizinische Kriterien erfüllt werden. Diese sind im internationalen Diagnoseverzeichnis ICD-10 festgehalten, welches auch hierzulande gilt.

Gemäss ICD-10 wird bei Depressionen zwischen 3 Haupt- und 7 Nebensymptomen unterschieden. Diese Symptome müssen in klinischer Relevanz (ausreichender Stärke) für mindestens 2 Wochen dauerhaft vorhanden sein, bevor man von einer Depression spricht. Je nach Anzahl und Ausgeprägtheit werden Depressionen in „leicht“, „mittelschwer“ oder „schwer“ eingeteilt.

  • Leichte Depression: mind. 2 Haupt- und 2 Nebensymptome. Der betroffene Patient ist im Allgemeinen davon beeinträchtigt, aber oft in der Lage, die meisten Aktivitäten fortzusetzen.
  • Mittelschwere Depression: mind. 2 Haupt- und 3-4 Nebensymptome. Der betroffene Patient hat meist grosse Schwierigkeiten, alltägliche Aktivitäten fortzusetzen.
  • Schwere Depression: 3 Haupt- und 5 oder mehr Nebensymptome. Der betroffene Patient ist nicht im Stande, alltäglichen Aktivitäten nachzugehen.

Hauptsymptome gemäss ICD-10 sind:

  • Depressive Stimmung, in einem für die Betroffenen deutlich ungewöhnlichen Ausmass, die meiste Zeit des Tages, fast jeden Tag, im Wesentlichen unbeeinflusst von den Umständen.
  • Interessens- und Freudeverlust an Aktivitäten, die normalerweise angenehm waren.
  • Verminderter Antrieb oder erhöhte Ermüdbarkeit

Nebensymptome gemäss ICD-10:

  • Verlust des Selbstvertrauens oder Selbstwertgefühls
  • Unbegründete Selbstvorwürfe oder ausgeprägte, unangemessene Schuldgefühle
  • Wiederkehrende Gedanken an den Tod oder an Suizid sowie suizidales Verhalten
  • Klagen über oder Nachweis eines verminderten Denk- oder Konzentrationsvermögens, Unschlüssigkeit oder Unentschlossenheit
  • Psychomotorische Agitiertheit oder Hemmung (subjektiv oder objektiv)
  • Schlafstörungen jeder Art
  • Appetitverlust oder gesteigerter Appetit mit entsprechender Gewichtsveränderung

Patienten erwähnen ebenfalls eine Vielzahl anderer Symptome, welche nicht im ICD-10 aufgeführt sind. Dazu gehören vor allem Hoffnungslosigkeit, negatives Denken/Gedankenkreisen, Depersonalisation/Derealisation, sexuelles Desinteresse, selbstverletzendes Verhalten (SVV) und körperliche Beschwerden (z.B. Schmerzen).

Doch wie gesagt, es gibt noch unzählige weitere psyische Erkrankungen. Eine Diagnose kann nur eine Fachperson erstellen.

Die Antwort ist gut, aber da fehlt ein ganz wichtiger Aspekt. Nämlich, dass Borderline allerfrühestens ab 18 Jahren diagnostiziert werden darf.

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@LittleCoon

Das ist korrekt, doch in der Praxis wird es kaum umgesetzt. Dennoch hast du natürlich recht...

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in der klinik bei uns wird borderline in jedem Alter diagnostiziert

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Ferndiagnosen nützen nichts.

Genauso wenig, wie einfach zu ihren Eltern zu rennen und diese auf die Wunden aufmerksam zu machen. Das Wichtigste ist Vertrauen. Sie hat dir schon anvertraut, dass sie ein schlimmes Geheimnis hat, das ist ein Anfang.

Sei für sie da. Das ist wichtig!

Falls es wirklich so ist und sie an Depressionen leidet, dann muss sie das selbst verstehen und akzeptieren. Es bringt nichts Leute mit dieser Krankheit dazu zu zwingen sich zu öffnen oder eine Therapie zu machen. Sie müssen von sich aus merken, dass sie Hilfe brauchen.

Beweis ihr einfach, dass sie dir vertrauen kann.

Wenn sie tatsächlich nur Aufmerksamkeit möchte, dann ist es halt so. Man sollte es aber nie herunter spielen.

okay danke

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Die Frage wurde ja schon vor einigen Stunden gestellt und es gibt schon so viele hilfreiche Antworten, aber dennoch... An deiner Stelle würde ich deine Freundin unter keinen Umständen als Drama Queen bezeichnen - es mag passieren, dass das alles nur gesagt wurde, um Aufmerksamkeit zu bekommen, aber viel wichtiger ist doch: Was wenn nicht? Wenn jemand wirklich Hilfe braucht und mit Selbstverletzung oder psychischen Problemen zu kämpfen hat ist ihnen nicht zu glauben das schlimmste was man machen kann. Versuche vielleicht, sie nicht direkt damit zu konfrontieren, sondern taste dich in einem passenden Moment (hoffentlich bald) heran. Erzähle, dass du dir etwas Sorgen machst, weil sie trauriger oder abwesender wirkt und frag, ob vielleicht etwas passiert ist. Sage am Besten im ersten Moment nichts von den Wunden, denn oft ist das zu viel auf einmal, wenn sie denn wirklich solche Probleme hat. Zeige ihr, dass sie dir vertrauen kann. Zu einem späteren Zeitpunkt (ein, zwei Tage), falls sie sagt sie hat diese Probleme, kannst du ja mal eine Therapie vorsichtig vorschlagen und dass sie sich doch ihren Eltern anvertrauen sollte. Wenn sie nicht möchte, sage ihr, dass du dir so große Sorgen machst dass du ihren Eltern ein bisschen was erzählen wirst. Du kannst das nicht alleine lösen, es geht bei dir eher darum, dass du sie unterstützst und für sie da bist. Ohne ihre Eltern wird das schwierig... Ich hoffe du findest einen Weg, ihr zu helfen und für sie da zu sein. Viel Glück! (Und schreib doch, wie es gelaufen ist)

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