Lebt die Biologie als Naturwissenschaft des Lebens durch die fehlende Definition des Lebens selbst?

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Vielleicht, lieber Qualia, hilft Dir ein Denkansatz von Gregory Bateson weiter: 

dieser unterrichtete einmal eine Klasse von !Künstlern. Er brachte einen gekochten und deshalb toten Krebs mit. Die Klasse forderte er auf, sich vorzustellen, sie seien Alien Wissenschaftler. Als solche hätten sie die Aufgabe, anhand dieser "toten Materie Krebs" Hinweise darauf zu finden, weshalb es sich dabei um die Überreste eines Lebewesens handeln muss. 

.  

Sehr spannend nachzulesen in seinem Buch "Geist und Natur". 

Stichworte: Ordnung, Symmetrie, Muster, Verhältnisse.

 

Genau, an diese Stelle erinnere ich mich auch, ich habe es soeben mal nachgelesen... schon toll dieser Bateson.

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@valentin301

Und .. fast hätte ich es bei dem neuen Layout übersehen...

Danke für das "goldene Bändchen"  ;-) 

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Es folgt nun der dritte und letzte Teil meiner Antwort.

C)Philosophische Überlegungen

In der Naturphilosophie der frühen Vorsokratiker gab es nur ein vermeintlich modernes, im Grunde naives, im Kontext des noch dominierenden Pantheismus, ein Werden und Vergehen, ein Geboren werden und Sterben.

Mit der zunehmenden Bedeutungslosigkeit der alten Götter in der Antike und später mit der Einführung des christlichen Schöpfergottes kommt noch stärker als bisher, der Begriff des Telos oder Zweckes oder inneren Antriebs ins philosophische Denken.

Die Zweckfreiheit, wie sie die frühen Vorsokratiker postulierten, gehörte nach und nach einer fernen und heidnischen Vergangenheit an.

Vor Aristoteles, hat sich bereits Parmenides mit den Zwecken im Sein beschäftigt. Im Allgemeinen beginnt mit dem Erstgenannten das philosophische Argument des Zweckes in der Natur immer stärker an Bedeutung zu gewinnen. Der belebten Natur wird ein Sinn, ein Antrieb, ein Zweck, ein Endpunktpunk ein Ziel, der Telos, beigemessen. Die Scholstiker um Thomas v.Acquin  bauten dies zur Entelechie aus.

Mit dem Ausformung des christlichen Glaubens dient alles dem christlichen Schöpfergott, alles geschah zur Ehre Gottes. " Der Zweck des Lebenden" wurde so zum Instrument des christlichen Gottes; zum Mittel eines allwissenden und voirausschauenden Schöpfergottes.

Erst mit Beginn der modernen Naturwissenschaften im 17.Jhdt.( Stichwort G.Galilei) wurde der "TELOS" in der Physik ad absurdum geführt. In der Form der Entelechie in philosphisch-theologischen Seminaren hat er bis heute überlebt.

Nun darf man aber nicht den Fehler begehen, einen zielgerichteten Vorgang mit einen zweckgerichteten Vorgang zu verwechseln, bzw. diesen zielgerichteten Vorgang einen Zweck unterordnen zu wollen. Zielgerichtete Vorgänge waren griechischen Naturphilosophen und Ärzten sehr wohl bekannt. Der Gedanke der Teleologie war besonders in Deutschland von Leibniz bis Kant sehr wirksam und einflußreich.

Was die Diskussion über zielgerichtete Vorgänge erschwert, ist die Tatsache, daß nach wie vor eine große Verwirrung über die Bedeutung des Begriffees " teleologisch" besteht.

Nach dem bekannten Biologen E.Mayr wurden in der Vergangenheit vier unterschiedliche Vorgänge mit dem Begriff " teleologisch"  belegt.

1.Naturvorgänge, die zwar einen Endpunkt haben, aber durch Naturgesetze bestimmt sind, der aber automatisch erreicht wird, nennt man nach E.Mayr " teleomatisch" . Zum Beispiel das Fallen eines Steines aufgrund der Schwerkraft, Abkühlung eines heißen Objektes tec.)

2.Anderseits werden alle Phänomene, die durch ein genetisches Programm gesteuert werden, als " teleonom" bezeichnet.

3.Die dritte Kategorie umfaßt das, was Kant als " zweckmäßig" bezeichnet hat und die moderne Evolutionsbiologie als Anpassung oder angepaßte Systeme bezeichnet ( Herz, Magen, Auge, Nieren etc.). Organische Zweckmäßgikeit.

4.Die vierte Kategorie kann als " kosmische Teleologie" bezeichnet werden, d.h. der Glaube, es wohne der Welt eine Kraft inne, die sie zu einem endgültigen Ziel oder Zweck führt. Dazu gehört die Entelechie und der "elan vital"  der sogenannten Lebensphilosophie des 19.Jhdt.

Quelle.Ernst Mayr, " Die Darwinsche Revolution und die Widerstände gegen die Selektionstheorie "

Fragen wie sie von Qualia gestellt werden, mögen auf den ersten Blick interessant erscheinen, aber auf den zweiten Blick bereits widersprüchlich und auf den dritten Blick nicht besonders sinnvoll, weil er grundlegende Zusammenhänge und Begriffe noch nicht begriffen hat .SCHADE !!!!

 

arevo

 

Ich möchte noch einmal auf dieses Thema  und Frage " Was ist oder bedeutet Leben " zurückkommen, weil es von eminenter Bedeutung ist. Die gestellte Frage von Qualia ist aus naturwissenschaftlichere aber auch aus philosophischer Sicht von Interesse.

Ich werde die Thematik wie folgert gliedern:

a)Sprachwissenschaftliche Betrachtung

b)Naturwissenschaftliche Analyse

c)Philosophische Überlegungen

 

Ganz offensichtlich geht Qualia davon aus, das der Begriff " Bios" und " Leben" übereinstimmt. Dem ist aber nicht so. Daher rüheren sicher auch viele Mißverständnisse.

 

Im Altgriechischen bedeutet "bios", je nach Akzentsetzung, zwei Bedeutungen.

to Bi`os = das Leben, Akzent auf Bi-os

to Bio`s = der Bogen (die Waffe ), Akzent auf Bio-s

Für den Bogen als Waffe gibt es im Altgriechischen noch ein Wort: to toxo .

Auf einem Fragment, welches Heraklit zugeschrieben wir, wurde folgender Satz entziffert: " Der Bogen bedeutet dem Namen nach Leben, aber in Wirklichkeit ist er der Tod ".

Leben und Tod wird im Altgriechischen und auch in der Naturphilosohie der Vorsokratiker immer zusammen gedacht.

 

In deutschen Sprache gestaltet sich das etwas anders. Im Germanischen und im Althochdeutschen sprach man nicht vom Leben, wie jetzt im Neuhochdeutschen, sondern vom "LEIB bzw.LIB"

Unser Bekanntes Wort " LEBEN" ist nichts anderes als ein substantiviertes Verb.

Das ahd.Wort Verb " leben" hatte die Bedeutung übrigbleiben, nach einem Kampf, nicht

tot sein,. Als substantivierter Inifinitiv im AHD. mit der Bedeutung, das Lebendigsein, organisches Leben, irdisches Leben. Im Begriff " werdendes Leben oder keimendes Leben ist diese Bedeutung noch vorhanden.

D.h das altgriechische "bios" und das deutsche Wort " leben" stimmt in seiner Bedeutung nicht überein. Was natürlich naturwissenschaftlich und philosohpische Folgen hat.

Das zum sprachwissenschaftlichen Teil. Die anderen Teile folgen.

 

arevo

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Schlussfolgerung-> Erde/Mond waren mal ein Planet->  undenkbar (?? vs !!)

Ein Blick auf die Genetik der Eukaryoten zu denen auch der Mensch zählt...
Die genetischen Informationen sind bei gesunden Menschen perfekt 'programmiert'. Wenn man experimentell was optimieren wollte, ging das massiv in die Hose...
Quelle (Internet Stichwort Menschen klonen etc.)

Auch in Tier- und Pflanzenwelt eher erschreckende Beispiele wie zB. dreibeinige Lebewesen(...)  obwohl Scheinerfolge in Sachen Leistungssteigerung/ Produktivität vorlagen. Dazu muss noch gesagt werden dass diese Versuche auf Basis des vorhandenen Genmaterials durchgeführt wurden.
Bei diesen Erfolgskonzepten bleibt häufig unberücksichtigt, dass die Tiere/ Pflanzen krank und ungesund sind  und der Konsum von gentechnisch veränderten Produkten langfristige Gesundheitsschäden hervorruft!

Schlussfolgerung
Das intelligenteste Lebewesen unseres Planeten also der Mensch kommt bei diesen Genmanipulationen NUR zu überwiegend erschreckenden und dubiosen Ergebnissen und das obwohl der Mensch das Genmaterial ''weiterverarbeitet'' und nicht neu ''programmiert''!
Also ist die vermeintlich millionenlange Entwicklung- kurz der Zufall besser als der Mensch???????

Könnte das nicht viel mehr ein Hinweis auf einen intelligenten und kreativen Programmierer/Designer/ Schöpfer sein?

Wie ist es möglich, dass sich im Weltraum einige Planeten +Monde linksherum drehen und andere rechts herum?
Wer hat ihre Umlaufbahn definiert???
Und woher kommen die Naturgesetze wie zB die Schwerkraft ( überspitzt formuliert- woher wusste die Erde dass ohne der Schwerkraft alle Lebewesen einfach in den Kosmos hinausfliegen?)

Ich finde, dass diese Fragen nicht einfach so von der Hand zu weisen, da die Existenz eines Gottes, von der ich persönlich überzeugt bin, zwangsläufig auch eine gewisse  Haltung zu ihm erfordert!!!

Danke dass Sie sich Zeit genommen haben!
Ich stehe gerne für einen Diskurs bereit und freue mich auf interessante Antworten😀

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Gibt es innerhalb der Biologie eine Definition von Lebewesen/Oranismus, bei der "selbstständig lebensfähig" oder ähnliches eine Rolle spielt/Kriterium ist?Link?

In der Biologie gibt es verschiedene Definitionen von Lebewesen/Organismus.

Z.b. hier eine:

http://www.biologie-lexikon.de/lexikon/leben.php

Diese sind meist in Form von Listen von Kriterien; und was eben alle/ausreichend Kriterien erfüllt, ist ein Organismus/Lebewesen (nach dieser Definition); und was eben ein Kriterium oder zu viele Kriterien nicht erfüllt, ist keines (nach der entsprechenden Definition).

Mir ist nun immer wieder die Behauptung begegnet, dass wenn etwas nicht "selbstständig lebensfähig" ist, dass es dann biologisch kein Lebewesen/Organismus sei.

Das macht nur Sinn, wenn es denn irgendeine biologische Definition gibt, bei der z.b. ein Kriterium gerade die selbständige Lebensfähigkeit ist und/oder selbstständig lebensfähig auf andere Art eine Rolle spielt.

Ich habe trotz Suche aber nie eine entsprechende Definition gefunden; auch die obige verlinkte erlaubt soweit ich sehe keinerlei Verbindung mit "selbstständig lebensfähig".

Deshalb die Frage, ob es eine solche gibt und nach einem Link zu einer solche; damit ich das ggf. nachlesen kann, was das für eine Definition ist.

(Anmerkung: Es kann auch sein, dass bereits der Begriff "selbstständig lebensfähig" in der Biologie als Kriterium für Organismus mangels Klarheit völlig ungeeignet ist; z.b. bin ich eigentlich selbstständig lebensfähig? Intuitiv würde man sagen ja, aber man muss meinen Aufenthaltsort innerhalb dieses Universums nur um einen lächerliche geringen Anteil der Größe des Universums verschieben und schon bin ich nicht mehr am Leben; wenn ich in 99,99999 ........... [sehr viele 9].... 99% des Volumens des Universums sofort sterbe, bin ich dann überhaupt selbständig lebensfähig? Und meine Überlebensaussichten könnten bereits schlecht sein, wenn man mich alleine im Urwald aussetzt; oder auch nur die Supermärkte dicht machen)

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