Lebensdauer von Spendeorganen

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8 Antworten

Hallo. Aristella hat im Prinzip recht, abgesehen vom normalen "Verschleiß" kommt es bei Organen, die nicht von eineiigen Zwillingen oder sehr nahen Bluts-Verwandeten mit hoher Gewebekompabilität stammen, trotz der immunsuppressiven Therapie zu einer chonischen Abstoßungsreaktion, weil Zellen (u.a. T-Killerzellen) des Immunsystems die als fremd erkannten Zellen des Spenderorgans angreifen, dadurch kommt es zu einer schleichenden Zerstörung von Funktionsgewebe des Organs, das dann von Bindegewebszellen (ähnlich wie bei einer Narbe) ersetzt wird (sog. Fibrosierung). Dadurch kommt es zu einem schleichenden Funktionsverlust des Spenderorgans. Die angegebenen Zeitspannen sind Erfahrungswerte, im konkreten Fall hängt die "Lebensdauer" des Organs aber von vielen Randbedingungen ab (u.a. Ausmaß der Gewebekompabilität, korrekte Einnahme der Immunsuppressiva, zusätzliche schädigende Faktoren wie Alkohol- oder Drogenkonsum, Einnahme anderer Medikamente, Bluthochdruck, Diabetes ect...Bei Spenderlebern ist übrigens das Problem der Abstoßung von allen Organen am geringsten, sie haben tendentiell die längste Funktionsdauer, sofern nicht zusätzliche Faktoren (wie z.B. fortgesetzter Alkoholkonsum, falls die Leber wegen Lebercirrhose bei Alkoholkonsum oder chronische Hepatitis B oder C, falls die Leber wegen infektbedingter Lebercirrhose bzw. -Leberversagen transplantiert wurde). Die größten Probleme mit chronischer Abstoßung gibt es bei Herzen und Nieren, Lungen und Bauchspeicheldrüsen liegen im Mittelfeld. Nebenbei gibt es auch noch die akute Abstoßungsreaktion (Spenderorgan stellt dabei innerhalb weniger Tage seine Funktion ein) und die perakute Abstoßung (Ausfall innerhalb weniger Stunden, d.h. noch während der OP). Diese Typen treten aber üblicherweise nur bei grober Gewebe-Inkompatibilität auf (z.B. bei Xenotransplantation (d.h. der (experimentellen) Transplantation von Organen von Fremdspezies (z.B.Schwein)...derartiges wird aber heutzutage bei Menschen üblicherweise nicht durchgeführt...). Langfristig besteht natürlich die Hoffnung, dem Mangel an Spenderorganen einerseits sowie der Abstoßungsproblematik andererseits durch die "Maßanfertigung" von Ersatzorganen aus Stammzellen des Empfängers Herr zu werden....bis dahin dürften aber noch einige Jahre vergehen...immerhin kann man aber schon Haut aus Zellen des Emfängers nachzüchten und auch bei einem Ohr hat das schon geklappt... Gruß Docfm, Facharzt für Anästhesie und Intensivmedizin

Der Körper akzeptiert die neuen Organe nicht vollständig, betroffene müssen deshalb auch Medikamente nehmen. Irgendwann aber stößt der Körper dann das Organ ab, und man ist tot. Glaube ich.

Na ja, tot ist man dann nicht unbedingt gleich...die Folgen hängen davon ab, um welches Organ es geht...im Fall einer Niere braucht derjenige dann wieder eine relgelmäßige Dialysetherapie bis ggf. eine erneute Transplantation erfolgen kann. Im Fall von Herz, Lunge oder Leber führt der vollständige Ausfall natürlich schon zum Tod, da der Ausfall aber in der Regel schleichend über Monate erfolgt, kann eine erneute Transplantation geplant werden, im Fall des Herzens kann der Zeitraum bis dahin ggf. durch ein sog. Kunstherz oder ein Cardiac Support Device (ersetzt einen Teil der Herzfunktion) überbrückt werden.... Gruß Docfm

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@docfm

Dank modernster Technik und dem extremen Fortschritt, ist es mittlerweile möglich, manche Organe aus dem eigenen Zellen zu züchten. Dies ist heute nur bei ganz bestimmten Organen möglich, wird jedoch in Zukunft (hoffentlich) auch bei den anderen, viel wichtigeren Organen möglich sein. Damit wäre das Problem, dass der Körper das Spenderorgan nicht annimmt gelöst. Bis es soweit ist, dauert es aber noch einige Jahre. Da die Spenderbereitschaft, auch wegen gewisser Skandale zurückgegangen ist, gibt es nicht merh genung Spender´. Das bedeuter, dass wenn das Organ dann endgültig abgestoßen wird, und kein neues Organ gefunden werden kann, der Mensch indirekt an dem Abstoßen des Organes stirbt.

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Die einzige Möglichkeit, wie ein Körper ein Organ als komplett seins akzeptieren könnte, wäre ein Transplantat vom eineiigen Zwilling. Das wäre genetisch komplett gleich und der Körper würde es nicht als fremd ansehen, dh solche Patienten müssen auch keine Immunsuppressiva nehmen

Alles andere wird vom Körper als fremd erkannt und er kämpft lebenslang dagegen an. Natürlich werden die wichtigsten Faktoren wie zB Blutgruppen abgeglichen und ein Spender gesucht, der dem Empfänger so ähnlich wie möglich ist - ganz gleich geht aber nie. Je nachdem, wie gut Spender und Empfänger zusammenpassen, kämpft der Körper mehr oder weniger und je nachdem muss der Empfänger mehr oder weniger Immunsuppressiva nehmen. Die haben natürlich erhebliche Nebenwirkungen. Also ist das Transplantat die ganze Zeit über erhöhtem Stress ausgesetzt, einerseits durch das dauernde Bombardement, das zwar durch die Medis abgeschwächt wird, aber trotzdem passiert, andererseits durch die Immunsuppressiva selbst, denn die betreffen natürlich auch das Transplantat. Irgendwann geht das dann eben in die Knie...

Die Werte, die du da angibst, sind Durchschnittswerte - Nieren halten inzwischen schon über 20 Jahre in Einzelfällen. Besonders Lebern sind aber stark unter Stress, denn Medis werden über die Leber verstoffwechselt - die baut also selbst das ab, was sie eigentlich am Leben erhält...

Ich kann leider nur raten, ich denke es liegt daran, dass es etwas Fremdes ist und der Körper sich damit nicht abfinden kann, und es somit versucht abzustoßen.

Ja dann ist das nicht das passende Organ für den Menschen und glaub die müssen dann Tabletten für nehmen das das nicht passiert

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Ich glaube, dass sind eher statistische Werte. Das heißt nicht, dass ein Spendeorgan nach 15 Jahren aufgibt, sondern dass alle bisher verpflanzten Organe bisher eine durchschnittliche Lebensdauer von 15 Jahren hatten.

Ist mir neu das das so wäre wenn die tranplantiert worden und vom Körper angenommen worden wieso sollten die dann nicht normal weiter arbeiten? Sind schließlich gesunde Organe

Hab dazu unter der Antwort von Kriegspandemie was geschrieben.

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sowas ist mir neu.. normalerweise arbeiten solche organe dauerhaft wenn sie nicht bereits selbst von älteren spendern stammen

Es ist bekannt, dass transplantierte Organe eine begrenzte Zeit halten - dann braucht der Spender ein neues Organ ...

Hier berichtet ein Nierenempfänger von seinen Erfahrungen, lies den Kommentar von E.K. (der zweite Kommentar ist von mir):

w.swr.de/forum/read.php?2,76205

Dies ist die Dokumentation, auf die die Kommentare geschrieben wurden:

Gefährliche Verharmlosung

http://www.swr.de/report/-/id=233454/nid=233454/did=10038574/136ycdy/index.html

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hab ich noch nie davon gehört

Stimmt aber - siehe dazu meinen Kommentar unter der Antwort von Kriegspandemie.

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